„Europa muss politischer werden“

Das offizielle Foto: AGA-Hauptgeschäftsführer Volker Tschirch (von links), Hamburgs Bürgermeister Dr. Peter Tschentscher, Bundesfinanzminister Olaf Scholz und AGA-Präsident Dr. Hans Fabian Kruse vor dem Senatsgehege. Foto: AGA Unternehmensverband/Krafft Angerer

AGA Unternehmensverband lädt zum 30. EuropaAbend: Senatsempfang im Rathaus – Vizekanzler Olaf Scholz über den derzeitigen Zustand der Staatengemeinschaft

Mehr Ehre geht in Hamburg kaum: Aus Anlass des 30. EuropaAbends, den der AGA Unternehmensverband traditionell ausgerichtet hat, hat Hamburgs Erster Bürgermeister, Dr. Peter Tschentscher, einen Senatsempfang im großen Festsaal und den umliegenden repräsentativen Räumen veranstaltet. Rund 600 Gäste waren ins Hamburger Rathaus gekommen, um mit dem AGA zu feiern und vor allem dem ehemaligen Hausherr zuzuhören: Vizekanzler und Bundesfinanzminister Olaf Scholz breitete in seinem „ehemaligen Wohnzimmer“ seine Sicht auf Europa aus. Seine wichtigste Aussage: „Europa muss politischer werden.“

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In seiner Begrüßungsrede betonte Tschentscher die enorme Bedeutung, die Europa für den Standort Hamburg habe. Nur gemeinsam seien die europäischen Länder in der Lage, sich im globalen Wettbewerb eine Stimme zu verschaffen. Während die USA markgetrieben agierten, seien die Chinesen staatsgetrieben unterwegs. Die EU müsse da ihren eigenen Weg finden. AGA-Präsident Dr. Hans Fabian Kruse erinnerte an den Startschuss für den ersten EuropaAbend – das sei im Oktober 1989 mit dem Fall der Mauer gewesen. Kruse: „Damals beschlossen unsere Vorgänger im AGA, den europäischen Gedanken zu stützen und ihm ein Forum zu geben. Das machen wir bis heute. Europa ist die Zukunft Deutschlands.“ Und: „Ein Krieg in Europa ist heute undenkbar. Wir haben seit 70 Jahren Frieden – was für ein Geschenk.“ Kruse kündigte den Festredner Olaf Scholz mit den Worten an: „Herzlich willkommen in Ihrem ehemaligen Wohnzimmer.“

Scholz reihte sich bereits zum zweiten Mal in die Riege der prominenten Europäer ein, die in 30 Jahren beim EuropaAbend des AGA aufgetreten sind: „Das erste Mal war 2011 – damals steckten wir gerade in der Euro-
Krise. Heute haben wir diese Krisen weitgehend überwunden und schauen auf eine stabile Wirtschaftsentwicklung.“ Er bezeichnete Europa als das wichtigste Anliegen der 500 Millionen Europäer, denn nur so könnten sie China und den USA auf Augenhöhe begegnen. Die Freizügigkeit und der Binnenmarkt hätten zu einer engen wirtschaftlichen Verflechtung geführt. Scholz: „Gemeinsam erreichen wir wesentlich mehr als jeder einzelne Staat für sich. Trotzdem gibt es Kräfte, die diese Entwicklung zurückdrehen wollen.“

Und weiter: „Europa ist nicht nur ein Binnenmarkt – wir müssen politischer werden. Dabei geht es um Fragen der inneren und äußeren Sicherheit, des Klimaschutzes und der Migration, die Auswirkungen von Globalisierung und Digitalisierung und das internationale Steuerrecht. Deutschland ist dabei in einer zentralen Position, nicht nur wegen der geografischen Lage in der Mitte, sondern auch wegen seiner 80 Millionen Einwohner und seiner Wirtschaftskraft. Wir tragen eine besondere Verantwortung dafür, dass Europa gelingt.“

Stabile Wirtschaftsentwicklung

Den Brexit kommentierte Scholz so: „Ich bedauere das außerordentlich, aber wenn es schon einen Brexit geben soll, dann bitte geordnet.“ Das Ausscheren der Briten aus der EU habe aber auch einen positiven Effekt: „Wir haben etwas gelernt – Viele haben verstanden, dass man uns Europäer nicht einfach auseinanderreißen kann.“ Kein Wort verlor er über den zerrissenen Zustand der SPD nach dem schlechten Abschneiden bei der Europawahl. Der 30. EuropaAbend war eingebettet in die Rotary World Convention, die in diesem Jahr in Hamburg stattfand. Etwa 100 Teilnehmer der Convention nutzten die Gelegenheit und waren beim EuropaAbend im Rathaus dabei. Für den musikalischen Rahmen sorgte die Hamburger Camerata, die Moderation übernahm Dinah Geißendörfer vom AGA. Der Abend wurde von namhaften Hamburger Unternehmen unterstützt. wb

Web: https://www.aga.de/aktuelles/aktuelles-detail/30-europaabend-mit-olaf-scholz/