Wenn die Elemente verrücktspielen

Versicherungsmakler Klaus Hain Foto: Wolfgang Becker

Versicherungsmakler Klaus Hain über ein Problem unserer Zeit: Starkregen und Schneelast

Schnee in Norddeutschland? Wir haben doch Klimawandel . . . Ganz so einfach ist es natürlich nicht, denn zweieinhalb milde Winter machen noch keine Klimakrise. Gefühlt wird das Wetter jedoch wärmer, was letztlich auch die Aufzeichnungen der vergangenen 150 Jahre belegen. Dass es in früheren Zeiten schon deutlich wärmer war, interessiert hier nur am Rande, denn der Klimawandel ist mittlerweile das Schreckgespenst der Gegenwart – noch nie war der Planet offenbar bedrohter als heute. Und noch nie gab es so viele klimabedingte Versicherungsschäden. Das zumindest legen aktuelle Studien nah, auf die Klaus Hain, Inhaber der Carl Rehder GmbH Versicherungsmakler in Hittfeld, verweist.

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Hain: „Noch vor zehn Jahren war das kaum ein Thema, aber mittlerweile haben wir deutlich mehr Elementarschäden. Darunter verstehen wir Schäden durch Regenwasser – durch Rückstau in den Sielen oder vollgelaufene Keller – und durch Schneedruck.“ Das klingt derzeit zwar unwahrscheinlich, ist es aber nicht. Hain: „Gefühlt schneit es bei uns kaum noch, und in den Alpen schmelzen sogar die Gletscher – wenn es aber plötzlich mal 20 Zentimeter Neuschnee gibt, diese Fälle hatten wir in den vergangenen Jahren, und dann Nieselregen einsetzt, wird die Schneedecke gerade auf Flachdächern so schwer, dass es schnell zu schweren Schäden kommen kann. Das muss nicht immer gleich den Einsturz bedeuten, es reicht ja schon, wenn die Dachhaut irgendwo einen Riss bekommt und das Wasser beispielsweise ins Lager oder in die Maschinenhalle fließt.“ Die hohe Schneelast ist eine Folge der wärmeren Temperaturen, denn warme Luft transportiert mehr Feuchtigkeit als kalte.

Da insbesondere Gewerbebauten häufig Flachdächer haben, ist dieses Thema vor allem ein Punkt, den Unternehmer nicht aus dem Auge verlieren sollten, rät Hain. Wichtig zu wissen: Schäden durch Regen oder Schneelast sind von der normalen Gebäudeversicherung nicht gedeckt – die tritt zwar ein, wenn ein Brand, ein Leitungswasserschaden, ein Blitzschlag oder ein Sturm- beziehungsweise Hagelschaden, selbst ein Tornado vorliegen, nicht aber bei elementaren Schäden – die müssen extra versichert werden, wie der Versicherungsmakler betont.

Schwerer Schnee auf flachen Dächern

Klaus Hain: „Zurzeit habe allein ich in meinem Kundenkreis im Schnitt drei bis fünf Elementarschäden pro Jahr. Das ist deutlich mehr als früher und führt zumeist auch schnell zu hohen Versicherungssummen, denn so ein Fall kann sehr teuer werden. Für Gewerbehallen ist so eine Versicherung deshalb ein Muss.“ Nicht nur die Zahl der Starkregenereignisse hat sich verändert, auch die Zeiten, in denen Stürme auftreten, haben sich laut Hain verschoben: „Die Stürme kommen früher als gewohnt – voll belaubte Bäume bieten dann eine viel größere Angriffsfläche als im Winter und fallen auch schneller mal um.“ Was dann allerdings ein Sturmschaden wäre.

Da es je nach geografischer Lage unterschiedlich hohe Risiken gibt, haben die Versicherer Zonen eingerichtet. Sogar solche, in denen Gebäude gegen Elementarschäden grundsätzlich nicht versichert werden können. Und: „Gegen eine Sturmflut kann ich mein Haus oder meinen Betrieb ebenfalls grundsätzlich nicht versichern. Davon betroffen sind beispielsweise die Halligen, aber eben auch Immobilien auf größeren Inseln oder in Flussnähe.

Vorsicht Sperre

Und Klaus Hain hat noch einen elementaren Tipp: „Wer zweifelt, ob er eine Versicherung gegen Elementarschäden abschließen sollte, der muss Folgendes wissen: Wenn so ein Schaden eintritt und das Haus oder die Halle nicht versichert ist, dann gilt automatisch eine Sperre – das Gebäude ist dann auch künftig nicht mehr versicherbar. Die Versicherer gehen davon aus, dass die Wahrscheinlichkeit, dass ein weiterer Schaden an derselben Stelle auftritt, hoch ist.

In der Studie „I-SR-2 Indikator Schäden an Gebäuden“ werden einige Überlegungen zum Thema angestellt. Tenor: Bislang gilt der Zusammenhang zwischen Klimawandel und steigenden Schäden durch Unwetter und ähnliches noch nicht als gesichert, allerdings sprächen viele Indizien dafür. Seit 1980 seien wetter- und klimabedingte Schäden jedoch europaweit deutlich angestiegen. Von den neun Jahren mit den größten Schäden lägen sechs im Zeitraum nach 1998, beträfen also die vergangenen gut 20 Jahre. Die Prognose: „Vor allem Starkregen und Hochwasser und damit verbunden Überschwemmungen und Rückstau werden im Zuge des Klimawandels voraussichtlich zunehmen.“ (Quelle: adelphi / PRC / EURAC 2015) wb

Kontakt: makler@carl-rehder.de, Tel.: 0 41 05/77 02 80