Airbus A321LR: Nonstop von Paris nach New York . . .

. . . und das mit dem neuen Mittelstreckenjet A321LR aus der Airbus-Schmiede in Finkenwerder – Erste Auslieferung ist für das vierte Quartal 2018 geplant

Von Wolfgang Stephan

Paris – New York, diese Flugroute war schon Ende Januar beim Erstflug des neuen Jets beispielhaft auf den neuen Flieger lackiert worden, zwei Wochen später war das Vorhaben realisiert: Der Airbus A321LR, D-AVZO, landete nach acht Stunden und 44 Minuten am Valentinstag auf dem New Yorker JFK-Flughafen. Der Flieger war mit einer bestuhlten Testkabine ausgestattet.

Durch den Einbau zusätzlicher Treibstofftanks kann der neue Jet bis zu 7400 Kilometer weit fliegen. Gestartet war er vom Pariser Flughafen Le Bourget. Damit ist ein neues Kapitel in der Geschichte der A320-Familie aufgeschlagen. „Viele sprechen über die Mitte des Markts, wir besetzen sie schon, denn die A321 LR vereint die Effizienz eines Standardrumpfflugzeugs mit den Fähigkeiten einer Langstreckenmaschine“, sagt A320-Programmchef Klaus Röwe. Der Vorteil: Da in der Maschine bis zu 240 Passagiere Platz finden, kann eine höhere Auslastung als in den Langstreckenjets erreicht werden. Die großen A350-Flieger für die Langstrecke beginnen bei Ausstattungen von 288 und reichen bis zu 366 Sitzen. Die A330neo-Flieger beginnen bei 400 Sitzen und beim A380 können zwischen 560 und 840 Passagiere sitzen.

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Eine Option für Hamburg?

Insbesondere für die Billig-Airlines ist die Auslastung ein entscheidendes Argument, denn die Fluggesellschaften werden damit noch flexibler und können auch neue, für die bisherigen A320-Jets bislang nicht zugängliche Langstreckenmärkte erschließen. Und Boeing noch mehr Konkurrenz machen, denn die Amerikaner haben ihre vergleichbare 757 nicht mehr im Angebot. Dies könnte sich auch positiv auf den Hamburg Airport auswirken, denn direkte Verbindungen beispielsweise nach Boston, Chicago oder New York könnten so möglich werden. Ab Hamburg gibt es derzeit nur die Langstrecke nach Dubai.

Jungfernf lug nach Maß

Die erste A321LR war Ende Januar an einem Mittwoch um 11.06 Uhr von Finkenwerder an Stade vorbei Richtung Nordsee gestartet und nach zwei Stunden und 36 Minuten um 13.42 Uhr nach dem Premierenflug über der Nordsee wieder in Finkenwerder gelandet. „Ein wunderbares Flugzeug“, schwärmte der Testpilot Yann Beaufils. „Der Flieger hat super funktioniert, aber das war auch keine Überraschung, denn letztlich ist es eine A321, nur eben ein wenig überarbeitet und verlängert“, sagte Flugversuchsingenieur Frank Hohmeister nach dem erfolgreichen Erstflug. Der Single-Aisle-Jet mit der Seriennummer MSN7877 flog dann in der Flugerprobung, die auch Transatlantikflüge à la Paris-New York umfasst. Das Ziel von Airbus ist die Musterzulassung durch die EASA und FAA im zweiten Quartal 2018. Die neuen A321LR-Flieger werden nach dem üblichen Prozedere in allen Airbus-Werken produziert (die Seitenleitwerke in Stade) und in Finkenwerder sowie im US-Werk in Mobile endmontiert.

Die erste Auslieferung einer A321LR ist für das vierte Quartal 2018 geplant. Insgesamt liegen bereits mehr als 100 Bestellungen vor. Ende des Jahres soll der erste Airbus A321LR an die portugiesische Fluggesellschaft TAP ausgeliefert werden. Auch Norwegian, SAS, Aer Lingus, Jet Blue, Air Transat und Azores Airlines gehören zu den ersten Kunden.