Aus Neuland wird Posthausen . . .

„HUB+ Neuland“ aus der Luft: Hier wird die Dimension der derzeit größten Hamburger Gewerbegebietsplanung deutlich. Zur Orientierung: Rechts verläuft die A1, unten der Harburger Autobahnzubringer Neuländer Straße. Foto: HI

Hamburgs derzeit größte Gewerbefläche liegt in Harburg: 26,6 Hektar gehen an DP DHL Gesamtprojektleiter Ulrich Roder (HWF) über die Erschließung.

Sand so weit das Auge reicht. 670 000 Kubikmeter Sand lässt die Hansestadt Hamburg derzeit in Neuland anliefern, um das neue Gewerbegebiet „HUB+ Neuland“ an der A1 zu erschließen. Ulrich Roder ist Bauingenieur in Diensten Hamburg Invest, ehemals Hamburgische Gesellschaft für Wirtschaftsförderung HWF, und mit der Gesamtprojektleitung beauftragt. Hauptaufgabe: Die 26,6 Hektar große Fläche muss trockengelegt und standsicher hergerichtet werden, bevor sie 2019 komplett an die Deutsche Post übergeben wird. Die Post-Tochter DHL wird dort eines ihrer bundesweit vier großen Paketverteilzentren errichten und insgesamt knapp 1400 Jobs anbieten, darunter fast 1000 neue.

Im Herbst 2016 hatte Bürgermeister Olaf Scholz bekanntgegeben, welcher der vier Bewerber den Zuschlag für die derzeit größte zusammenhängende Gewerbefläche Hamburgs bekommt. Die Deutsche Post überzeugte mit einem auch architektonisch ansprechenden Konzept und einer Arbeitsplatzzusage, die die in der Ausschreibung geforderten 1200 sogar noch übertraf. Dazu wird eine kleine „DHL-Stadt“ errichtet, wie Roder sagt: „Hier sollen künftig unter anderem 50 000 Pakete verteilt werden – pro Stunde.“ Trotzdem soll der DHL-Park auch ökologische Anforderungen erfüllen: großflächige Dachbegrünung, Solaranlagen auf den Dächern und energiesparende Bauweise. So wird aus Neuland Posthausen . . .


Bis zu acht Meter Torf
Zurzeit wird die Fläche vorbereitet. Eine komplexe Aufgabe, denn im Untergrund ist eine bis zu acht Meter mächtige Torfschicht verborgen. Roder: „Das kann man sich am besten wie einen riesigen Schwamm vorstellen. Die Schicht hat sich mit Wasser vollgesogen – bevor wir hier bauen können, muss das Wasser quasi herausgedrückt werden.“ Das geschieht, indem in mehreren Abschnitten eine bis zu fünf Meter hohe Sandschicht aufgebracht wird. Hundertausende Tonnen Sand lagern auf dem Torf und drücken das Wasser über Vertikal- und Horizontaldräns in die dafür vorgesehenen Brunnenschächte. Von dort wird es in die Auffangbecken entlang der A1 am Autobahnzubringer Harburg gepumpt, gereinigt und dosiert in die Vorflut abgegeben.
Das Generalunternehmen Bodo Freimuth hat sieben Sandlieferanten im Einsatz. Jeden Tag kommen 100 Lastwagen und kippen den Sand auf die Fläche. Schicht um Schicht (insgesamt etwa 30 Zentimeter) wird der Sand von Raupen und Radladern verteilt und anschließend verdichtet. Im der Autobahn am nächsten gelegenen Baufeld drei sind die erforderlichen fünf Meter bereits erreicht. Sobald die Setzungsbewegung nachlässt, wird die obere Schicht wieder abgetragen und auf die nächsten Baufelder gebracht. Am Ende soll die „Sandplatte“ gut einen Meter tief im Boden eingesunken sein und noch einmal genauso hoch herausschauen. Die Stadt investiert in dieses Projekt einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag.
Überall auf der Fläche ragen Messpegel aus dem Sand. Roder: „Wir merken jetzt, dass die Setzung schneller voranschreitet als gedacht. Allerdings ist sie auch ungleichmäßig – vermutlich, weil die Torfschicht auch unterschiedlich stark ist. Das heißt: In einigen Bereichen werden wir weniger Sand benötigen, in anderen mehr. Eigentlich sollten rund 240 000 Kubikmeter Sand wieder abgefahren werden. Aber es kann sogar sein, dass wir nichts mehr abfahren müssen.“ Insgesamt werden für die Erschließung des Gewerbegebiets 1,3 Millionen Kubikmeter Boden bewegt. Das entspräche der Ladung von etwa 93 000 Sattelkippern.

„Wir sind im Zeitplan“
Kompliziert ist auch die Entwässerung. Der Rand der Sandfläche wird abgedichtet und bildet eine ringförmige Wanne, um Niederschlagswasser im Sandkörper zurückhalten zu können. Rund um die Fläche wird ein Ring aus sogenannten Rigolen gebaut – das sind mit Vlies umhüllte großvolumige Kiesschüttungen, in deren Zwischenräumen sich Oberflächenwasser sammelt, das dann wieder über einen Drainage-Ring zu einem Schacht fließt und von dort gedrosselt in die Wettern abgegeben wird. Roder: „Wir gewährleisten so mit 0,6 Liter pro Sekunde und Hektar einen sehr geringen Abfluss aus der Fläche.“ Selbst Sommer wie der diesjährige machen ihm nicht zu schaffen. Trotz Dauerregens bleibt die verdichtete Sandfläche befahrbar, sodass die Arbeiten nicht ins Stocken gerieten: „Wir sind im Zeitplan“, sagt der Bauingenieur. Der feuchte Sommer habe die angewendeten Maßnahmen zur Vermeidung von Staubemission, um Beeinträchtigungen auf der A1 durch Flugsand zu unterbinden.

Das „HUB+ Neuland“ ist zugleich ein 
Modellprojekt für die neue Struktur der HWF (siehe auch B&P-Interview Seite 3), die jetzt als Hamburg Invest (HI) alles unter einem Dach vereint. Ulrich Roder ist Teil des Teams, das dafür sorgt, dass die Hansestadt ansiedlungs- und expansionswilligen Unternehmen Flächenlösungen aus einer Hand anbieten kann. Er sagt: „Diese Fläche in Neuland ist natürlich das Sahnestück in Hamburg.“ Andere Gewerbegebietsentwicklungen scheiterten zum Beispiel zunächst am Vorkommen der 
Tellerschnecke – so geschehen in Bergedorf. Doch auch in Neuland waren Biologen im Einsatz, um Amphibien, seltene Fische wie den Schlammpeitzger (in manchen Regionen auch „Furzgrundel“ genannt) sowie bedrohte Pflanzenarten umzusiedeln. Nach dem 1. Spatenstich im September letzten Jahres kam der Sand. Viel Sand . . .