Taxifirmen gehen die Fahrer aus

Foto: HartmannGustav Klitsch fährt seit 32 Jahren Taxi und ist seit zehn Jahren selbstständig. || Foto: Hartmann

Bremerhavener Verbandsvorsitzender: Teilweise lange Wartezeiten für Kunden.

Von Christoph Bohn

Bremerhaven/Kreis Cuxhaven. Das Taxigewerbe ist eine aussterbende Branche. So sieht es zumindest Gustav Klitsch, Vorsitzender des Fachverbands Personenverkehr Bremerhaven und gleichzeitig Geschäftsführer von Taxi-Lloyd. Er rechnet damit, dass es in 20 Jahren Taxen in der bisherigen Form nicht mehr geben wird. Grund dafür ist der extreme Fahrermangel. Darunter leidet auch der Kreis Cuxhaven.

„Wir haben in Bremerhaven mittlerweile sonnabends nur noch 30 Taxen im Einsatz, obwohl eigentlich 50 bis 60 nötig wären“, beschreibt es Klitsch. Dabei würden die Mitgliedsunternehmen durchaus neue Fahrzeuge anmelden, doch ohne Fahrer nütze das nichts.

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Der Trend, dass immer weniger Menschen als Taxifahrer arbeiten wollen, beobachtet Klitsch bereits seit Jahren. Doch richtig schlimm geworden ist es durch die Corona-Krise: „Kein Wunder, durch den Lockdown gab es Kurzarbeit und Entlassungen. Da sind viele gegangen. Und die kommen nicht wieder“, berichtet er. Und hätten sich früher viele Studenten noch mit Taxifahren Geld nebenbei verdient, tue das heute nahezu keiner mehr. „Womöglich haben die jetzt bessere Jobs gefunden“, vermutet Klitsch.

Dabei ist es derzeit einfach, Taxifahrer zu werden. Benötigt werde für den Personenbeförderungsschein lediglich ein Gesundheitszeugnis, erzählt Klisch. „Ortskenntnis muss man derzeit nicht mehr nachweisen. Man kann also in jeder Stadt einfach Taxi fahren.“ Diesen Umstand findet Klitsch allerdings auch nicht so glücklich – mindere es doch die Qualität. „Was nützt einem ein Taxifahrer, der nicht weiß, wo die Gatehäuser sind und diese auch im Navi nicht findet?“

Job nicht für jeden geeignet

Woran liegt es nun, dass niemand mehr Taxi fahren möchte? Klitsch kann es nicht genau sagen. Teilweise zahlten die Unternehmen mittlerweile sogar mehr als den Mindestlohn. Allerdings sei der Job sicherlich auch nicht für jeden geeignet, meint Klitsch. Das gelte insbesondere für die Schichtarbeit. „Das kann es schon vorkommen, dass man morgens um fünf Uhr anfangen muss“, sagt er.

Klitsch selber hat 1989 im Alter von 31 Jahren als Taxifahrer angefangen. „Zuerst nur nebenbei, um Geld dazuzuverdienen“, erzählt der heute 63-Jährige. Er habe schnell gemerkt, dass es ihm liege, und habe den Job dann hauptberuflich ausgeübt. „Allerdings war auch alles gut mit der Familie zu vereinbaren. Meine Frau hat auch voll verdient“, erzählt er. Seit zehn Jahren ist er selbstständig. Mittlerweile ist er Geschäftsführer von Lloyd-Taxi und engagiert sich im Fachverband Personenverkehr Bremerhaven. Dort wurde er zuerst zweiter Vorsitzender, war lange Zeit Kassenwart und im August dieses Jahres erster Vorsitzender.

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Die derzeitige Lage sieht er als kritisch an. „Durch die wenigen Taxen im Einsatz kommt es teilweise zu langen Wartezeiten“, bedauert er. So seien alle genervt: Fahrgäste, Fahrer und die Mitarbeiter in der Telefonzentrale. Zum Glück sei die Kreuzfahrtsaison für dieses Jahr beendet. „Wenn ein Schiff kommt, wird es richtig eng“, sagt Klitsch.

Für die Zukunft des Gewerbes sieht er eher schwarz. 100 Taxiunternehmen gibt es derzeit noch in der Seestadt, Tendenz fallend. Und der Altersdurchschnitt der Fahrer sei hoch – etwa 50 bis 65 Jahre. Wenn es so weiter gehe, werde es das Taxi in der herkömmlichen Form bald nicht mehr geben, meint er: „In 20 Jahren gibt es keine Telefonzentrale mehr, dann läuft alles über App und Mietwagen“, schätzt er. Dann müsse es ein ganz anderes System geben.

Auch im Kreis fehlt Personal

Ganz so düster sieht es Stefan Gödeke nicht. Er ist Vorsitzender Taxi und Mietwagen in der Bezirksgruppe Stade des Gesamtverbands Verkehrsgewerbe Niedersachsen und Inhaber von Taxi Gödeke im südlichen Landkreis Cuxhaven. Im Kreis ist die Lage genau so dramatisch wie in der Stadt, teilweise sogar noch schlimmer, sagt er. „Es ist aber ein hausgemachtes Problem“, betont er mit Blick auf die Bezahlung. „Die Unternehmen können sich höhere Löhne nicht leisten, denn die Taxitarife sind seit 2015 nicht mehr angepasst worden“, kritisiert er. Anträge dafür habe es genug gegeben. „Der Landkreis ist in der Pflicht“, betont er.

Es sei jetzt schon schwierig, die Versorgung sicher zu stellen. „Das Anruf-Sammeltaxi-System geht gerade noch. Aber die geplante Ausweitung sehe ich nicht“, meint Gödeke und verweist darauf, dass sich derzeit alles summiere: Fahrermangel, Lohnkosten und hohe Kraftstoffpreise. Und die Anpassung der Tarife sei nicht in Sicht.