„Terminal im Kleinformat“

Stacon-Geschäftsführer Hans-Heinrich Stechmann (rechts) und Projektleiter Ralf Tiedemann stehen vor einer Konstruktionszeichnung. Auch Hallenbau zählt zum Portfolio des Unternehmens. Foto: Wolfgang Becker

Stade: Stahlbauer Stacon baut Hallen mit vollautomatischer Container-Lagerung

Wer jemals für einen längeren Zeitraum Möbel, Maschinen oder andere witterungssensible Gegenstände einlagern musste, der weiß, wie gut es ist, wenn das vertraute Lagergut schimmel- und rostfrei „überlebt“. Damit das teure Benz-Sofa, die Saisonware, die elektronisch gesteuerte Bandsäge oder der restaurierte Oldtimer nicht im Container vermodert, wird das Eigentum der Kunden von Transportunternehmen selbst heute noch vielfach wieder aus den Lastwagen ausgeladen und in einfachen Lagerhallen aufbewahrt. Bereits Ende der 80er-Jahre bekam das Stahlbauunternehmen Stacon aus Stade-Wiepenkathen den Auftrag, eine temperierte Halle für die Lagerung von Containern zu bauen, um das zeit- und arbeitsaufwendige Aus- und Einpacken beispielsweise von Wohnungseinrichtungen zu umgehen. Im Zuge der zunehmenden Automatisierung und Digitalisierung hat Stacon daraus in den vergangenen Jahren ein vollautomatisches Indoor-Lagersystem für Container entwickelt und damit eine Technologie am Markt, die großes Potenzial hat.

Im Zentrum der Idee: eine längliche Halle, in der drei oder vier 20-Fuß-Container nebeneinander Platz haben. An der Decke fährt ein 20-Tonnen-Kran (Laufkatze) mit Spreader (Trag- und Hebevorrichtung für Container), sodass auch der hinterste Platz in der Tiefe der Halle erreicht werden kann. Das Problem: Wenn der unterste Container in der allerletzten Ecke am nächsten Morgen ausgeliefert werden soll, beginnt das große „Stühlerücken“. Dann wird gestapelt und hin- und herbugsiert – bis die Box erreicht ist und „nach vorn“ gerückt werden kann.

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Das Geheimnis der Stacon-Entwicklung liegt in der Software, die den Kran steuert und sich die Lagerplätze der Container merkt. Stacon-Geschäftsführer Hans-Heinrich Stechmann: „Das klingt einfach. Es ist aber eine komplexe Aufgabe, ein verlässliches System auf die Beine zu stellen, das am Ende vollautomatisch einlagert, umsortiert und auslagert. Wir haben quasi den Container-Terminal Altenwerder im Kleinformat entwickelt.“

Premiere in Berlin
Das erste vollautomatische Containerlager wurde bereits 2008 in Berlin gebaut. 2017 kam ein weiteres in der Nähe der Bundeshauptstadt hinzu, und 2018 baute Stacon die Nummer drei für einen Kunden in Bielefeld – mit etwa 400 Lagerplätzen für 20-Fuß-Container. Projektleiter Ralf Tiedemann: „Jedes Lager steht für sich, denn die Betreiber haben zumeist ganz detaillierte Vorstellungen, unterschiedliche Grundrisse und dann ist da ja auch noch das Baurecht.“ Kurz: Das Stacon-Containerlager gibt es nicht von der Stange, da zahlreiche Anpassungen nötig sind.

„Unsere Entwicklung gehört ganz klar in den Bereich Digitalisierung“, sagt Hans-Heinrich Stechmann. „Das bedeutet auch, dass sich die Dinge ständig weiter entwickeln. Das gilt insbesondere auch für die Steuerung und die Bedienung, sprich Programmierung.“ De facto ist es so: Das Programm bekommt eine Auslieferungsanforderung, rechnet die dazu nötigen Container-Bewegungen durch und optimiert den Kraneinsatz. Zugleich merkt sich das System, wann und wo welche Box eingelagert, umgestellt und ausgeliefert wird. Stechmann: „Das ist für alle Branchen interessant, die sensible Dinge in Containern einlagern – das können Maschinen, elektronische Bauteile, auch Akten und klimaempfindliche Gegenstände aller Art sein. Im Lager stehen die Container trocken und wenn gewünscht auch temperiert. Die Einsatzmöglichkeiten sind vielfältig.“

Stacon ist von Haus aus nicht Logistikdienstleister, sondern ein versiertes Stahlbau-Unternehmen mit vielen Kunden gerade auch im Indus­triebereich. Der schlüsselfertige Hallen- und
Gewerbebau zählt jedoch ebenfalls dazu – insofern ist eine gewisse Nähe zur Logistik unübersehbar. wb

Web: https://www.stacon.de/index.php/home.html

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