Premiere: Lagebestimmung für die Wirtschaft im Landkreis Stade

Der gebürtige Stader Prof. Dr. Rolf Hollander (67) ist Vorsitzender des Kuratoriums der Neumüller Cewe Color Stiftung (Oldenburg). Foto: Björn Vasel

Ein neues Veranstaltungsformat für und mit dem Mittelstand hat die Wirtschaftsförderung Landkreis Stade ausprobiert. Unter dem Titel Lagebestimmung 2019 ging es im Stadeum um die erfolgreiche Entwicklung im Mittelstand und die Frage, was Unternehmen heute brauchen, um morgen erfolgreich zu sein.

Statt Potenziale und Chancen von Fachleuten vorzustellen, wurden die Teilnehmer zu Experten ihrer Geschäftsmodelle. Vorträge gab es nicht, stattdessen wurde zum Gestalten auffordert: Knapp 50 Unternehmer und Akteure stellten an zwölf Pinnwänden und mit mehr als 180 beschriebenen Karten die Herausforderungen durch aktuelle Trends und die Einflussgrößen auf ihren unternehmerischen Erfolg im Mittelstand heraus – im Rückblick und Ausblick zu vier Trends, die mit Unterstützung des TZEW, der Metropolregion Hamburg, der Digitalagentur Niedersachsen und der Samtgemeinde Oldendorf-Himmelpforten analysiert wurden:

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Digitalisierungskompetenz und Innovationsfähigkeit, neue Arbeitsmodelle und Fachkräfte, Mobilität und Infrastruktur, regionale Identität und Standortmarketing.

Die Veranstaltung bot Antworten auf Fragen wie: Was passiert aktuell an der digitalen Front, und wie müssen sich Unternehmen darauf einstellen? Können Unternehmen Vorbereitungen treffen oder von guten Beispielen lernen? Ein Ergebnis: Weiterbildung kann auch online und während der Arbeitszeit erfolgen, wenn keine 100-prozentige Auslastung der Arbeitnehmer vorliegt. Hier wäre beispielsweise ein Umdenken in den Betrieben erforderlich.

Als Impulsgeber hatte die Wirtschaftsförderung Landkreis Stade Dr. Rolf Hollander eingeladen, Vorsitzender des Kuratoriums der Neumüller Cewe Color Stiftung. Der gebürtige Stader war bis 2017 Vorstandsvorsitzender bei Cewe und meisterte dort den Wandel zum Digitalen. Dass der Fotodienstleister Cewe im Jahr 2018 rund 54 Millionen Euro Gewinn machen und in 15 Betriebsstätten in Europa und 147 Einzelhandelsgeschäften (Mittelosteuropa und Skandinavien) 4000 Mitarbeiter beschäftigen würde, war vor einem Jahrzehnt noch nicht sicher. Das Ende der analogen Fotografie verlangte eine Neuausrichtung des Geschäfts. Von 2000 bis 2013 ging der Verkauf analoger Filme um 97 Prozent zurück. Die Fotoentwicklung für den Handel war (neben eigenen Geschäften) einst das Kerngeschäft. „Wir mussten vom anonymen Dienstleister über unser Cewe-Fotobuch zur Marke werden“, sagt Hollander.

Seine Einstellung zum Einsatz neuer Technologien und Strategien: frühzeitig ausprobieren, Fehler zulassen und immer neugierig bleiben. Und sein Tipp: trotz der Digitalisierung die „analogen“ Grundlagen weiterhin beherrschen und nicht vergessen. Darin waren sich auch die Teilnehmer einig: Auch wenn sich Technik ständig wandelt, so bleibt das analoge und soziale Basiswissen dennoch wichtig.

Passend zu dem Motto der Veranstaltung „Wenn wir nichts ändern, wird nichts so bleiben wie es ist“ präsentierte das Mittelstand-4.0-Kompetenzzentrum eStandards mit der „Mobilen Offenen Werkstatt“ praxisnahen Lernstoff zu digitalen Assistenzsystemen von der Virtual-Reality-Brille bis zum 3D-Drucker. cs/bv