Die beste Therapie: „Bauen, bauen, bauen!“

Arent Bolte (Regionalbereichsleiter Süd-Ost Firmenkunden, links) und Björn Sass, Leiter des Firmenkundencenters Süd, nehmen Dr. Andreas Mattner in die Mitte. Der ECE-Geschäftsführer und ZIA-Präsident referierte vor gut 100 Kunden aus dem Immobilienbereich über die gegenwärtige Situation in der Branche. Fotos: Wolfgang Becker

10. Haspa-Immobilien-Frühstück: ECE-Geschäfts­führer und ZIA-Präsident Andreas Mattner über die gegenwärtige Situation in der Immobilien-Branche

Mit Dr. Andreas Mattner präsentierte das Haspa-Firmenkundencenter Süd beim 10. Immobilien-Frühstück einen Referenten, der nicht nur die unternehmerische, sondern auch die politische Sicht auf das Thema mitbrachte. Mattner ist Geschäftsführer der ECE-Projektmanagement GmbH & Co. KG und unter anderem als Präsident des Zentralen Immobilien Ausschusses ZIA nah an der Politik, wenn es darum geht, die Interessen der Branche zu vertreten. Vor etwa 80 Teilnehmern gab er im „Channel Riverside“ am Veritaskai vor der Kulisse des Harburger Binnenhafens unter anderem eine Analyse der Immobilienthemen, die sich im Koalitionsvertrag der GroKo finden.

Grundsteuer auf dem Prüfstand

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Mattner verwies in seinem Vortrag auf den hohen Stellenwert der Immobilienbranche, die aber dennoch mit vielen Herausforderungen und Problemen konfrontiert werde. Als Beispiele nannte er die Regulierungsbestrebungen durch die Politik, aber auch die politischen Schwerpunktsetzungen – zum Beispiel den Wohnungsbau. Mattner: „Der ist zweifellos wichtig, aber das darf nicht dazu führen, dass andere Bereiche vernachlässigt werden. Eine gute Stadt ist eine gemischte Stadt.“ In Hamburg zeichne sich derzeit eine dramatische Entwicklung auf dem wichtigen Büroflächen-Markt ab: „Wir bewegen uns beim Leerstand an der Drei-Prozent-Grenze, das bedeutet quasi Vollvermietung. Wir haben es zunehmend mit dem Thema Flächenknappheit zu tun – mit allen ihren negativen Auswirkungen.“ Sein Appell: „Wir müssen alle Segmente im Auge behalten, beispielsweise auch den Bau von Hotels und Logistikgebäuden.“

Speziell aus Hamburger Sicht hatte Mattner aber auch positive Beispiele mitgebracht: die nach wie vor konstante Höhe der Grund­erwerbsteuer bei 4,5 Prozent und die hohe Zahl der Baugenehmigungen im Wohnungsbau: „2017 wurden 13 411 Wohnungen genehmigt – deutlich mehr als das angestrebte Ziel von 10 000. Im Durchschnitt dauert es in der Hansestadt nur drei Monate vom Bauantrag bis zur Genehmigung. Das kann sich sehen lassen.“

Sorge macht Mattner die gerichtlich angeordnete Neuregelung der Grundsteuerbemessung, die bis Ende 2019 vorliegen soll und durchaus geeignet ist, Grundeigentümer böse zu überraschen. Nach dem derzeit diskutierten sogenannten Bundesratsmodell könne es zu einem Anstieg auf das bis zu
30-fache des jetzigen Betrages führen, so der ZIA-Präsident. Mattner: „Hamburg hat dieses Modell dankenswerterweise probehalber durchgerechnet – da ist sozialer Unfriede programmiert. Wir fordern ein kostenneutrales Modell.“

Im Koalitionsvertrag der GroKo sieht Mattner „Lich und Schatten“. Als positive Aspekte nannte er die Neubauinitiative, die zu einer nachhaltigen Baulandaktivierung führen soll, sowie die Überlegung, urbane Mischgebiete einzuführen, in denen Arbeiten und Wohnen auch baurechtlich möglich werden soll. Negative Auswirkungen erwartet er durch die Ausweitung des Wohn-Mietrechts – hier gebe es eine immer stärkere Regulierung. Ein weiteres Thema sorge ebenfalls für Diskussionen: „Es wird überlegt, die Grundsteuer C einzuführen – das beträfe Grundstücke, die brachliegen. Diese Steuer gab es schon einmal in den 60er-Jahren. Nach zwei Jahren wurde sie wieder abgeschafft – sehr ungewöhnlich, da Steuern eigentlich nie abgeschafft werden. Ich denke, so eine Steuer würde zu vielen Problemen führen.“ Für das Gesunden der Immobilienbranche empfiehlt Mattner: „Die beste Therapie: Bauen, bauen, bauen!“wb

Die Haspa hat mit dem Immobilien- Frühstück ein Veranstaltungsformat ins Leben gerufen, das sich steigender Beliebtheit bei Immobilienvertretern aus dem Hamburger Raum erfreut. Gäste aus dem Norden Hamburgs waren dabei ebenso vertreten wie aus den umliegenden Landkreisen Stade, Harburg und Lüneburg. Björn Sass, Leiter des Firmenkundencenters Süd: „Wir sind als Haspa dabei, unsere rund 60 000 Firmenkunden stärker zu vernetzen. Mittlerweile gründen wir auch Gesellschaften außerhalb des eigentlichen Bankenbetriebes. Und wir machen unsere Filialen zu Nachbarschaftstreffs.“ Wie viele Sparkassen und Banken ist auch die Haspa dabei, sich „neu zu erfinden“ und in einem Markt zu positionieren, der einem starken Wandel ausgesetzt ist.