Quadratmeter reicht nicht mehr

Christoph BirkelChristoph Birkel ist Geschäftsführer des hit-Technopark in Harburg. Sein Motto: „hit goes green“. Nachhaltigkeit, Klimaschutz, Energieeinsparungen – das sind die Themen, die heute auch bei potenziellen Kunden eine zunehmende Rolle bei der Standortwahl spielen.

Schon heute bestimmen spannende Orte und Emotionen das Vermietungsgeschäft.

hit-Technopark: Geschäftsführer Christoph Birkel über den Erfolg von heute und die Mietergene­ration von morgen.

In den zurückliegenden sieben Jahren hat der hit-Technopark in Harburg die vermietbare Fläche von 10 000 auf 30 000 Quadratmeter erweitert – und ist trotzdem fast immer zu 100 Prozent belegt. Dass Hamburg als Standort Defizite im Bereich von Gewerbeparks hat, ist bekannt, aber daran allein kann es kaum liegen. Geschäftsführer Christoph Birkel auf die Frage nach den Gründen für den Erfolg: „Wir haben mit diesem Standort natürlich wirklich Glück gehabt. Hinzu kommt, dass sich Hamburg extrem gut entwickelt hat. Wir sind gemeinsam mit der Hansestadt gewachsen – und das in einem Umfeld, das einfach passt. Ein gutes Konzept am falschen Standort würde nicht funktionieren.“ Zweifellos eine hanseatische Antwort. Doch es gibt weitere Gründe: Das hit-Konzept ist erfolgreich, weil sich ein elfköpfiges Team um die Mieter am Tempowerkring kümmert. Birkel: „Zu unserem Service gehört es, sieben Tage in der Woche ansprechbar zu sein. Dazu braucht es ein Team, das dies mitträgt. So ein Team haben wir. Service im hit-Technopark heißt Kümmern, Kümmern, Kümmern!“


Technologische Entwicklung

Und es gibt einen zweiten wichtigen Bereich: „Bei der technologischen Entwicklung unseres Parks hatten wir immer die Nase vorn“, sagt Birkel. „Der hit-Technopark wurde frühzeitig mit Wärmepumpen ausgestattet – und war mit dieser Technologie damals der größte Komplex in ganz Norddeutschland. Wir hatten die erste IP-fähige Telefon-anlage. Und jetzt investieren wir weiter in unsere Blockheizkraftwerke. Ziel ist es, dass ich die gesamte Anlage von meinem PC aus steuern kann. Es gibt nicht viele Nutzer, die sich so weit auf dieses Thema einlassen. Wir haben auf LED-Beleuchtung umgerüstet und beschäftigen ein Mal pro Woche einen Fachingenieur, der sich alle technischen Anlagen genau anschaut und die Einstellungen optimiert. Eines können Sie jedoch nicht automatisieren: Service. Das ist ein Thema von Person zu Person. Das persönliche Gespräch ist ganz wichtig.“

Auch das Nachhaltigkeitskonzept des Technoparks ist mit den Jahren gewachsen. Für 2016 und 2017 plant Birkel Investitionen von jeweils etwa einer Million Euro. Ziel ist es, den gesamten Park auf Blockheizkraftwerkstechnik umzustellen. Trotz dieser Kosten soll das gute Preis-Leistungs-Verhältnis für die Mieter bestehen bleiben.

Blick in die Zukunft

Bei allem Faible für Umweltthemen (hit goes green) und neue Technologien, eines treibt Birkel derzeit ebenfalls um: „Wir müssen uns darüber Gedanken machen, wie sich das Immobiliengeschäft im Bereich der gewerblichen Vermietung künftig entwickeln wird. Ich bin sicher: Die kommende Generation der Mieter wird nicht mehr über den Makler kommen oder auf Internet-Portalen nach geeigneten Räumen suchen. Es reicht nicht mehr aus, Raum anzubieten, wir brauchen Inhalte.“ Kurz: Im fast nüchternen Vermietungsgeschäft ändern sich die Parameter. Gefragt sind nicht mehr reine Quadratmeter zum Preis X, sondern spannende Orte und Emotionen, bestenfalls noch Synergie-Effekte durch interessante Nachbarn vor Ort.

Wie wird kommuniziert?

Birkel: „Wie die Jugend heute kommuniziert, ist mir im Grunde völlig fremd. Ich weiß nur: Das wird die Art der Kommunikation sein, die die künftige Mietergeneration mitbringt. Also müssen wir uns damit beschäftigen und diese Kommunikationswege kennenlernen. Dabei werden die digitalen Medien eine entscheidende Rolle spielen.“ Allerdings eine Rolle, die einem ständigen Veränderungsprozess unterworfen ist. Wer sich heute an Facebook herantastet, wird die nächste Generation dort womöglich gar nicht mehr antreffen.

Auch als Standort selbst ist es relativ schwierig, sich interessant darzustellen. Ein Grund: Der lokale Vernetzungsbedarf vieler Unternehmen ist häufig schwach ausgeprägt – vor allem wenn die Kunden international oder auch nur deutschlandweit zu finden sind. Die Globalisierung steht dabei in krassem Gegensatz zum Ansatz, Spannung durch interessante und vernetzte Firmen-Cluster, also eine lebendige und kommunikative Business-Szene vor Ort, zu erzeugen. Birkel: „Das ist ein schwieriges Thema, da die meisten Menschen in ihren Jobs unheimlich stark eingebunden sind. Energie für gemeinsame Aktionen oder gemeinschaftsstiftende Treffen bleibt da häufig nur wenig.“ Eine Erfahrung, die auch in anderen Business-Zentren gemacht wird. wb