„Menschen folgen Menschen“

Buchholzer Wirtschaftsrunde: Influencer André Kuhnert über die Macht der Werbung in sozialen Medien

YouTube, Instagram und Co.: Viele Menschen kennen und nutzen diese sozialen Medien, aber wie funktioniert Influencer-Marketing und was bringt das für mein Unternehmen? Welchen Mehrwert bieten Bewegtbilder und Audio in der heutigen Zeit, über welchen Medienkanal erreiche ich bestmöglich die richtige Zielgruppe für meinen Betrieb? Antworten auf diese Fragen erhielten kürzlich Mitglieder der Buchholzer Wirtschaftsrunde aus berufenem Munde des Gastdozenten André Kuhnert. Der 32-jährige Journalist, Radio-Moderator und Influencer kam direkt aus dem Studio an der Spitaler Straße zum Unternehmertag, der dieses Mal im Buchholzer Movieplexx-Kino stattfand.

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„Menschen folgen Menschen“, erklärte André Kuhnert im Halbdunkel des Kinosaals, während sein Bild überlebensgroß auf der Leinwand prangte. Von Angesicht zu Angesicht begegnen dem Hamburger vergleichsweise wenige Menschen. Die meisten lauschen ihm, wenn er gemeinsam mit John Ment und Birgit Hahn die „Morning Show“ von Radio Hamburg moderiert. Oder sie sehen und hören seine Nachrichten auf Instagram. Regelmäßig schauen 8293 sogenannte Follower Fotos und Mini-Videos an, die er von sich und seinen Aktivitäten ins Netz stellt und damit für Produkte, Dienstleistungen und Orte wirbt.

Dass die Posts positive Wirkung zeigen, ist direkt an erhobenen Daumen oder lobenden Kommentaren abzulesen. Es gibt aber auch Rückmeldungen über den Gebrauch der von Kuhnert beworbenen Artikel. Dazu lieferte Kuhnert im Movieplexx ein anschauliches Beispiel. Er wird im Februar heiraten und will bis dahin seinen Körper stählen. Regelmäßig berichtet er in 15-Sekunden-Clips von seinen Erlebnissen in einem Norderstedter Fitnessstudio. Das sogenannte Storytelling animiert offensichtlich. Mit expliziter Berufung auf ihn haben sich etliche seiner Fans ebenfalls dort angemeldet. Kuhnerts persönlicher Sympathiefaktor und die Tatsache, dass er selbst eben auch keinen Traumbody hat, sind gleichermaßen förderlich. Kuhnert berechnet 350 Euro für drei jeweils nur 24 Stunden lang auf Instagram sichtbare 15-Sekunden-Videos. Der Preis eines Influencers ergäbe sich im Wesentlichen aus der Zahl seiner Follower, erklärte der Experte. Er selbst hat – verglichen mit Stars der Szene, denen mehrere Millionen folgen – eine vergleichsweise kleine Anhängerschar. Aber er kann mit einer hohen Rückmeldungsrate punkten. Und mit der Plattform Instagram, die Jung und Alt gleichermaßen anspricht, ausführliche Statistiken bietet, privat und öffentlich genutzt wird und schnelles Wachstum verspricht.

Nach Kuhnerts Analyse hat jede soziale Plattform ihr ganz eigenes Profil: Snapchat – sehr jung, sinkende Nutzerzahlen; Twitter – medienaffin und kritisch; YouTube – wird jünger, anspruchsvolle Zielgruppe; Facebook – wird älter und privater. Welche Plattform die für die eigene Firma am besten geeignete ist und welcher Influencer als Werbeträger und Multiplikator in Frage komme, müsse jeder Chef selbst entscheiden. Als das Publikum nach dem Vortrag im Schein des Projektors zurück ins helle Tageslicht trat, war jedem Besucher klar, dass die neuen Sonderwerbeformen eine eigene digitale Dimension darstellen (siehe auch Seite 15). Ein Universum bilden, das so komplex ist und sich so schnell wandelt wie die reale Welt. Und dass kein Unternehmer künftig daran vorbeikommen wird . . . mab

Web: https://buchholzer-wirtschaftsrunde.de/