Ein Mann der Zahlen

Als „Lieblingsauto“ hat sich Lorenz Leuchtenberger den BMW Z4 ausgesucht, ein schickes Cabrio mit weißen Ledersitzen. Tatsächlich fährt er ständig auch andere Modelle: „Wir haben permanent 80 Autos zugelassen – am Ende des Tages ist es mir nur wichtig, dass ich irgendwie nach Hause komme.“ Er ist vor neun Monaten erstmals Vater geworden und hat sich mit seiner Familie in Fredenbeck niedergelassen. Foto: Wolfgang Becker

STADAC-Porträts Teil 4: Lorenz Leuchtenberger ist der „Finanzminister“ in der Geschäftsführung des Autohauses

100Jahre – das ist schon etwas Besonderes. Diese Zahl erdet mich manchmal“, sagt Lorenz Leuchtenberger, mit 36 Jahren der jüngste der vier Geschäftsführer. Als Betriebswirt mit dem Schwerpunkt Automobilwirtschaft verantwortet er die Finanzen und den Einkauf bei Stadac. „Das ist zwar mein Bereich, aber wir schauen natürlich alle auf die Zahlen und treffen auch Entscheidungen gemeinsam“, sagt er im Gespräch mit B&P. Dabei spricht er ein besonderes Thema an: Wie ist es eigentlich, wenn drei Brüder in die Fußstapfen eines Vaters treten, der ja als Senior auch noch mit an Bord ist?

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Lorenz Leuchtenberger sagt dazu: „Es ist keineswegs selbstverständlich, dass so eine Konstellation funktioniert. Aber zum einen verstehen wir uns gut, und zum anderen hat tatsächlich jeder den Platz gefunden, der ihm am meisten liegt.“ Sein Büro hat er in Stade an der Altländer Straße, ist aber – wie seine Brüder auch – regelmäßig in den anderen vier Standorten anzutreffen.

Blick von drei Seiten

Nach dem Abi arbeitete Lorenz Leuchtenberger zunächst ein Jahr lang als Rettungssanitäter, eine intensive Zeit, die ihn positiv geprägt habe, wie er sagt. Nach einem BWL-Abstecher an der Uni Hamburg bewarb er sich schließlich an der Fachhochschule für Automobilwirtschaft in Geislingen, musste aber vor dem Start seine „Studierfähigkeit“ unter Beweis stellen, wie er erzählt. „Von 500 Bewerbern wurden 40 genommen – ich war dabei. Ein sehr praxisorientierter Studiengang, zu dem auch ein Praktikumssemester gehört. Das habe ich am Institut für Automobilwirtschaft bei Prof. Willi Diez absolviert und in dieser Zeit das empirische Arbeiten mit Zahlen gelernt. Das kommt mir heute oft zugute.“ Leuchtenberger machte damals sogar Studien für die weltweit tätige Prüfgesellschaft Dekra. Sein zweiter Schwerpunkt ist die Wirtschaftsprüfung.

Kurz: Mit Lorenz Leuchtenberger sitzt ein Mann der Zahlen an der richtigen Stelle. Er schaut auch auf das Vertragswesen und das Thema Personal. Und sagt: „In unserer Konstellation gibt es immer den Blick von drei Seiten. Natürlich sind wir nicht immer einer Meinung, aber dann diskutieren wir und kommen zu einer Lösung. Das geht, weil wir Brüder großes Vertrauen zueinander haben. Am Ende geht es ja nicht nur um uns. Wir haben an unseren fünf Standorten insgesamt 220 Mitarbeiter. Da hängen oft ganze Familien dran. Auch das ist Teil der unternehmerischen Verantwortung und spielt bei unseren Entscheidungen eine wichtige Rolle. Ohne gute Mitarbeiter wäre der Betrieb in diesem Rahmen gar nicht denkbar.“

Finanzverantwortung – das klingt nach Zahlen, Zahlen, Zahlen. Lorenz Leuchtenberger bringt das Thema auf diese Formel: „Die Kernfrage ist doch: Verdienen wir Geld mit dem, was wir tun?“ Er sorgt dafür, dass die Antwort quasi auf Knopfdruck gegeben werden kann – auch wenn es gerade im Finanzbereich eigentlich fast nie einen festen Status gibt, weil beispielsweise noch Zahlungen ausstehen oder Zahlungseingänge noch nicht verbucht sind. Dieses Verfahren zu optimieren, sei ein stetiger Prozess.

Speziell im Automobilhandel ist die Situation besonders komplex, wie Lorenz Leuchtenberger sagt: „Eigentlich wollen wir nur Autos verkaufen, warten und reparieren. Aber durch Herstellervorgaben, Boni-Programme, Sonderaktionen und allerlei Fristen ist es eine Herausforderung, stets den Überblick zu behalten und nichts zu verpassen. Deshalb ist es gut, dass wir zu dritt sind und alle tief in unseren Themen stecken. Das ist ein echter Vorteil.“

Seit 2010 ist Lorenz Leuchtenberger im Familienunternehmen aktiv und sagt zurückblickend: „Es ist kein Tag wie der andere. Immer gibt es neue Herausforderungen, immer müssen wir neue Lösungen finden. Das macht die Aufgabe für mich so interessant.“ wb

STADAC steht für Stader Automobil Center und markiert einen Namens­wechsel in der 100-jährigen Geschichte der Familie Leuchtenberger. 1919, nur ein Jahr nach dem Ersten Weltkrieg, widmete sich der Flugzeugbauer Ernst Leuchtenberger dem Fahrzeugbau und gründete unter seinem Namen den Automobilbetrieb. Ernst übergab die Firma an seinen Sohn Walter, der wiederum seine Söhne Rolf und Werner mit ins Geschäft nahm. 1979 trennten sich die geschäftlichen Wege der Brüder, und Werner Leuchtenberger gründete in Stade das Unternehmen STADAC, das heute mit Standorten in Stade (1979), Buxtehude (1983), Buchholz (1986), Norderstedt (2004) und Ahrensburg (2008) vertreten ist. Die STADAC hat inzwischen 220 Mitarbeiter, macht etwa 95 Million Euro Jahresumsatz und vertritt die Marken BMW und MINI mit den Untermarken BMW M und BMWi und BMW Classic. Bis heute steht STADAC auch für die Familien­tradition: In der Geschäftsführung ist der Gründer Werner Leuchtenberger mit seinen Söhnen Philip, Martin und Lorenz. Alle sechs Leuchtenberger der STADAC-Linie sind im Jubiläums-Logo abgebildet. B&P hat im Laufe dieses Jahres jeweils einen der vier derzeitigen Geschäftsführer vorgestellt. Es fehlt noch: Lorenz Leuchtenberger. Er verantwortet vor allem den Bereich Finanzen und Einkauf.

Web: https://www.stadac.de/