Plötzlich ist der Nahe Osten im eigenen Wohnzimmer …

FUTURETALK – Die emotionale Komponente der Virtuellen Realität: Mit digitaler Technologie in einen neuen Bewusstseinszustand

Die Jugend ist gut vertreten an diesem Tag: Gerade in den Reihen der Startups zeigt sich, dass der Hamburg Innovation Summit eine junge Veranstaltung ist. Bei der dritten Auflage der HHIS, dieses Mal wieder im Channel Hamburg, wird dies deutlich. Zwischen dem modernen Gebäude „Goldfisch“ und dem historischen KulturSpeicher an der Blohmstraße im Harburger Binnenhafen trifft die eta­blierte Wirtschaft auf die Wirtschaft der Zukunft, der gestandene Bauunternehmer Arne Weber auf die VR-Influenzerin und Gründerin Sara Lisa Vogl. Letztere nutzt den FutureTalk für ein unmissverständliches Statement zur Virtuellen Realität: „Wir wollen die Menschen in einen anderen State of mind bringen.“ Was wohl so viel bedeutet, wie: in einen anderen Seelenzustand, eine neue Gemütsverfassung, einen neuen Bewusstseinszustand. „Ich bin ein großer Fan von VR, denn die virtuelle Realität ist emotional. Ich kann ganz viel machen – an einem sicheren Ort“, sagt die Vortragende.

Es ist nicht so ganz klar, ob sich die Mehrzahl der Gäste tatsächlich einen neuen Gemütszustand wünscht oder gar vor der Frage steht, das Konsumieren psychedelischer Pflanzen, also berauschender und bewusstseinserweiternder Kräuter, gegen eine VR-Brille einzutauschen, die Sara Lisa Vogl vorschlägt, aber sie lässt sich nicht beirren und bringt ein paar einleuchtende Beispiele, wie VR-Technologie helfen kann, real existierende Probleme in das emotionale Bewusstsein zu heben. Kurz: Der virtuelle Besuch eines Flüchtlingscamps im Nahen Osten könnte durchaus einen nachhaltigen Bewusstseinsschock auslösen. Mit einem Mal wäre der Osten tatsächlich nah – nämlich mitten im Wohnzimmer.

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Experten bezweifeln nicht, dass sich VR im Bereich von medizinischen Therapien, beim Thema Lernen und auch in der Seniorenbetreuung positiv einsetzen lässt. Nach dem Motto“eben noch mit dem Rollator unterwegs, schon im Tiefflug über den Malediven“ ließe sich da manch leere Stunde mit unerwarteten virtuellen Abenteuern füllen. Vogl: „Es gibt noch viel mehr Anwendungen.“ Zum Beispiel in der Gamer-Szene, aber eben auch im Bereich der Wirtschaft, hier etwa im Zusammenhang mit Simulationen und virtuellen Rundgängen.

Autonome Lufttaxis

Zukunftsfragen beschäftigen auch Mathias Thomsen, General Manager Urban Air Mobility bei Airbus. Er befasst sich mit städtischen Fortbewegungsmitteln und hat die Lösung für Hamburg parat: Wenn A1 und A7 permanent dicht sind und alle Schleichwege zufällig gerade repariert werden, dann bleibt nur eines: der Luftraum. Tatsächlich investiert Airbus in die Entwicklung autonomer Transportsysteme, die einerseits auf der Straße fahren, andererseits als Drohnen-Variante auch flugfähig sind. Ob das tatsächlich massentaugliche Systeme werden, sei einmal dahingestellt, aber wichtig ist: Technisch ist alles machbar.

Fazit: Der Hamburg Innovation Summit 2018, hervorgegangen aus dem Engagement der Tutech Innovation GmbH und des hit-Technoparks, ist eine Fundgrube für geerdete Futuristen (vieles wird schon umgesetzt), ein Catwalk für Startups, die reichlich vertreten sind, und ein Treffpunkt für all diejenigen, die realisiert haben, dass die Metropolregion Hamburg das Zeug zum Innovationsstandort und die Kraft hat, sich neben den klassischen Technologiehochburgen in Deutschland zu behaupten.