„Ein musealer Glaube hilft uns nicht“ 

14-1021-24-MIT-mit-Dirk-JaegerThema Kirche beim MIT-Unternehmer-Treff: Moderator Michael Tietz (von links), Superintendent Dirk Jäger, Landrat Rainer Rempe und der MIT-Vorsitzende Wilfried Uhlmann (Harburg Land).

Superintendent Dirk Jäger vor MIT-Mitgliedern: Kirchenkreis Hittfeld so groß wie ein mittelständisches Unternehmen

Ein Kirchenmann war Referent beim Unternehmer-Abend der Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung der CDU Har-burg Land (MIT). „Ich finde, es passt, hier auch mal etwas über uns, über die evangelische Kirche, einzubringen”, erklärte Superintendent Dirk Jäger. Schließlich sei der Kirchenkreis Hittfeld mit einigen 100 beruflich Beschäftigten rein von der Größe her ein Mittelständler. Dennoch sei Kirche kein Unternehmen. Denn ein Betrieb passe sich den Bedürfnissen der Kunden an, um Gewinn zu erzielen. Die Kirche könne aber nicht das Evangelium verändern, damit mehr Menschen daran glauben. Und sie könne ihre Botschaft nicht auswechseln, weil gerade anderes Mode ist.

Themen seines Vortrags waren das Selbstverständnis der evangelischen Kirche, ihre bleibenden Werte und deren Vermittlung. Die gute Nachricht: Den oft beklagten Verfall moralischer Werte gibt es aus Jägers Sicht nicht. Vielmehr sei ein individueller und gesellschaftlicher Wertewandel zu beobachten. Da-von sei auch die evangelische Kirche nicht ausgenommen. Grundsätzlich stoßen christliche Werte auf wohlwollendes Interesse und erzeugen positive Resonanz, ist Jägers Erfahrung. „Dabei spüren wir allerdings auch die Notwendigkeit der Übersetzung in unsere aktuellen Lebensbezüge. Ein musealer Glaube hilft uns nicht. Wir brauchen einen, der für die Gegenwart tauglich ist.“


Diskussionen über Fragen wie Sterbehilfe hält Jäger für gut und nötig. „Der Wert ist eindeutig: Jeder Mensch soll in Würde leben und auch sterben können. Aber wie das ganz konkret und im Einzelfall zu gewährleisten ist – ich finde, darüber streitet man zu Recht.“