Gespräch mit Dr. Rainer Dubbels, DMS – Tradition trifft Zukunft

Foto: Wolfgang BeckerDr. Rainer Dubbels (rechts) und sein Bruder Torsten leiten das Unternehmen DMS in Stade-Wiepenkathen. Die Maschinenbauer sehen sich einem ständigen technischen Wandel gegenüber – was die Maschinen, wie auch das Material angeht. Durch den 3D-Druck kommen nun neue Herausforderungen auf die Branche zu.

Neue Materialien und 3-D-Druck: So verändern sich die Vorzeichen im klassischen Maschinenbau – Gespräch mit Dr. Rainer Dubbels, DMS.

Ältere Semester erinnern sich noch gut an den Beruf des Drehers – ein Klassiker unter den industriellen Handwerken. Der Dreher arbeitete an der Drehbank. Heute heißt derselbe Mann Zerspanungsmechaniker. Er bedient eine computergesteuerte Maschine, die sich selbst das nötige Werkzeug aus einem Magazin holt, die im Einzelfall selbstständig das Werkstück in die korrekte Position bringt und es um mehrere Achsen verschwenken kann. Das spart lästige Umspannzeiten, sorgt für hohe Präzision und erfordert im Gegenzug sowohl teure Investitionen als auch großes Know-how beim Bediener. Aus dem Dreher ist quasi ein Programmierer geworden. Eines ist jedoch gestern wie heute gleich geblieben: Die Werkstücke, die bearbeitet werden, sind in der großen Mehrzahl aus Metall – zum Beispiel Aluminium und Edelstahl. So ist es auch bei der Dubbels Maschinenbau Stade GmbH in Wiepenkathen. Doch die Zeiten ändern sich: Mittlerweile werden auch Werkstücke aus Kohlefaser-Verbundstoffen bearbeitet. Dr. Rainer Dubbels: „Das führen wir bereits erfolgreich durch und bearbeiten entsprechende Teile.“

„Funktioniert einwandfrei“

Dr. Rainer Dubbels führt das Unternehmen gemeinsam mit seinem Bruder Torsten. DMS verfügt über einen modernen Maschinenpark im Gewerbegebiet Ohle Kamp und über reichlich Know-how. Zu den Kunden zählt das Who-is-Who der Industrie in Norddeutschland und darüber hinaus. Dass auch Nichtmetalle wie beispielsweise Kunststoffe gefertigt werden, ist keineswegs ungewöhnlich, erfordert jedoch beispielsweise bei Keramik-Werkstoffen ganz spezielle Kenntnisse, da das Material deutlich härter ist. Bei DMS können Rohlinge gleich welchen Materials exakt auf Maß gebracht werden. Das wirkt sich je nach Werkstück aber auf die Werkzeuge und die Drehgeschwindigkeiten aus. Bei der Kohlefaser, die in sich betrachtet fast spröde ist, ergeben sich dabei unter anderem auch Aspekte der Arbeitssicherheit. So müssen spezielle Absaugeinrichtungen vorhanden sein. Trotz allem sagt Dr. Rainer Dubbels: „Ich kann sagen: Was wir hier bearbeiten, funktioniert einwandfrei.“


Ständige Optimierung

Grundsätzlich sieht sich der klassische Maschinenbau großen Herausforderungen gegenüber. Nicht nur der 3D-Druck wird in Zukunft für Konkurrenz sorgen, gerade auch der Hang zu leichteren Materialien wie beispielsweise CFK wird die Branche verändern. Dubbels: „Selbst die traditionelle Zerspanung unterliegt einer ständigen Optimierung. Es gibt immer etwas zu verbessern. Die Geschwindigkeiten werden höher, die Arbeitsabläufe schlanker, die Maschinen leistungsfähiger und damit auch komplizierter in der Bedienung. Dasselbe gilt für den Werkstoff CFK, dessen Einsatz ebenfalls ständig optimiert werden muss, damit sich das vergleichsweise teure Material rechnet.“

Metall nicht sexy genug?

Sorge, dass die Kohlefaser-Verbundstoffe das Metall eines Tages verdrängen könnten, hat der promovierte Wirtschaftswissenschaftler jedoch nicht: „Das sehen wir entspannt. Es wird weiterhin Bauteile geben, die aus statischen Gründen Metall erfordern. Beides zusammen wird sich etablieren. Das gilt im Übrigen auch für den 3D-Druck, mit dem sich filigrane Werkstücke herstellen lassen, die sich so in der Tat nicht fräsen ließen. Aber wenn es um hohe Festigkeit und Druck geht, dann sind auch dort Grenzen. Meine Prognose: Alle drei Verfahren werden für sich weiter optimiert – und gemeinsam existieren.“ Und: „Entwicklung vollzieht sich immer als Prozess – Hardware und Know-how müssen parallel wachsen. Sprünge sind immer von Nachteil.“ Torsten Dubbels: „Neulich habe ich eine Überschrift gelesen. Dort stand sinngemäß, Metall sei zurzeit einfach nicht sexy genug. Klar, alle wollen Innovationen und neue Werkstücke wie CFK, GFK und Keramik, aber diese Stoffe haben nicht dieselben vielfältigen Eigenschaften wie Metall. Deshalb wird man an Metall und Metallbearbeitung auf lange Sicht nicht vorbeikommen.“

Rainer und Torsten Dubbels sind froh, dass DMS eine junge Mannschaft hat – und mit Michael Dubbels einen angehenden Meister, der die Leidenschaft für Technik und Zerspanung in den Genen hat. Die technischen Herausforderungen der Zukunft sollten deshalb kein Problem darstellen. wb