„An der A7 haben alle Anwohner meine Telefonnummer“

Ulrike Deike, AGA-Geschäftsführerin Betriebswirtschaft, Finanzen & Personal, Hamburgs Verkehrs- und Baustellenkoordinator Christian Merl (Mitte) und AGA-Präsident Dr. Hans Fabian Kruse bei der Veranstaltung zum Thema „Verkehr in der Metropolregion Hamburg“. Foto: AGA

Hamburgs Verkehrskoordinator beim AGA – Präsident Kruse fürchtet um Konkurrenzfähigkeit

Die Metropolregion Hamburg wächst seit Jahren und wird auch in absehbarer Zukunft wachsen. Besonders zu spüren bekommen das die Pendler, Dienstleister und Unternehmer, die täglich in oder durch diese Region fahren müssen, aber regelmäßig vom zähfließenden Verkehr und Stau aufgehalten werden. Auf diese Fehlentwicklungen macht der AGA Unternehmensverband schon seit Jahren aufmerksam – im Interesse seiner 3500 Mitgliedsunternehmen und stellvertretend für alle Verkehrsteilnehmer der Region. Dazu Dr. Hans Fabian Kruse, Präsident des AGA Unternehmensverbandes: „Es muss etwas geschehen. Ein ‚Weiter so‘ wird Norddeutschland in seiner Konkurrenzfähigkeit zurückwerfen. Die Autobahnen und Wasserstraßen sind die Lebensadern der Wirtschaft im Norden. Ohne deren schnellen Ausbau und kontinuierliche Sanierung kann man einen Verkehrskollaps nicht verhindern.“

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Jetzt bauen oder es droht das Chaos

Kürzlich nahm auch Christian Merl, zuständig für die Verkehrs- und Baustellenkoordination in der Hamburger Behörde für Wirtschaft, Verkehr und Innovation, dazu bei einer Veranstaltung des AGA in Hamburg Stellung. „Hamburg kann nur florieren, wenn wir eine Infrastruktur haben, die funktioniert“, sagte Merl und verwies auf die notwendigen Bauvorhaben auf der A1, A7 und insbesondere auf der A26 sowie die dazugehörigen Brückensanierungen. Und mit Blick auf den weiterhin zunehmenden Lkw- und Pkw-Verkehr: „Wenn wir jetzt nicht bauen, versinken wir in ein paar Jahren im Chaos.“ Große Infrastrukturprojekte wie der Autobahn-Deckel über die A7 nördlich der Elbe oder der Neubau der A26 von Stade nach Hamburg-Stillhorn sind laut Merl Projekte von ganz entscheidender Bedeutung, um den Verkehr in und um Hamburg auf Jahre hinaus vernünftig zu regeln. Schließlich belegen wissenschaftliche Erhebungen, dass die Verkehrsmenge in Zukunft weiterhin zunehmen wird.

Dass die zahlreichen Baustellen bei Pendlern und Unternehmern auf wenig Gegenliebe stoßen, weiß der Verkehrskoordinator nur zu gut. Ihn erreichen täglich zahlreiche Beschwerdemails und Anrufe, bei Informationsveranstaltungen muss er immer wieder zur unbefriedigenden Verkehrssituation Stellung nehmen. „Dabei entsteht Stau meistens nicht durch eine Baustelle, sondern vielmehr durch Unfälle, Falschparker oder andere Verkehrsbehinderungen“, so Merl.

Er und seine Behörde wissen um die Problematik und versuchen deshalb, die Baumaßnahmen so zu koordinieren, dass möglichst wenige Beeinträchtigungen für den Kraftverkehr und Anwohner entstehen. Dazu hat sich die Behörde für Wirtschaft, Verkehr und Innovation eine Reihe von Leitlinien auferlegt, die Merl dem Publikum präsentierte. Außerdem verwies er noch auf die wichtigen Kommunikationsmaßnahmen: „Der kommunikative Aufwand in der Betreuung der Baustellen nimmt immer mehr zu. So haben zum Beispiel alle Anwohner an der A7-Baustelle meine Telefonnummer – und können mich rund um die Uhr erreichen. Auch am Wochenende.“ Dem kann AGA-Präsident Kruse nur zustimmen: Der AGA wird nicht müde darauf hinzuweisen, dass ein koordiniertes Baustellenmanagement sowie eine lückenlose Kommunikation mit den Unternehmen und Bürgern eine Grundvoraussetzung für eine funktionierende Infrastruktur ist.“

Fahrrad, U-Bahn, Autobahn

Das Verkehrsproblem in und um Hamburg lasse sich mit dem Ausbau der Autobahnen und Brücken allein aber nicht lösen, erklärte Merl. Vielmehr sei ein Konzept mit einem vernünftigen Verkehrsmix notwendig, um in Zukunft trotz des erhöhten Verkehrsaufkommens für eine spürbare Entspannung auf und neben den Straßen zu sorgen. Aber auch dieser Verkehrsmix ist nur dann realisierbar, wenn die entsprechende Infrastruktur geschaffen wird und funktioniert. Deshalb müsse in und um Hamburg weiterhin gebaut werden – zum Beispiel die neue U-Bahn-Linie U5, der Ausbau des Fahrrad- und Schienennetzes oder die Verbreiterung der Autobahnen. Zum Abschluss der Veranstaltung warb Merl deshalb um mehr Unterstützung aus der Wirtschaft: „Bei Informationsveranstaltungen zum Infrastrukturausbau treffe ich fast ausschließlich Menschen, die gegen Baumaßnahmen sind. Dabei brauche ich vor allem aber auch Sie als Unternehmer, damit sich eine breitere Diskussionsbasis entwickelt.“

Wie wichtig den Hamburger Unternehmern das Thema Verkehrsinfrastruktur ist, hat erst kürzlich eine Blitzumfrage des AGA Unternehmensverbandes unter seinen Mitgliedern gezeigt: Auf Platz drei der Wunschliste an die Politik liegt die Erneuerung der Verkehrsinfrastruktur. cb