„Kleine Hamburger Hafen-City“ Zwischen diesen beiden Fotos liegen zwölf Jahre

Zahlen können beeindrucken, doch oft sagt ein Foto mehr als alles andere. In diesem Fall sind es sogar zwei Fotos: Sie zeigen den Harburger Binnenhafen aus der fast exakt gleichen Vogelperspektive – allerdings mit dem Unterschied von zwölf Jahren. Der Blick von oben macht deutlich: In dieser Zeit ist unheimlich viel geschehen. Wer genau hinschaut, wird auf dem alten Foto Details entdecken, die fast schon vergessen sind, und moderne Formen, die an damals erinnern.

2018

Ein paar Fakten: Im Binnenhafen hat sich der Unternehmensbestand auf derzeit etwa 165 Betriebe mit insgesamt rund 6000 Mitarbeitern eingependelt – der Channel ist damit zur Job-Maschine geworden. Manche Unternehmen sind schon sehr lange vor Ort wie beispielsweise die Baufirmen HC Hagemann und Aug. Prien. Andere haben gerade erst das „Licht der Wirtschaftswelt“ entdeckt, wie die jungen Startups im TUHH-Umfeld. 160 Unternehmen – das bedeutet auch, dass im Schnitt jedes etwa 1000 Quadratmeter Bürofläche nutzt, denn zurzeit sind in dem Gebiet rund 160 000 Quadratmeter Bürofläche vorhanden. Dass diese Zahl hinkt, ist klar – viele Unternehmen haben weitaus mehr Fläche mit gewerblicher Nutzung. Wie Melanie-Gitte Lansmann, Geschäftsführerin von channel hamburg e.V., sagt, liegt die Leerstandsquote derzeit bei mageren fünf Prozent, was quasi der Vollvermietung entspricht: „Es ist ja nicht so, dass jede freie Fläche auf jeden Bewerber passt. Wir können schon sagen: Der Channel läuft so langsam über. Seit 2000 wird dieses Gebiet als Marke Channel entwickelt, ist jetzt sozusagen volljährig und steht für insgesamt 25 Jahre Innovationen.“

Diese Zahl ist ebenfalls interessant und spiegelt sich in dem Fotovergleich deutlich wieder: Im Bestand sind derzeit 700 Wohnungen, eine Entwicklung, die noch vor 20 Jahren niemand jemals für möglich gehalten hätte. Und: Weitere 600 Wohnungen sind in der Planung (siehe auch Bericht auf Seite 36). Melanie-Gitte Lansmann: „Auch aus diesem Bereich kommen positive Meldungen. Sogar die Vermietung der Schlossinsel-Marina läuft gut. Es freut uns sehr, wenn es auch hier zu einer spürbaren Belebung kommt. Der Channel steht heute für innovative Wirtschaft, traditionelle Wirtschaft, Wohnen, Kultur, Freizeit, Wissenschaft und Forschung – das alles mit einer ausgezeichneten Infrastruktur und einer tollen Mischung aus Alt und Modern.“

2006

Erinnerungen an alte Zeiten

Zu den Fotos: Der Blickwinkel aus Richtung Süden zeigt oben die Süderelbe, darunter die Wasserflächen des Binnenhafens, die die Schlossinsel einfassen. 2006 standen dort noch die Hansen-Speicher, in denen zeitweise auch EU-Getreide gelagert wurde. Der markante Kopfbau, der wie ein kleiner Turm auf der Nordspitze steht, findet sich heute als historisch inspirierter Neubau mit edlen Eigentumswohnungen an derselben Stelle wieder – als Teil der Schloss­insel-Marina. Von 2006 bis 2013 sollte es dauern, bis der IBA-Park auf der Schlossinsel fertiggestellt war.

Gut zu sehen: Die gesamte Fläche zwischen dem Schellerdamm und dem Östlichen Bahnhofskanal war 2006 noch frei – heute haben hier diverse Unternehmen und Channel-Bewohner eine Heimat gefunden. Aktuell im Bau ist das Brückenquartier der Lorenz Gruppe. Während der Osten fast vollständig neu bebaut ist (abgesehen von den Flächen des Neuländer Quarrees auf der anderen Seite des Bahnhofskanals), regt sich nun auch das nächste Großprojekt im Westen zwischen Ziegelwiesenkanal und Blohmstraße: Dort hat Bauunternehmer Arne Weber soeben den ersten Bauabschnitt des Hamburg Innovation Port gestartet. Wenn der HIP komplett gebaut ist, stößt der Channel auch hier an seine Entwicklungskapazitäten. Die Vision von einem prosperierenden neuen Harburger Stadtteil, das lässt sich heute bereits sagen, ist schon längst umgesetzt. wb