Just-in-time – Höhere Wertschöpfung in der Personalbeschaffung

Kolumne Personal 4 you – Von Corinna Horeis, Diplom- Kauffrau und Personalberaterin

Logistische Prozesse werden auf die effektivste Wertschöpfung ausgerichtet, das heißt: Verfahren werden deutlich schlanker gestaltet und beschleunigt. Es werden Lösungen geschaffen, um direkt auf Nachfragen, Bedürfnisse und Abläufe zu reagieren. Eindeutige Vorteile sind die Reduzierung von Durchlaufzeiten und Lagerkosten. Insbesondere in der Produktion wird die logistische Abfolge stetig optimiert. Übertragen auf den Prozess der Personalbeschaffung scheint unsere Wirtschaft großes Potenzial zur Optimierung zu haben. Personalleiter und Verantwortliche bewegen sich auf ausgetretenen, holprigen und technisch absolut veralteten Pfaden. Voraussetzung für erfolgreiche Abläufe ist eine gute Infrastruktur, die durch schlichte Erreichbarkeit oder Bewerbermanagementsysteme erreicht werden kann. Ein optimaler Informationsfluss zwischen Bewerber und Unternehmen ist unabdingbar, um Interesse zu bekunden, dem Kandidaten Wertschätzung entgegenzubringen und um ihn schlichtweg „an der Angel“ zu behalten. Allein aus Höflichkeit gehört es sich, dass ein Arbeitgeber sich bei Bewerbern für ihr Interesse bedankt. Die Kommunikationsprozesse haben sich durch die Digitalisierung und mobilen Geräte immens beschleunigt, sodass ein spätes oder gar ausbleibendes Feedback das Interesse der Bewerber auf ein Minimum schrumpfen lässt. Von befragten Bewerbern wird heute am meisten bemängelt, dass der Bewerbungsprozess zu lange dauert. Teilweise warten Bewerber vier (!) Wochen auf eine Antwort, 30 Prozent erhalten gar keine Antwort. Können wir so leichtfertig mit Interessenten umgehen, wenn wir sie gewinnen wollen?

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Flexibilität ist ein weiterer Faktor, um den Bewerbungsprozess zu optimieren. Unternehmen geben nicht mehr alleinig den Ton an, wann und wie der Bewerbungsprozess zu laufen hat. Inzwischen hat der Kandidat aufgrund der speziellen Situation auf dem Bewerbermarkt einen erheblichen Einfluss auf das „Wie“ und „Wann“. Die Kommunikationswege werden individuell vom Kandidaten gewählt – über E-Mail, SMS oder WhatsApp beispielsweise. Oder das Bewerbungsgespräch findet auf Wunsch des Kandidaten auch außerhalb der Arbeitszeiten statt.

Genau wie in der Produktion wird der Prozess dem speziellen Produkt oder dem Wunsch des Kunden angepasst. Die Optimierung der Organisation von Bewerbungsprozessen wird zukünftig einen ausschlaggebenden Einfluss auf den Erfolg der Personalgewinnung haben. Das Interesse von Bewerbern zu wecken und sie dazu zu bewegen, eine Bewerbung zu schicken, bedarf bereits großen Aufwands und zumeist auch höherer Kosten. Das Eintreffen der Bewerbung kann mit der Materiallieferung gleichgesetzt werden im logistischen Prozess. In der Produktion startet der Prozess in diesem Moment, im Bewerbungsprozess kommt er zum Erliegen. Die Reaktionszeiten sind enorm lang. Als häufigster Grund wird mangelnde Zeit der Entscheider angegeben. Über die gesamte Republik wird der steigende Bedarf an Fachkräften sowie deren Mangel kundgetan. Aktuell stimmen Zielsetzung und Verhalten nicht überein. Um eine höhere Chance zu haben, dass der Kandidat sich für sie als Arbeitgeber entscheidet, appelliere ich an die Unternehmen, Personalprozesse zu beschleunigen.

Fragen an die Autorin? corinna@horeis-consult.de