Der 3D-Druck verändert den Maschinenbau

Etwa 20 Millimeter Durchmesser hat das neue 3D-Druck-Rad für den Modellrennwagen, mit dem Schüler der Gesamtschule Ahlerstedt bei Meisterschaften antreten. Mirco Schulz, Geschäftsführer der ProTec GmbH in Buxtehude, unterstützt die Schule als Sponsor mit ultraleichten Bauteilen. Im Hintergrund: der 3D-Drucker, mit dem die insgesamt 60 Räder ausgedruckt wurden. || Foto: Wolfgang Becker

ProTec in Buxtehude: Mirco Schulz setzt auf die neue Technologie und zieht eine erste Zwischenbilanz

Neue Technologien öffnen nicht unbedingt immer gleich große Märkte, manchmal jedoch neue Wege, die gegangen werden müssen, um nicht im Sog der digitalen Disruption unterzugehen. Der 3D-Druck ist so ein Thema. Die Technologie ist teuer, die Stückkosten sind folglich hoch. Kurzfristig dürfte der 3D-Druck die herkömmliche Produktion verschiedenster Bauteile revolutionieren (was schon geschieht), noch reicht es aber häufi g nur für Kleinserien und Prototypen. Der Einfluss auf den klassischen Maschinenbau zeichnet sich dennoch deutlich ab. Das hatte auch Mirco Schulz, Geschäftsführer der ProTec GmbH in Buxtehude, erkannt, als er sich Ende 2017 daran machte, ein neues Standbein aufzubauen. ProTec ist eigentlich spezialisiert auf die Programmierung von NC-Maschinen gerade auch im Bereich des Flugzeugbaus, die beispielsweise aus Metallblöcken komplizierte Bauteile herausfräsen – der Klassiker im traditionellen Maschinenbau. Mittlerweile firmiert das Unternehmen so: „. . . Ihr Spezialist, wenn es um NC-Programme, 3D-Scan und 3D-Druck geht.“ Nach nur einem Jahr stehen die Drucker bei Mirco Schulz kaum noch still.
„Wir haben mittlerweile recht viele Anfragen – vor allem aber für das Drucken von Prototypen“, berichtet Schulz. Der Hintergrund: Um einen Prototypen zu bauen, beispielsweise einen Babyschnuller aus Silikon, ist es viel günstiger, diesen auszudrucken, statt gleich eine Form für die Massenherstellung bauen zu lassen. Erst wenn klar ist, was der Handel abnimmt, geht es an den Bau der Produktionsform. Denn: Mehrere verschiedene Schnuller- Typen auszudrucken ist kein Problem, täglich 1000 Stück dagegen technisch und wirtschaftlich völlig sinnlos, da der 3D-Druck viel zu lange bräuchte.

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Schulz: „Ein typischer Kunde für mich als 3D-Druck-Anbieter wäre beispielsweise ein Unternehmen, das messtechnische Anlagen in Kleinserie herstellt und dafür die passenden Gehäuse braucht. So ein komplexes Gehäuse mit vielen Bohrungen, Stutzen und vielleicht ungewöhnlichen Formen kann ich konventionell herstellen, aber das ist sehr aufwendig und entsprechend teuer. Im 3D-Druck ist das nur ein Arbeitsgang. Ein typisches Beispiel für eine Kleinserienfertigung im 3D-Druck.“
Typisch für das 3D-Druck-Geschäft: „Die Aufträge kommen oft unangekündigt und sind meistens eilig“, sagt Schulz. Doch grundsätzlich ist er sicher, dass sein erhebliches Investment in Drucker und vor allem leistungsfähige Scanner sich auszahlen wird. Bereits im ersten Jahr stand ProTec an der Schwelle zu einem ersten Großauftrag für sehr komplexe Gehäuse einer Größe, die die Anschaffung neuer Drucker bedeutet hätte. Die Produktion der bis zu 600 angefragten Gehäuse hätte eineinhalb Jahre gedauert – und den Aufbau zweier FDM-Druckanlagen für die Verarbeitung von Ultem-Kunststoffen bedeutet. Sie arbeiten mit 450 Grad Celsius. Im Ergebnis entstehen Bauteile von höchster Stabilität, die auch im Flugzeugbau einsetzbar sind. Am Ende scheiterte der Auftrag an den hohen Kosten, mit denen der potenzielle Auftraggeber nicht gerechnet hatte.
Schulz weiß, dass im industriellen Bereich häufig Metallbauteile gefordert werden – diese 3D-Druckverfahren für Titan & Co. sind jedoch ungleich aufwendiger. Für Kunden, die in diesem Bereich Wünsche haben, arbeitet der Buxtehuder mit einem leistungsstarken Partnerunternehmen zusammen, kann also liefern. Er sagt: „Wir werden in Buxtehude zunächst die Kunststoff-Schiene perfektionieren.“

Anwendungsmöglichkeiten gebe es reichlich und dazu in oft unerwarteten Bereichen. Schulz: „Die Fertigung von Orthesen für Menschen, denen beispielsweise ein Finger, eine Hand oder ein Fuß abgenommen werden musste, ist heute noch reine Handarbeit. Mit unserer Technologie kann ich zum Beispiel den verbliebenen Fuß scannen, spiegeln und eine Hohlform erstellen, in der ein exakt passender orthopädischer Ersatz gegossen wird. Ein sehr spezielles Thema, aber am Ende haben wir eine absolut passgenaue Orthese.“

Web: www.nc-protec.net