Zukunftskonferenz in Hamburg: HWWI-Chef Henning Vöpel attestiert der Hansestadt ein hohes Standortrisiko durch die Digitalisierung

Über Digitalisierung und Energiewende sprachen (von links) Hamburgs Erster Bürgermeister Peter Tschentscher, Ingo Egloff (Vorstand Hafen Hamburg Marketing) und Ulf Inzelmann (Geschäftsführer UMCO) bei der Zukunftskonferenz Innovationstandort Norddeutschland. Foto: Hafen Hamburg / Karin Lengenfelder

„Strukturelle Vermögensillusion bei vollen Auftragsbüchern“

Zwei Themen prägten die Zukunftskonferenz für Industrie, Logistik und Häfen „Innovationsstandort Norddeutschland“, die in Hamburg auf Initiative von Hafen Hamburg Marketing und UMCO in Kooperation mit der egeb: Wirtschaftsförderung (Kreise Dithmarschen und Steinburg), dem IVH Industrieverband Hamburg, dem AGA Unternehmensverband und weiteren Partnern stattfand. Die Digitalisierung und die Energiewende werden über Wettbewerbs- und Standortvorteile entscheiden, war das Fazit der Veranstaltung mit rund 130 Teilnehmern.

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Auch Hamburgs Erster Bürgermeister, Dr. Peter Tschentscher, stellte diese beiden Megatrends in den Mittelpunkt seines Grußworts: „Hamburg ist auf einem guten Weg, die Chancen der Digitalisierung für den Hafen und die maritime Logistik zu nutzen. Zugleich können sich die Unternehmen mit regenerativen Energiekonzepten für die Zukunft wettbewerbsfähiger positionieren.“ Sowohl die Digitalisierung als auch die Energiewende hätten große Strahlkraft für die Wirtschaft.

Der Norden hinkt hinterher

Noch deutlicher sprach Prof. Dr. Hennig Vöpel, Geschäftsführer des Hamburger WeltWirtschaftsinstituts (HWWI), die Herausforderungen für Hamburg an: „Wir befinden uns in einer strukturellen Vermögensillusion bei vollen Auftragsbüchern.“ Gefühlt laufe die Wirtschaft gut, dabei drohe der Hamburger Wirtschaft die Disruption beim Übergang von der Industriegesellschaft in die digitale Wirtschaft. Der Standort habe aufgrund seiner Geschichte und seines Schwerpunkts auf Industrie, Logistik und Hafen eine strukturelle Trägheit und zugleich einen hohen technologischen Disruptionsgrad. So schätzt das HWWI das Standortrisiko für Hamburg hoch ein. Der Süden habe seit den 70er-Jahren Zug um Zug gegenüber dem Norden gewonnen.

Dr. Sebastian Saxe, Chief Digital Officer der Hamburg Port Authority und der Behörde für Wirtschaft, Verkehr und Innovation sieht Hamburg trotz vieler erfolgreicher Projekte noch nicht am Ziel. In seinen Augen ist der Kulturwandel die größte Herausforderung für die Wirtschaft. „Wissen darf nicht mehr gehortet werden, sondern muss geteilt werden. Das gleiche gilt für Innovationen auch über Unternehmens- oder Ländergrenzen hinweg“, so Saxe.

Die Innovationsallianz NEW 4.0

Wie stark Digitalisierung und Energiewende zusammenhängen, erklärte Prof. Dr. Werner Beba, Koordinator und Leiter des Projektmanagements für das Verbundprojekt Norddeutsche Energiewende NEW 4.0. Schleswig-Holstein als Lieferant erneuerbarer Energien und Hamburg als Abnehmer bilden eine hervorragende Modellregion, auch wenn bisher noch kein Gramm CO2 gespart worden sei. 60 Partner, darunter auch die größten Energieabnehmer aus der Industrie wie Aurubis, ArcelorMittal oder Trimed, sind bei NEW 4.0 eine Innovationsallianz eingegangen. Nur die digitale Vernetzung und eine Echtzeitkommunikation zwischen Erzeugern und Verbrauchen werden es möglich machen, dass die bislang ungenutzten drei Terawattstunden Strom aus regenerativen Quellen pro Jahr über schlaue Speicher und virtuelle Kraftwerke zu ihren Nutzern kommen. Was die Innovationskraft anbetrifft, sieht Dr. Rolf Strittmatter, Geschäftsführer Hamburg Invest, die Metropolregion Hamburg auf einem guten Weg zu einer führenden Rolle in Europa. Die Elbphilharmonie – errichtet auf einem alten Kaispeicher – sei ein schönes Symbol für Hamburg: „Zukunft baut auf Tradition“. kl

Web: https://hafen-hamburg.de