Warten auf die Elbvertiefung? Wir haben die Zeit genutzt!

Zu den Verkehrsströmen im Hamburger Hafen gesellen sich zunehmend auch Datenströme – Basis für die reibungslose Abwicklung der Umschlaggüter. Foto: Hamburg Port Authority/Fotograf: Andreas Schmidt-Wiethoff

Hafen Hamburg Marketing e.V.: Vorstand Axel Mattern über Hafenbahn, Digitalisierung, Tracking und die Perspektiven

Nach rund 17 Jahren gerichtlicher Auseinandersetzungen haben die Bagger damit begonnen, die Fahrrinne der Elbe an die aktuellen Schiffsgrößen von Containerriesen anzupassen. „Ein Meilenstein“, wie Axel Mattern, Vorstand des Hafen Hamburg Marketing e.V., sagt. „Wir konnten in den vergangenen Jahren nur mit halber Kraft fahren, haben aber vieles vorbereitet, um den Hamburger Hafen jetzt wieder nach vorn zu bringen.“ Nach seiner Einschätzung verfügt Hamburg über einen der wenigen Häfen weltweit, die beispielsweise beim Thema Digitalisierung und Automatisierung so weit sind. All dies sei „hanseatisch zurückhaltend“ während der Wartezeit auf den Beginn der Elbvertiefung vorangetrieben worden.

Beispiel Hafenbahn. Mattern: „Der Hamburger Hafen verfügt über eine hervorragende Hinterlandanbindung. Die Hafenbahn ist die größte ihrer Art in ganz Europa und heute top sowohl was die digitale als auch die physische Infrastruktur angeht. Wo ist welcher Waggon? Wir können die Frage beantworten.“

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Beispiel Tracking. „Das Hamburg Vessel Coordination Center HVCC ist weltweit einmalig. Über diese Einrichtung, die zu
25 Prozent von Eurogate und 75 Prozent von der HHLA betrieben wird, können ankommende Schiffe mit Ziel Hamburg bereits ab Gibraltar geortet und eingeplant werden“, sagt Mattern. „So wissen wir genau, wann das Schiff wo sein wird. Ziel ist es, einen optimierten An- und Ablauf auf der Elbe zu gewährleisten, denn Begegnungen von besonders großen Containerschiffen auf der Elbe sind vor Hamburg nicht oder nur mit Einschränkungen möglich – es drohen also Wartezeiten, wenn gerade ein anderes Schiff ausläuft. HVCC kann das kalkulieren und für eine zeitgenaue Anreise sorgen. Das spart Treibstoff. Es macht ja keinen Sinn, mit Vollgas bis Elbe I zu fahren, um dann zu warten, bis der Strom frei ist. HVCC bietet dafür die Basis – und zwar nicht nur für große Containerschiffe, sondern zum Beispiel auch für Tanker und Kreuzfahrer. Die Häfen Rotterdam und Den Haag haben bereits signalisiert, dass sie das System gerne mitnutzen würden.“ Über HVCC können auch die Hinterlandverkehre besser gesteuert werden. Mattern: „2014 hatten wir hier den Container-Infarkt, weil große Schiffe mit bis zu sieben Tagen Verspätung ankamen. Die Bahn war dagegen pünktlich. Die Folge war Chaos auf den Hafen-Terminals. So etwas passiert jetzt nicht mehr, denn Bahn und HVCC sind durch eine Schnittstelle verbunden.“

Beispiel 5G. Das ultraschelle Datennetz ist Basis für die Digitalisierung. Künftig sollen beispielsweise auch die Weichen der Hafenbahn digital überwacht werden, um Wartungsarbeiten durchzuführen, bevor es zu einem technischen Ausfall kommt. Im Hafen wurde dazu ein Testfeld eingerichtet.

Beispiel Drohneneinsatz. Die Hamburg Port Authority setzt vereinzelt bereits Drohnen ein, um Gebäude und technische Anlagen zu überprüfen. So können beispielsweise Schäden am Betonsockel der Köhlbrandbrücke leichter erkannt werden. Unbemannte Unterwasserdrohnen werden eingesetzt, um Schäden an Kaimauern und Sedimentablagerungen aufzuspüren. Mattern: „Früher mussten dazu immer Taucher eingesetzt werden. Jetzt kommen die Taucher nur zum Einsatz, wenn wirklich etwas repariert werden muss.“

Beispiel Virtual Reality: Der Hamburger Hafen ist mittlerweile komplett digitalisiert, liegt also als virtuelles Modell auf dem Server. Mit diesen Daten können beispielsweise Umbauten simuliert werden. Eine Hilfe für die Planer.

Mattern: „Mittlerweile kommen auch die anderen großen Häfen auf die Idee, die Digitalisierung voranzutreiben. Wir haben die Zeit genutzt und sind schon sehr weit.“ Allerdings noch lange nicht am Ende. Ziel ist es, alle Verkehrsträger in ein umfassendes Port-Monitoring-System zu integrieren. Das heißt: Schiffe, die Bahn, der Verkehr auf den Straßen und die bewegliche Hafen-Infrastruktur, zum Beispiel Schleusen, sollen in diesem System in Echtzeit dargestellt werden. Im zweiten Schritt soll der Hafen dann mit der Stadt vernetzt werden (Stichwort Baustellen) – damit wäre Hamburg auf dem Weg zur Smart-City. Und würde der Rolle als Drehscheibe des Nordens und Tor zur Welt einmal mehr gerecht werden. Aus Sicht von Mattern und seinem Vorstandskollegen Ingo Egloff beste Perspektiven für die Zukunft. Von Wolfgang Becker

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Web: https://www.hafen-hamburg.de/