Maschinenbau-Studiengang in Bremen ist auf Karriere in China ausgerichtet

Die Hochschule Bremen bietet den Studiengang „Maschinenbau mit Schwerpunkt Wirtschaftsraum China“ an. Foto chuttersnap / Unsplash

Für die deutsche Industrie ist China Markt und Werkbank zugleich. An der Hochschule Bremen stehen deshalb Sprache und Kultur des Riesenreiches auf dem Lehrplan eines speziellen Maschinenbau-Studienganges.

Technische Zeichnungen dürften für Maschinenbau-Studenten selbst im ersten Semester kein Buch mit sieben Siegeln sein. Aber chinesische Schriftzeichen? Für die Teilnehmer des internationalen Studiengangs „Maschinenbau mit Schwerpunkt Wirtschaftsraum China“ an der Hochschule Bremen stehen sie von Beginn auf dem Lehrplan. Nicht nur weil die Studenten ihr Praxissemester an einer Hochschule und in Unternehmen in der Volksrepublik China absolvieren müssen: „Wir vermitteln unseren Studenten gezielt Sprache und Kultur Chinas, damit sie künftig für deutsche Firmen direkt in dem Land oder von hier aus gemeinsam mit Partnerunternehmen in China arbeiten können“, sagt Studiengangleiter Prof. Dr.-Ing. Heiko Grendel. Als einziges derartiges Angebot in Deutschland ergänzt der Bremer Studiengang die kompletten Inhalte eines Maschinenbaustudiums mit China-spezifischen Modulen.

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Als die Idee zu dem Angebot vor gut zehn Jahren entstand, war China längst zur verlängerten Werkbank vieler deutscher Unternehmen geworden. Mittlerweile gründen immer mehr Firmen eine eigene Niederlassung in dem Riesenreich oder gehen Joint-Venture mit chinesischen Unternehmen ein. „Auch wer lediglich an chinesische Firmen liefert und selbst gar nicht im Land engagiert ist, ist mit einem besseren Verständnis von Kultur und Sprache seiner Geschäftspartner gut beraten“, ist Prof. Grendel überzeugt.

Landeskunde und Kultur

Maschinenbau wird an der Hochschule Bremen im so genannten Bremer Modell in Modulen unterrichtet. Die Teilnehmer des China-Studienganges müssen zu den vier ingenieurwissenschaftlichen Modulen ein weiteres in ihren Lehrplan aufnehmen, das sich ausschließlich mit einem besseren Verständnis des Landes beschäftigt. „Das Studium verlängert sich dadurch von sieben auf acht Semester“, erläutert Grendel. Auf dem Programm stehen Landeskunde und Kultur, Sprache, Schriftzeichen und die in dem Riesenreich als Basis-Verständigung weit verbreitete Lautschrift auf dem Programm.

Nach fünf Semestern müssen die Sprachkenntnisse der Studenten so weit gediehen sein, dass sie sich während ihres obligatorischen Praxissemesters, in China weitgehend verständigen können. Die Maschinenbauer an der Hochschule Bremen kooperieren unter anderem mit den entsprechenden Fakultäten an den Universitäten in Peking, Shanghai, Chengdu und Hongkong. Während ihres sechsmonatigen Aufenthaltes in China müssen die Studenten einen Sprachkurs im Land und ein Praktikum in einem Unternehmen absolvieren. „In der Regel sind dies Niederlassungen deutscher Unternehmer“, berichtet Grendel. In einzelnen Fällen gelingt Studenten es aber auch, einen Platz in einem rein chinesischen Unternehmen zu finden.

Interkulturelle Kompetenz

Die in Theorie und Praxis vermittelte Interkulturelle Kompetenz mit dem besonderen Bezug zu China wird nach Überzeugung des Studiengangleiters von Jahr zu Jahr wichtiger. „China ist heute schon einer der wichtigsten deutschen Handelspartner, dessen Bedeutung noch weiter wachsen wird“, betont Grendel. Nachdem sich anfangs überwiegend Großunternehmen beispielsweise der Automobilindustrie in China engagierten, zieht es zunehmend auch kleine und mittlere Unternehmen ins Reich der Mitte. Entsprechend sieht Grendel gute Berufschancen für seine Absolventen in Entwicklungs-, Logistik- und Produktionsabteilungen von China-orientierten Unternehmen in Deutschland sowie in den Niederlassungen deutscher Unternehmen in China.

Förderung für Auslandssemester

Unterstützt wird der Studiengang unter anderem durch die Hübner-Gruppe aus Kassel. Das Unternehmen, das unter anderem Gelenke und Faltenbalge für Schienenfahrzeuge, Busse und Flughafenanlagen herstellt und in China sehr aktiv ist, fördert jährlich das Auslandssemester für drei Studenten aus dem China-Studiengang. „Der Aufwand für den Aufenthalt in China ist sehr hoch“, weiß Grendel. Nach Möglichkeit sollten die Studenten die Gelegenheit auch nutzen, weitere Teile des Landes und nicht nur ihren Praktikumsort kennenzulernen: „Die Zeit dafür ist aber sehr knappt zumal das Studium ja ohnehin schon ein Semester länger dauert als die normale Ingenieurausbildung.“

Hoher Frauenanteil

Ganz unbekannt ist den Studenten das Land offenbar aber nicht. Jährlich werden in Bremen bis zu 18 dieser Studienplätze vergeben. „Überwiegend bewerben sich junge Leute dafür, die schon irgendeinen Bezug zu China haben“, weiß der Studiengangleiter. Offenbar ist das Thema insbesondere für junge Frauen attraktiv: „Der Frauenanteil ist deutlich höher als sonst im Maschinenbau“, betont Grendel. Außerhalb dieser Interessentengruppe sei es allerdings bisweilen nicht so einfach, Bewerber zu motivieren: „Es ist ja schon schwierig, junge Leute für den Maschinenbau zu begeistern, mit dem Zusatzunterricht zu China wird es sicherlich nicht leichter.“ Dabei kann Grendel Interessenten zumindest die Sorge nehmen, an der chinesischen Sprache zu verzweifeln: „Wenn es an irgendetwas scheitert, ist eher die Thermodynamik.“