Sars-CoV-2-Virus: Forschung am Herzen

Foto: HELIOS Mariahilf Klinik HamburgDr. med. Ryszard Wesolowski: Dr. med. Ryszard Wesolowski, Chefarzt der kardiologischen Abteilung der Helios Mariahilf Klinik Hamburg, vor dem hochmodernen Magnetresonanz-Tomograph der Klinik. || Foto: HELIOS Mariahilf Klinik Hamburg

Die HELIOS Mariahilf Klinik untersucht Patienten.

Dass das Sars-CoV-2 Virus bei einer akuten Infektion auch das Herz befallen kann, ist schon länger bekannt. Die Eintrittspforte für das Virus, so wird mittlerweile angenommen, ist ein membrangebundenes Enzym, welches im Herzen und in der Lunge stark in Erscheinung tritt. Aufschluss über die Bedeutung der Virusinfektion für das Herz können systematische Nachuntersuchungen mittels Herz-MRT erbringen.

Die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie (DGK) ruft auf, die systematischen Nachuntersuchungen am Herzen durchzuführen und in einem deutschlandweiten Register zu sammeln. So können anhand der Daten weitere Erkenntnisse über die Erkrankung und Ihre Bedeutung für das Herz erlangt werden. Dem Aufruf der deutschen Gesellschaft für Kardiologie folgt im Hamburger Süden die Helios Mariahilf Klinik und untersucht Patienten nach durchgemachter COVID-19 Infektion mittels Herz-MRT nach.

Dr. med. Ryszard Wesolowski, Chefarzt der kardiologischen Abteilung der Helios Mariahilf Klinik Hamburg, berichtet: „Es handelt sich hier um eine große Chance, mehr über das Virus zu erfahren. Zudem kann den untersuchten Menschen direkt mitgeteilt werden, ob Veränderungen am Herzmuskel vorhanden sind und gegebenenfalls eine weitere kardiologische Anbindung notwendig ist.“ Das MRT selbst ist eine aufwendige aber harmlose Untersuchung. „Die Bilddaten entstehen durch den Aufbau eines Magnetfeldes, welches, wenn kein magnetisches Material im Körper vorhanden ist, harmlos ist“, erläutert der Spezialist. Einmalig muss für die Untersuchung ein Kontrastmittel gespritzt werden, um die Narben am Herzmuskel sichtbar zu machen. Dieses ist jedoch in der Regel sehr gut verträglich.

Anzeige

Bei knapp 12% der in China gemeldeten verstorbenen Patienten, die keine Vorerkrankung am Herzen hatten, wurden schwere Herzschäden oder ein Herzstillstand während des Krankenhausaufenthaltes dokumentiert. Nun gibt es neue Hinweise, dass die COVID-19-Infektion das Herz befallen und auch noch nach der Infektion dauerhaft schädigen kann.

In einer im Mai 2020 veröffentlichten Studie aus dem chinesischen Wuhan von Prof. Huang wurden Patienten nach einer COVID-19-Infektion und neu aufgetretenen Herzbeschwerden wie Herzstolpern, Druck und Schmerz in der Brust mittels Herz-MRT nachuntersucht. Alle Patienten aus der Gruppe waren aus dem Krankenhaus bereits entlassen als die Symptome einsetzten und vor der Infektion herzgesund.

In den durchgeführten Herz-MRTs zeigte sich bei mehr als der Hälfte der Patienten eine Schwellung (Ödem) sowie Narben (Fibrosen) des Herzmuskels, was für eine entzündliche Erkrankung des Organs spricht. Bei der Mehrheit der betroffenen Menschen war der primäre Krankheitsverlauf nicht schwerwiegend, sodass die Befürchtung besteht, dass auch bei milden Verläufen einer COVID-19-Infektion eine dauerhafte Schädigung des Herzens möglich ist. „Somit erscheint es sinnvoll, Patienten nach durchgemachter COVID-19-Infektion kardiologisch nachzuuntersuchen und regelmäßig zu überwachen“, sagt Dr. Ryszard Wesolowski. Insgesamt ist die Datenlage jedoch noch dünn. Die untersuchte Gruppe in Wuhan betrug 26 Patienten von denen 15 entsprechende Veränderungen im Herz-MRT aufwiesen. „Durch systematische Untersuchung von an Sars-CoV-2 erkrankten Patienten mittels Herz-MRT könnte eine genaue Schätzung der Häufigkeit und Art potentieller Folgeschäden am Herzen erfolgen“, so Dr. Wesolowski.