Protec hat Biss

Protec-Geschäftsführer Mirco Schulz vor seinem neuen „Familienmitglied“: Der SLA-Drucker, hier die kleinere Variante, ermöglicht den Einsatz von Resin, einem flüssigen Material auf Kunstharzbasis. Foto: Wolfgang Becker

3D-Druck: Mirco Schulz nimmt die Dental-Branche ins Visier

Ein kleines Gebiss, Abdruck eines Oberkiefers, könnte dabei helfen, dass Zahnersatz oder auch die berühmte Knirschschiene künftig noch besser passen und den Patienten weniger Probleme bereiten. Mirco Schulz, Geschäftsführer der Protec GmbH in Buxtehude, baut seit mehr als einem Jahr gezielt seinen neuen Geschäftsbereich 3D-Druck und 3D-Scan aus und stößt dabei nicht nur ständig auf neue Technologien und Materialien, sondern auch auf neue Anwendungsbereiche. Um den 3D-Druck im nichtmetallischen Arbeitsfeld sinnvoll zu etablieren, sind bestimmte Voraussetzungen zu erfüllen – der Dentalbereich könnte ein Gebiet sein, in dem sich die neuen Produktionsverfahren besonders gut eignen.

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Wer jemals einem Zahntechniker über die Schulter geschaut hat, der weiß um die handwerkliche Tiefe dieses Berufs. Individuelle Fertigkeiten, ein Feeling für das Modellieren von Zähnen, ein Blick für die Farbe, passgenaues Arbeiten in jeder Hinsicht und viele Arbeitsschritte, die höchste Präzision erfordern. Das Einsetzen einer neuen Jacketkrone beginnt mit dem Abschleifen des Zahns und dem berühmten Abdruck – Grundlage für das Gipsmodell, an dem Zahntechniker arbeiten. Ist der Zahnersatz fertig modelliert, wird von dem Gipsmodell eine Negativform hergestellt, die der weiteren Erstellung des Zahnersatzes als Basis dient.

SLA-Druckverfahren eröffnet vielfältige Einsatzgebiete

In diesen Prozess greift Mirco Schulz ein und bringt nicht nur den Scanner, sondern auch ein spezielles Druckverfahren zum Einsatz, das ein Gebissmodell aus Resin hervorbringt. Resin ist eine Flüssigkeit auf Kunstharzbasis. Im Gegensatz zu den bekannteren 3D-Druck-Verfahren entsteht das gedruckte Objekt aus der Flüssigkeit heraus auf dem Kopf stehend – es wächst sozusagen aus einer mit Resin gefüllten Wanne im Drucker in die Luft. Schulz: „Wir sprechen hier über das SL- oder auch SLA-Druckverfahren. SL steht für Stereolithographie. Das verwendete Material ist sehr viel genauer als die üblichen Kunststoffe, die dem Drucker in der Regel über Filamente, also Kunststofffäden, zugeführt werden. Und: Mit Dental-Resin kann ich Teile herstellen, die im medizinischen Kontext und im Lebensmittelbereich zugelassen sind.“ Tatsächlich ermöglicht das SLA-Verfahren den Druck von vielfältigen Objekten mit besonderen Eigenschaften. Zum Beispiel elastische Formen – damit ließe sich die besagte Knirschschiene einfach ausdrucken. Im Hochtemperaturbereich können Teile gedruckt werden, die bis zu 238 Grad Celsius vertragen. Mit Standard-Resin können alle möglichen Farben gemischt werden. Und das alles so genau, dass sogar Spritzgussformen beispielsweise für Prototypen-Serien von Schnullern einfach gedruckt werden. Das ist wesentlich billiger als die aufwendige Herstellung von Spritzgussformen aus Metall, die dann später in der Massenfertigung eingesetzt werden. Weitere Materialarten sind Polypropylen, gussfähiges Kunstharz und belastbares Kunstharz, beispielsweise für Zahnräder, also technische Anwendungen.

Mirco Schulz hat sich einen entsprechenden Drucker bereits in seinen Maschinenpark gestellt. Speziell die medizinische Anwendung im Dentalbereich hält er für besonders zukunftsfähig, denn in dem Bereich ist jedes Objekt individuell. Einen ersten Kontakt zu Kieferorthopäden hat er bereits geknüpft. wb

Web: https://www.nc-protec.net/