Der ominöse Ort, an dem wenig wächst

Martin Mahn, Geschäftsführer der Tutech Innovation GmbH und der Hamburg Innovation GmbH, sagt in B&P seine Meinung - pointiert und mit Hintersinn . . .

Von Martin Mahn, Geschäftsführer
der Tutech Innovation GmbH und der
Hamburg Innovation GmbH.

Wir kennen ihn alle. Diesen Ort, an dem es so kuschelig ist, warm und angenehm. Gemütlich, trocken und ohne (Gegen)Wind. Man will ihn nicht verlassen und – je länger man sich dort aufhält, desto schwerer wird das auch. Irgendwie so ein bisschen wie bei Odysseus Gefährten mit der lieben Göttin Circe auf ihrer Insel Aiaia. Nur, dass man dabei nicht in ein Schwein verwandelt wird. Dafür aber in ein Faultier. Und es bedarf oft externer Hilfe, um den süßen Zustand der Verführung zu beenden. Wohl dem, dem der Hermes erscheint und ihm sein Wunderkraut verabreicht. Denn wie auf den ersten Blick verführerische Orte in der griechischen Mythologie, so birgt auch dieser Wohlfühl-Ort seine tückischen Gefahren. Denn an diesem Ort wächst und gedeiht nichts. Es entsteht nichts Neues. Alles bleibt beim Alten. Und das kann – zumindest langfristig – äußerst fatal sein. Insbesondere in Zeiten, in denen Dynamik und (Wieder)Aufbruch angesagt sind. Jetzt zum Beispiel.

Die Corona-Pandemie hat unser Leben verändert. Sie hat gnadenlos aufgedeckt, wo in unserem Land die Schwachstellen liegen. Corona war und ist Ursache für viel Leid und Kummer, keine Frage. Aber es ist zu einfach, die Pandemie für alles verantwortlich zu machen, was misslungen oder gar nicht passiert ist. Das ist bequem. Zu bequem. Wie der besagte Ort. Von dort lässt es sich auch trefflich mit dem Finger auf andere zeigen. Weil man dort auch nichts falsch macht. Aber eben auch nichts wirklich richtig. Man macht dort eben eher wenig bis gar nichts. „Play it safe“, sagt der Angelsachse. Das ist nicht wirklich dynamisch und schon gar nicht nachhaltig – weder für den Einzelnen noch für uns alle. Nicht weiter wie bisher, nicht abwarten, nicht risikoscheu und voller Angst verharren – nein – aufstehen, die letzten 18 Monate abschütteln (auch wenn die nun gar wenig süß und verführerisch waren) und die Dinge anpacken. Das ist, was gebraucht wird.

Leider, so zeigen Untersuchungen, verharren rund 98 Prozent der Menschen an diesem ominösen Ort. Und nur zwei Prozent treten heraus und wollen es wissen. Wollen aktiv statt passiv sein. Wollen das Unbekannte umarmen, Neues ausprobieren, Grenzen austesten, Träume umsetzen und Erfüllung finden. Hört sich das nicht gut an? Ja, oder? Deshalb – und das gilt heute noch viel mehr als je zuvor – weg von diesem Ort! Raus aus der Komfortzone!

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