Bringt deutlich mehr als das Sparbuch

Nils GröndahlNils Gröndahl ist als Projektleiter bei Hartmann Haustechnik beschäftigt. Hier zeigt er an seinem Arbeitsplatz eine moderne elektrisch regelbare Heizungspumpe für ein größeres Mehrfamilienhaus. Der Einbau amortisiert sich nach drei bis vier Jahren. Foto: Wolfgang Becker

Der hydraulische Heizungsabgleich

Rainer Kalbe und Nils Gröndahl (Hartmann Haustechnik) über effiziente Technik zum Energieeinsparung.

Energieeinsparung ist das Gebot der Stunde – nicht nur politisch wird an den Stellschrauben gedreht, auch die Heizungsbauer sind darauf getrimmt, Heizungen so einzustellen, dass jeder Raum im Haus exakt die Energiezufuhr bekommt, die es braucht, um eine behagliche Atmosphäre zu erzeugen. Kellerräume und Hauswirtschaftsräume werden eher zurückhaltend beheizt, aber im Wohnzimmer sollte abends niemand frieren. Die individuelle Regelung ist heutzutage Standard. „Um optimale Ergebnisse zu erzielen, ist der hydraulische Abgleich der Heizungsanlage notwendig“, sagt Rainer Kalbe, Inhaber von Hartmann Haustechnik in Wilhelmsburg, und verweist damit auf ein Thema, mit dem der Laie in der Regel wenig anfangen kann. Gut zu wissen ist allerdings, dass es ohne diesen Abgleich keinen effizienten Heizbetrieb geben kann.


Hartmann-Mitarbeiter Nils Gröndahl ist Fachmann für den Bereich der Heizungsoptimierung. Er erläutert das Ziel des hydraulischen Abgleichs: „Es geht darum, mit dem geringsten möglichen energetischen Aufwand exakt die Wärmemenge in den Raum zu bringen, die benötigt wird.“ Die Optimierung der Wärmeströme sorgt gleich für mehrere Einspareffekte: Zum einen wird weniger Primärenergie verbraucht (Gas, Öl), zum anderen wird Strom gespart, weil weniger Pumpenleistung erforderlich ist. Rainer Kalbe: „Es macht schon einen spürbaren Unterschied, ob die Pumpe ständig arbeitet oder ob sie zwischendurch runtergefahren wird. Da kommen im Jahr schnell an die 80 Euro zusammen – nur Stromkosten.“

TIPP Die Bundesregierung setzt mit einem Förderprogramm Anreize für Anlagenbetreiber. Seit dem 1.August 2016 beteiligt sich das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) mit 30 Prozent an den Nettoinvestitionskosten für einen Austausch einer ungeregelten Pumpe durch eine Hocheffizienzpumpe oder der Durchführung eines hydraulischen Abgleichs.

Klingt alles logisch, ist aber viel komplizierter, als auf den ersten Blick erkennbar. Die Verbrauchsoptimierung ist von einer Reihe von Faktoren abhängig, die bei der Heizungssteuerung bedacht werden müssen. Berechnet werden müssen  beispielsweise die vorhandene Heizfläche pro Raum (Heizkörper, Fußbodenheizung, Wandheizung), der Aufbau der Außenwand, die Fensterflächen und der damit verbundene Wärmeverlust des Gebäudes. Und: Wie berücksichtige ich die Außentemperatur? Welche Leitungen sind eingebaut?

Heizungsrohr zu dick?

Dazu Nils Gröndahl: „Um die optimalen Einstellungen zu berechnen, gibt es Tabellen, Listen, technische Vorgaben und natürlich die vorhandenen Verhältnisse. Ein Beispiel: Jedes Berechnungssystem gibt Heizungsrohre mit einem Durchmessen von zwölf Millimetern vor. Eingebaut werden aber 15-Millimeter-Leitungen – weil die Formstücke billiger sind.“ Ein weiterer Punkt: In vielen Häusern sind noch Pumpen eingebaut, die nicht elektrisch regelbar sind – sie können die Pumpleistung nicht anpassen, verbrauchen also häufig viel zu viel Strom. Kalbe: „Ältere Standardpumpen verbrauchen im Dauerbetrieb so um die 80 bis 100 Watt. Der Einbau selbstregelbarer Pumpen amortisiert sich bereits nach drei bis vier Jahren, denn sie werden phasenweise eben nur mit zwei oder drei Watt betrieben. Das macht sich deutlich bemerkbar. Vergleichbar ist das mit dem Austausch einer starken Glühbirne gegen eine LED-Beleuchtung.“

Um eine optimale Heizungsanlage zu betreiben, müssen also die Voraussetzungen stimmen: eine elektrisch geregelte Pumpe (Hocheffizienzpumpe), möglichst ein Brennwertgerät (das die sich im Abgas befindliche Wärme zusätzlich nutzbar macht), voreinstellbare Ventile, eine über die Außentemperatur geregelte und eine programmierbare Steuerung. Bei großen Wohnanlagen bewirkt der hydraulische Abgleich Einsparungen im vier- bis fünfstelligen Euro-Bereich. Hartmann Haustechnik hat in den vergangenen Jahren mit großem Erfolg für diverse große Wohnungsverwaltungen einen hydraulischen Abgleich durchgeführt – übrigens nicht nur im Bereich der Heizungsanlagen, sondern auch, um die Zirkulation komplexer Warmwasserverteilungsnetze zu optimieren. wb