Putins Angriff macht Handel zum Problem

Foto: HartmannIm Moment kann die Firma Kaesler Nutrition ihre Multivitaminlösung (Bild) kaum noch nach Russland oder in die Ukraine verkaufen. Foto: Hartmann

Gut 100 Firmen aus dem Bezirk der IHK Stade unterhalten Kontakte zu Russland und zur Ukraine.

Von Inga Hansen 

Der Mann von der Industrie- und Handelskammer für den Elbe-Weser-Raum findet deutliche Worte. Zunächst dürfte eine Reihe von Gütern wegen der Sanktionen, auf die sich die westliche Welt geeinigt hat, derzeit nicht an Russland geliefert werden. „Das zweite Problem, das Firmen haben, ist die Frage: Wie bekomme ich das Geld für meine Ware? Ich kann nur jedem zur Vorauskasse raten.“ Schließlich gebe es auch noch das Problem, dass man eine Spedition finden müsse, die die Ware nach Russland bringt. „Das dürfte ebenfalls schwierig werden. Maersk zum Beispiel hat den gesamten Containerverkehr nach Russland eingestellt.“

Ob es überhaupt opportun ist, derzeit mit Russland zu handeln? Bühnes Antwort bleibt allgemein: „Die IHK Stade steht hinter den Sanktionen von Bund und EU. Der Schutz des freiheitlichen Europas steht über allem. Die Unternehmen im Elbe-Weser-Raum handeln eigenverantwortlich, sehen das unseren Informationen nach aber genauso. Einige organisieren sogar Hilfe für die Ukraine“, betont er.

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2021 hatten laut IHK niedersachsenweit drei Prozent der Exporte das Ziel Russland, zwei Prozent der Importe stammten in dem Jahr aus Putins Reich. Deutschlandweit sieht es nicht viel anders aus. Nur 1,9 Prozent der deutschen Exporte gehen nach Russland, immerhin 2,8 Prozent aller deutschen Importe kommen aus Russland. Das liegt natürlich vor allem am Gas und am Öl. Russland ist der größte Erdgas-Exporteur weltweit und der drittgrößte Erdöl-Lieferant. Deutschland hängt, was die Versorgung mit Erdgas angeht, am russischen Tropf: Laut tagesschau.de ist Russland mit einem Anteil von 55 Prozent der mit Abstand wichtigste Gaslieferant der Bundesrepublik.

Für Kaesler Nutrition, dem Cuxhavener Produzenten für Tierernährung, von Zusatzstoffen für die Futtermittel-Industrie, sind die Märkte im Osten nicht unwichtig. Wie wichtig, mag Firmensprecherin Stefanie Wagner nicht genau sagen. Kaesler Nutrition, 2014 gegründet, produziert Zusatzstoffe für Futtermittel, die an Kühe, Schweine oder Hühner verfüttert werden. Also Vitamine, Mineralien, Enzyme, Zusätze fürs Trinkwasser. Die Haupthandelspartner lägen in Europa, sagt Wagner. Aber auch in der Ukraine und in Russland hat das Unternehmen, das in Nordholz seinen Sitz, in Bremerhaven sein Labor und in Cuxhaven seine Produktion hat, eine Vertriebsstelle. Um den Mitarbeiter in der Ukraine macht sich Wagner Gedanken: „Aktuell geht es ihm gut“, sagt sie. Er sei noch in der Ukraine, habe aber Kiew verlassen.

Kaesler Nutrition, so Wagner, bemühe sich weiterhin, sowohl in die Ukraine als auch nach Russland zu liefern. „Wir haben Kundenanfragen, und die wollen wir erfüllen, wenn es möglich ist. Aber es ist sehr schwierig, im Moment Spediteure zu finden, die dorthin liefern.“ Was die Transporte nach Russland angehe, sei selbstverständlich alles mit den Behörden abgestimmt, betont sie. „Da wir uns als Teil der Lebensmittelbranche – wenn auch am Anfang der Kette – sehen, sehen wir uns nicht in der Position, jetzt nicht zu liefern. Tiere und Menschen sollen unter dem Embargo ja nicht leiden. Mittelfristig allerdings „müssen wir uns die Frage stellen, wie unser Geschäft in Russland, Weißrussland und der Ukraine künftig aussehen kann“, sagt die Sprecherin der Firma Kaesler Nutrition aber auch.