Die Entzerrung der touristischen Trampelpfade

Warum nicht mit einer Stimme werben? Diese Karte zeigt die wichtigen touristischen Ziele in Hamburg und im Umland.

Citymanagement definiert eine neue Rolle für Harburg – Hamburg Marketing lenkt den Blick auf die Bezirke

Tourismus in Hamburg? Da fallen dem Fan der Hansestadt gleich mehrere Gründe für einen Tages­tripp oder einen Wochenend-Ausflug ein: der Hafen, die Musicals, die Reeperbahn, die Elbphilharmonie, die typische Stadtsilhouette mit ihren fünf Hauptkirchen, die Museen, die Parks, die Speicherstadt, der Fischmarkt, das Rathaus und die Hafen-City. Diese Liste ließe sich beliebig verlängern, denn Hamburg, die Metropole im Norden, ist ein touristisches Topziel und leidet mittlerweile unter den begrenzten Hotelkapazitäten (13,8 Millionen Übernachtungen in 2017). Die Aufzählung zeigt: Alle genannten Ziele liegen konzentriert in der Innenstadt. Tatsächlich hat Hamburg jedoch viel mehr zu bieten, und deshalb lenkt die Hamburg Tourismus GmbH den Blick jetzt verstärkt auf die Bezirke. Harburg nimmt dabei eine besondere Rolle ein und sieht sich als „Tor zu Hamburg“ und Scharnier zum attraktiven südlichen Umland. Dank der Aktivitäten des Citymanagements gilt Harburg mittlerweile auch nördlich der Elbe als Vorzeigebeispiel, wie Citymanagerin Melanie-Gitte Lansmann sagt.

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Sie sagt: „Der Hamburg-Tourismus ist vielschichtig. Aktuell geht es um eine Entzerrung der touristischen Trampelpfade – raus aus der City, rein in die Randbezirke wie Harburg und Bergedorf. Das ist die neue Devise bei Hamburg Marketing.“ Der Strategiewechsel macht vor allem aus einem Grund Sinn: An den Rändern der Stadt sind noch Hotellagen zu finden. So wundert es nicht, dass die neue Hotel-Planung von Channel-Begründer und Investor Arne Weber auf der Expo Real in München aufmerksam zur Kenntnis genommen wurde. Auf dem Hamburg-Stand der größten europäischen Immobilienmesse ging es schwerpunktmäßig um den Hamburger Hotelplan (siehe auch Seite 38).

Der Strategiewechsel

Mitte Oktober fand der Hamburger Tourismus-Tag statt. Auch hier rückte Harburg in den Fokus, wie Melanie-Gitte Lansmann sagt: „Plötzlich ist Harburg ein Best-practice-Beispiel. Wir verfolgen das Tourismusthema hier bereits intensiv, denn wir glauben, dass Harburg eine verbindende Funktion hat – für Gäste, die aus dem Süden kommen und Hamburg erkunden wollen ebenso wie für Hamburger, die das südliche Umland mit seinen vielen Zielen besuchen wollen.“ Kurz: Stadt trifft Natur. Auf diese schlichte Formel ließe sich das Konzept bringen.

Die Citymanagerin hat mittlerweile Kontakte zu den vier Hauptregionen im niedersächsischen Nachbarterrain aufgebaut: Regionalpark Rosengarten, Lüneburger Heide, Altes Land und Flusslandschaft Elbe. Sie sagt: „Wir arbeiten zusammen, tauschen Info-Material aus und halten uns auf dem Laufenden.“ Zudem hat sie registriert, dass das südliche Umland durchaus auch ein Interesse daran hat, dass in Harburg neue Hotels entstehen: „Es gibt immer weniger Landhotels. Neue Investoren zieht es eher in die Städte. In den Gesprächen wurde deutlich, dass die Tourismusakteure im Umland geradezu dankbar sind, wenn Harburg Bettenkapazitäten aufbaut.“

Kontakte zum Umland

Das hieße: Hotelpläne, wie sie derzeit von Weber und auch dem Projektentwickler Frank Lorenz vorangetrieben werden, könnten in beide Richtungen Wirkung entfachen – in die Hansestadt hinein, aber eben auch in die vier genannten angrenzenden Tourismusregionen hinein. Harburg liegt strategisch günstig und kann sich als Stadtgebiet durchaus leistungsfähige Hochbauten im Hotelsektor leisten. Ein 600-Betten-Hotel in Buchholz wäre dagegen vermutlich ein Projekt, das den örtlichen Kommunalpolitikern mit Hang zur Heide die Schweißperlen auf die Stirn treiben würde. Schnucken im Schatten, das ginge gar nicht. Die Harburger Citymanagerin: „Wir kümmern uns und knüpfen Kontakte auch außerhalb der Stadt.“ Auf dem Hamburger Tourismustag wurde das Konzept von Amsterdam vorgestellt. Dies könnte auch ein Vorbild für Hamburg sein könnte: „Die Welt ist klein, und im Tourismus interessieren die Grenzen nicht.

Amsterdam – ein Vorbild?

Die Holländer haben einfach einen 50-Kilometer-Radius um Amsterdam gezogen und werben beispielsweise mit Amsterdam Beaches. Mal ehrlich: Amsterdam als Stadt hat eigentlich gar keinen Strand. Der ist 30 Kilometer weit draußen in Zandvoort, aber was sind schon 30 Kilometer . . .“

Die Frage dahinter: Könnte Timmendorf davon profitieren, im weltweiten Tourismus-Marketing unter Hamburg Beaches geführt zu werden? In Schleswig-Holstein und speziell Lübeck würde ein solches Ansinnen vermutlich als Affront und Angriff auf die Länderhoheit angesehen werden – tatsächlich aber interessieren sich Touristen für derlei Befindlichkeiten nicht. Und so wird ein Harburger Denkansatz plötzlich zu einem Thema der Metropolregion. Aus Sicht von Melanie-Gitte Lansmann hat der erweiterte Tourismus-Horizont Charme: „Das läge Harburg plötzlich nicht mehr am Rande Hamburgs, sondern mitten in der Tourismusregion.“ Und sie betont noch einmal: „Harburg ist kein ferner Planet, sondern das Tor zu Hamburg. Und Hamburg ist das Tor zur Welt.“ wb

Web: www.citymanagement-harburg.de