Unser Herz: Mehr als nur ein Muskel

Dr. med. Ryszard Wesolowski

Kolumne Business & Health
Von Dr. med. Ryszard Wesolowski, Leitender Arzt, Abteilung für Kardiologie und internistische Intensivmedizin, Helios Mariahilf Klinik Hamburg

Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems sollten nicht auf die leichte Schulter genommen werden: Nach wie vor sind Herz-Kreislauf-Erkrankungen eine der häufigsten Todesursachen und allein in Deutschland für knapp 50% der Todesfälle verantwortlich. Die Gesundheit Ihres Herzens sollte für Sie zur Herzensangelegenheit werden, damit im Ernstfall keine schwerwiegenden Erkrankungen wie Herzinfarkt, Herzschwäche oder Herzrhythmusstörungen drohen. Ein gesunder Lebensstil kann Herzerkrankungen vorbeugen, aber auch der Arbeitsalltag kann zum wichtigen Faktor für Ihre Herzensgesundheit werden.

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Jeder von uns kennt diese Situation, wenn das Blut mit hohem Tempo durch die Adern schießt und das Herz schneller schlägt als sonst: Es ist kein Geheimnis, dass dauerhafter psychischer Stress dem Herz ernsthaft schaden kann. Dabei gibt es zwei Formen von Stress: Nehmen wir ihn positiv wahr, können wir zu Höchstform auflaufen, uns besser konzentrieren und effektiver arbeiten. Belastet er uns jedoch und sind wir dauerhaft negativem Stress ausgesetzt, kann das drastische Folgen haben. Der Körper produziert Stresshormone, wir schlafen schlechter und werden häufiger krank, der Blutdruck steigt. Vielleicht verleitet der anhaltende Stress auch Betroffene, ungesünder zu essen, sich weniger zu bewegen oder mehr zu rauchen. All dies sind Faktoren, die das Risiko einer Herz-Kreislauf-Erkrankung
erhöhen.

Hinterfragen Sie ihr Stresspensium

Besonders betroffen sind Menschen, die bereits Probleme mit dem Herz-Kreislauf-System haben. Wer beispielsweise an hohem Blutdruck oder Gefäßverkalkung leidet, sollte noch eindringlicher auf den eigenen Stresslevel achten. Aber auch für alle anderen gilt: Hinterfragen Sie Ihr Stresspensum und überlegen Sie, welche Faktoren in Ihrem Leben Stress verursachen. In akuten Stresssituationen helfen vielleicht Atemübungen oder ein kleiner Spaziergang an der frischen Luft. Langfristig hilft aber nur, das eigene Verhalten zu überdenken. Gehen Sie die typischen Stressauslöser bewusster an und lernen Sie, mit der Zeit gelassener zu werden: Wäre es zum Beispiel nicht sinnvoller, den Stau in der Innenstand einfach hinzunehmen anstatt sich deswegen zu ärgern?

Wer im täglichen Arbeitsalltag permanentem Stress ausgesetzt ist, lebt gefährlich. Durch die Freisetzung von Stresshormonen, wie Adrenalin oder Kortisol, wird unser Körper in eine Art Alarm-Zustand versetzt. Das autonome Nervensystem, das unter anderem regelt, wie oft unser Herz schlägt und sich zusammenzieht, wird stärker belastet. So gerät nicht nur die Herzfrequenz aus dem Normalbereich, sondern auch Bluthochdruck und ein gereizter Darm können die Folgen sein. Auch hier gilt: Prüfen Sie, ob Sie berufliche Stressfaktoren wie Zeitdruck, Überstunden oder Lärmbelastung, verändern können. Und stellen Sie sich ganz ehrlich die Frage, in welchem Verhältnis Ihre berufliche Belastung zu Ihrer körperlichen Gesundheit steht. Meinen Patientinnen und Patienten rate ich, ihre Herzgesundheit regelmäßig vom Hausarzt checken zu lassen und Stresssituationen kritisch zu hinterfragen.