Hafen-Hype um den Hyperloop

Sie haben das Joint Venture Hyperport Cargo Solutions gegründet: HHLA-Chefin Angela Titzrath sowie Dirk Ahlborn (Mitte), CEO, und Andres De León, COO, von Hyperloop TT. Foto: Wolfgang Becker

Altenwerder im Fokus: HHLA gründet Joint Venture zur Entwicklung einer Hochgeschwindigkeitsröhre für Containertransporte

Eine futuristische Idee sorgt derzeit für visionäre Spekulationen im Hamburger Hafen. Wie Angela Titzrath, Vorstandschefin der Hamburger Hafen und Logistik AG, jetzt bestätigte, hat die städtische HHLA gemeinsam mit dem US-Unternehmen Hyperloop Transport Technology (HyperloopTT) ein Joint Venture mit dem Namen Hyperport Cargo Systems gegründet: Bis 2021 sollen pünktlich zum ITS-Weltkongress in Hamburg eine Übergabestation an der Kaikante, eine Transportkapsel für Container und eine 100 Meter lange Röhre gebaut werden. Alles spricht dafür, dass dies auf dem Containerterminal Altenwerder geschehen wird. Hyperloop ist eine ursprünglich für den Personenverkehr erdachte Röhrenkonstruktion, in der Transportkapseln mit annähernder Schallgeschwindigkeit von A nach B geschafft werden können – zum Beispiel von Altenwerder zum Güterbahnhof in Maschen. Neu ist die Idee indes nicht: Schon vor knapp zehn Jahren hatte der frühere Vorstandschef von Aurubis, Dr. Werner Marnette, mit der Projektidee „Container & Underground Hamburg“ für ungläubiges Staunen gesorgt, sich aber eine politische Abfuhr eingehandelt. Nun hat die HHLA das Thema wieder aufgegriffen.

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Wenn der Hamburger Hafen auf lange Sicht wettbewerbsfähig bleiben will, müssen die Container schneller abtransportiert werden. Das Joint Venture ist vorerst mit sieben Millionen Euro ausgestattet und hat das Ziel, im ersten Schritt die Technologie für den Gütertransport in der Röhre zu entwickeln. Im zweiten Schritt soll dann über eine reale Streckenverbindung nachgedacht werden. Titzrath stellte das visionäre Projekt gemeinsam mit Dirk Ahlborn, CEO von Hyperloop TT, und seinem Vorstandskollegen Andres De León in Hamburg vor. Laut Ahlborn ist es an der Zeit, den „staatlich subventionierten Transportsystemen“ wie der Bahn eine schnelle und wirtschaftliche Alternative gegenüberzustellen. Ob Hyperloop wirtschaftlich ist, muss sich allerdings erst noch erweisen. Ein Kilometer Röhre kostet laut Ahlborn im Schnitt 20 Millionen Euro. Der Senat unterstützt das Vorhaben. Wirtschaftssenator Michael Westhagemann: „Es ist gut, wenn wir das hier in Hamburg entwickeln und ausprobieren.“

PFH-Studenten aus Stade an Rekordfahrt beteiligt

Dass die Hyperloop-Technologie keineswegs utopisch ist, stellte im Sommer die TU München unter Beteiligung von Studenten des PFH Hansecampus Stade unter Beweis. Die TU gewann auf dem Firmengelände von Elon Musks Raumfahrtunternehmen SpaceX in Los Angeles/Kalifornien die „Hyperloop Pod Competition“. An der Konstruktion des Siegerfahrzeugs (Pod) waren 14 CFK-Studenten der PFH in Stade beteiligt, die unter Anleitung von Prof. Dr. Marc Siebert (siehe Porträt Seite 46) vier Carbon-Bauteile gefertigt hatten, die ihren Zweck auch bei der erreichten Rekordgeschwindigkeit von 467 Stundenkilometern erfüllten.

Tempo 467 ist allerdings noch weit entfernt von Tempo 1200. Marnette: „Die HHLA-Idee ist identisch mit meinem Ansatz, aber die Geschwindigkeit, von der bei Hyperloop gesprochen wird, halte ich im Containertransport für völlig unrealistisch. Schade, dass mein Ansatz damals politisch verworfen wurde.“ Von Wolfgang Becker