CremTec Stade plant Neubau

Die Cremtec-Geschäftsführung schmiedet Pläne für die Zukunft: Svend-Jörk Sobolewski (Mitte), Thies Heinrich und Maertha Laut. Foto: B&P

In Niedersachsen liegt die Quote der Einäscherungen mittlerweile bei 78 Prozent

P latz genug ist da, und das Konzept steht auch: Mit einer dritten Einäscherungsanlage will das Stader Unternehmen CremTec die Kapazitäten deutlich erhöhen, neue ökologische Standards setzen und die Arbeitsbedingungen für die 19 Mitarbeiter vor Ort verbessern. Im Gespräch mit B&P erläuterten die Geschäftsführer Svend-Jörk Sobolewski, Thies Heinrich und Maertha Laut die neuen Pläne, die bereits 2024 in die Tat umgesetzt werden sollen.

Der Trend zur Feuerbestattung ist ungebrochen, wie Svend-Jörk Sobolewski sagt: „In Niedersachsen beträgt der Anteil an der Gesamtzahl der Bestattungen mittlerweile 78 Prozent. Tendenz steigend. In den östlichen Bundesländern ist er sogar noch höher, weil diese Art der Bestattung zu DDR-Zeiten stark gefördert wurde. Warum der Anteil auch in Niedersachsen überraschend hoch ist, erklärt Thies Heinrich: „Wir rechnen pro Jahr mit einer Zunahme von einem Prozentpunkt. Dafür gibt es verschiedene Gründe. Ein Einschnitt, der schon lange zurückliegt, war der Wegfall des Sterbegeldes. Mittlerweile sind Beisetzungen im Wald oder auf See zunehmend nachgefragt – und das ist eben nur in Form einer Urnenbestattung möglich.“

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Erläuterung von Svend-Jörk Sobolewski: „Dazu muss man wissen: Hinter den Waldbestattungen stehen Wirtschaftsunternehmen.“ Marktführer ist das Unternehmen „Friedwald“, das sein Konzept im Franchise-System betreibt. Zweitgrößter Anbieter ist die Ruheforst-Gruppe. Neu ist die Möglichkeit der Beisetzung im „Ruhewald Nottensdorf“ durch ein privates Unternehmen.

Autarker Betrieb in drei Schichten

Diese Entwicklung schlägt sich auch in der Nachfrage nach Einäscherungen nieder. Und stellt die Betreiber von Krematorien vor besondere Herausforderungen. Grund: die hohen Energiekosten. Feuerbestattungen haben deshalb vor allem eine energetische Dimension – ein Thema, mit dem sich Svend-Jörk Sobolewski seit Jahren beschäftigt. Er sagt: „Die neue Anlage soll auf unserem Parkplatz entstehen und im Obergeschoss des Neubaus auch Büro- und Sozialräume bieten. Sie kann im Drei-Schicht-Betrieb nach dem Aufheizen des Ofens quasi autark betrieben werden. Die Sekundärenergie, die nötig ist, um die Temperatur zu halten, wird über die Särge zugeführt. 

Die Photovoltaik-Anlage wurde erst vor wenigen Wochen erweitert, nun sind sämtliche Dachflächen des Unternehmens lückenlos bedeckt. Diese Expansion der Fläche führt nun zu einer Deckung des Eigenbedarfes der modernen Einäscherungsanlage. Gerade die Filteranlage im Krematorium verbraucht elektrische Energie, für uns war es nur logisch, diese Energie nun komplett selbst zu erzeugen, berichtet die projektverantwortliche Maertha Laut.

Der Ofen der geplanten dritten Linie wird über eine Gasbefeuerung auf 800 bis 1000 Grad geheizt und arbeitet danach ohne weitere Zufuhr von Primärenergie. Svend-Jörk Sobolewski: „Das wird durch neue Brennertechnologie, effizientere Schamottesteine und die digitale Steuerung der Prozesse möglich. Wir kaufen unsere Komponenten zwar ein, konfigurieren die Anlagen jedoch selbst und setzen zusätzlich auf ORC, um so auch die Abwärme zu nutzen. ORC steht für Organic Rankine Cycle. Dahinter verbirgt sich ein Niedrigenergieverdampfer, der die Abwärme nutzt und über eine Turbine Strom erzeugt.“ Die Hightech-Variante sorgt zudem für eine optimierte Kremierung, wie der Firmengründer sagt: „Damit schaffen wir 23 bis 24 Einäscherungen pro Tag.“

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Auf Wasserstoff-Betrieb umrüstbar

Thies Heinrich, Kremationstechniker und Betriebswirt, erläutert: „Die neue Anlage ist sozusagen das Destillat unserer langjährigen Erfahrung.“ Gerade in Zeiten steigender Energiepreise müsse sich die Branche bewegen. Vor allem in Richtung Nachhaltigkeit; ein Thema, das den Vater schon seit Jahren umtreibt. Er sagt: „Alle unsere Anlagen sind auf Wasserstoff umrüstbar. Auf grünen Wasserstoff, versteht sich. Aber den gibt es noch nicht. Wir wollten schon einen Tank aufstellen lassen, aber die politisch proklamierten Ziele sind bei weitem nicht erreicht. Niemand kann liefern. Trotzdem glauben wir, dass das die Zukunft sein wird. Und deshalb investieren wir.“

Die Zentrale der CremTec GmbH ist in Stade. Das Unternehmen hat weitere Standorte in Cuxhaven, Celle, Hildesheim, Quedlinburg und Schwerin. 

>> Web: https://www.cremtec.de/ 
Mehr zum Thema Nachhaltigkeit: 
https://www.business-people-magazin.de/2022/
1-juli-2022/nachhaltig-bis-zum-letzten-akt-31426/