Kurz vor dem „Schuppenfest“: Der „goldfisch“ ist fast fertig

oto: Wolfgang BeckerSchuppen-Test bestanden: „goldfisch“-Projektleiter Christoph Müller steht auf dem Gerüst und zeigt auf die Musterfläche des Fassadenbauers. Insgesamt werden 4000 Schindeln verbaut, die dem Gebäude einen goldenen Glanz verleihen. Foto: Wolfgang Becker

Hamburgs erstes „goldenes“ Gebäude steht im Harburger Binnenhafen

Der Name „goldfisch“ für ein Gebäude mit goldglänzender Fassade liegt zwar nahe, ist aber auch relativ ungewöhnlich. Für Arne Weber, Channel-Begründer, Bauunternehmer und Inhaber von HC Hagemann, war es dennoch überraschend, wie schnell sich so ein Arbeitstitel in den Köpfen festsetzt. Nun ist der „goldfisch“ an der Blohmstraße im channel hamburg gesetzt – und so wundert es auch niemanden, dass Mitte April anstelle des Richtfestes ein „Schuppenfest“ stattfindet. Mit dem Objekt bekommt Hamburg das erste Gebäude komplett in goldenem Glanz.

Ein Goldstück: So soll das Gebäude im Mai zur Eröffnung aussehen.

Ein Goldstück: So soll das Gebäude im Mai zur Eröffnung aussehen.

Weber: „Ursprünglich sollten nur das Portal und die Front zum Kaufhauskanal mit den goldglänzenden Schuppen belegt werden. Doch der Entwurf fand so großen Anklang, dass vorgeschlagen wurde, das Gebäude komplett in Gold zu errichten. Dem Vernehmen nach sprach Hamburgs Oberbaudirektor Jörn Walter ein gewichtiges Wort mit. Er ist ein Verfechter moderner Architektur und Querdenker, wenn es gilt, Kontraste zu schaffen.

Bauherr Arne Weber war sich wohl bewusst, dass so ein Entwurf von manchem Zeitgenossen auch als zu kühn empfunden werden könnte, aber er sagt: „Wir schaffen hier einen maximalen Spannungsbogen. Einen Riesenkontrast zu den Nachbargebäuden. Aber ganz sicher: Die Leute werden stehen bleiben und schauen.“

In der Tat könnte der Kontrast größer kaum sein. Direkt nebenan steht Harburgs ältestes noch vorhandenes Kaufhaus aus dem Jahr 1826, das in diesem Jahr als KulturSpeicher eröffnet wird. Auch die gegenüberliegende Zentrale von HC Hagemann in der Alten Schmirgelfabrik steht historisch für ein Kapitel der Harburger Industriegeschichte. Zwischen beiden Gebäuden erstreckt sich jetzt der „goldfisch“, ein mit 4000 Kupfer-Schindeln verkleidetes Haus.

Um gleich vorzubeugen: Bei den Metallschuppen handelt es sich weder um Gold noch um Kupfer, sondern um eine Aluminium-Kupfer-Zink-Legierung, die in einem finnischen Aurubis-Werk für Buntmetall hergestellt wurde. Das goldglänzende Blech von der Rolle wurde vom Fassadenbauer geschnitten und gekantet, sodass Schindeln vom Format 55 mal 55 Zentimeter entstanden. Insgesamt beträgt die Fassadenfläche 1000 Quadratmeter. Zum „Schuppenfest“ im April sollen die Gäste durch das glänzende Portal in das großzügige zweistockwerkhohe Foyer gehen.

Insgesamt hat das Gebäude vier Etagen und ist mit innovativer Technik ausgestattet. Beheizt wird über eine Gasbrennwerttherme. Eine Photovoltaik-Anlage auf dem Dach sorgt für Strom, mit dem die Kühlung betrieben wird. In den Räumen strahlen Deckenelemente je nach Bedarf Wärme oder Kälte aus. Gesteuert wird mit moderner und flexibler BUS-Technik – statt vieler Einzelschalter gibt es übersichtliche BUS-Taster. Weber: „Das ist ein hocheffizientes System.“ Auch architektonisch ist der Bau besonders: Pro Etage (700 Quadratmeter) gibt es nur acht Stützen, wobei im Raster von 1,25 m beliebig Zwischenwände eingezogen werden können. In der Folge erscheint der ganze Bau stützenfrei. Die Höhe der Räume beträgt 3,20 Meter. Bruttogeschossfläche insgesamt: etwa 3000 Quadratmeter plus 800 Quadratmeter Parkfläche im Parkgeschoss.

Obwohl der Rohbau längst fertig war, wollte Weber mit einem Richtfest warten, bis Teile der Fassade sichtbar werden, die ja ein markanter Bestandteil des Gebäudes ist. Das „Schuppenfest“ liegt somit auf halber Strecke zur Eröffnung. Bereits im Mai soll der Bau fertig sein. wb

Web: www.hchagemann.de