Verbände machen mobil gegen Hamburgs Verkehrspläne

AGA-Präsident Dr. Hans Fabian Kruse

AGA Unternehmensverband und Handwerkskammer Hamburg beziehen Stellung.

Die Hamburger Wirtschaft wehrt sich gegen eine geplante Reduzierung des Verkehrs in der Hamburger Innenstadt, bei der die Bedürfnisse des Wirtschafts- und Lieferverkehrs völlig außer Acht gelassen werden. Deshalb hat sich ein Bündnis aus dem AGA Unternehmensverband, der Handwerkskammer Hamburg und sechs weiteren Verbänden gebildet. Dieses Bündnis will auf die Notwendigkeit eines flüssigen Wirtschaftsverkehrs in der City aufmerksam machen, der das tägliche Leben aller dort arbeitenden und lebenden Menschen erst ermöglicht.

Zu dem Bündnis gehören neben dem AGA und der Kammer auch der Bundesverband des Deutschen Getränkefachgroßhandels (BV GFGH), der Bundesverband E-Commerce und Versandhandel Deutschland (bevh), der Bundesverband Paket und Expresslogistik (BIEK), der Bundesverband privater Anbieter sozialer Dienste e.V. (bpa), Landesgruppe Hamburg, der CDH im Norden – Wirtschaftsverband für Handelsvermittlung und Vertrieb sowie die Fachvereinigung Möbelspedition, Umzugslogistik und Relocation Hamburg (FAMÖ).

Anzeige

Dr. Hans Fabian Kruse, Präsident des AGA Unternehmensverbandes: „Die Diskussion um die Lieferverkehre in der Hamburger City erfolgt nach dem Motto: ‚Wasch mich, aber mach mich nicht nass.‘ Niemand will auf irgendetwas verzichten – nicht auf die Postzustellung, nicht auf die Lieferung von Lebensmitteln oder Medikamenten, nicht auf Dienstleistungen aller Art. Wie die Dienstleister und die Waren dorthin kommen sollen, und dass das auch Verkehr bedeutet, wird einfach ausgeblendet.“ So funktioniere das aber nicht. Leben und Arbeiten in der Innenstadt brauche Mobilität und eine funktionierende städtische Infrastruktur. Dazu müssten Wirtschafts- und Lieferverkehre langfristig ermöglicht sowie sicherstellt werden und dürften nicht diskriminiert werden. Kruse: „Die Handwerkskammer und der AGA möchten frühzeitig auf die Herausforderungen, die durch die Pläne zur Verminderung des Verkehrs entstehen werden, hinweisen, damit jetzt noch gegengesteuert werden kann.“

Hjalmar Stemmann, Präsident der Handwerkskammer Hamburg.

Hjalmar Stemmann, Präsident der Handwerkskammer Hamburg: „Wo Versorgungssicherheit fehlt, leidet Lebensqualität. Dass dieser Fakt in der öffentlichen Debatte über autofreie Zonen kaum eine Rolle spielt, ist unverständlich und gefährdet das Ziel der Verkehrswende: dem Menschen zu dienen. Wie andere Quartiere auch muss die Innenstadt für das Handwerk zugänglich bleiben. Nach unseren Berechnungen führten 2019 durch Stau- und Parkplatzprobleme verursachte unproduktive Zeiten bei unseren Betrieben zu Verlusten von 17 030 Euro pro Jahr und Fahrzeug.“ Bereits heute lehnten einige Handwerker Aufträge ab, wenn Kunden keine Parkplätze vorweisen können. In der Folge entstünden daraus auch Sanierungsstaus, die die Klimawende ausbremsen – Sonnenkollektoren und energieeffiziente Heizkessel laufen eben nicht selbst zum Haus. Stemmann: „Für nachhaltige Umwelt-, Verkehrs- und Mobilitätspolitik braucht Hamburg ein starkes und mobiles Handwerk an jedem Ort der Stadt. Ohne Handwerk keine Klimawende.“