Diese 4 Trends bestimmen die Entwicklung in der Logistik

Von Christof Starke, Leiter der Wirtschaftsförderung im Landkreis Stade

Bei den Stichworten Logistik, Zukunft und Landkreis Stade ist unweigerlich der Ausbau der Autobahnen Gesprächsstoff. Einerseits werden bei der A26 deutliche Fortschritte gemacht, andererseits überlagert das Thema die Qualitäten und Stärken, die in der Logistikbranche im Landkreis vorhanden sind und parallel die Zukunft gestalten. Für ein Verständnis der Logistikbranche ist es wichtig zu wissen, was die Branche und Unternehmen „treibt“ – also welche Herausforderungen und Veränderungen absehbar sind. Der Logistiksektor ist einer der wichtigsten Infrastruktursektoren und koordiniert immer komplexer werdende Wertschöpfungsketten – so steht Logistik angesichts Globalisierung der Wertschöpfung, neuer Produktionskonzepte, der Digitalisierung von Geschäftsprozessen und des starken Wachstums des E-Commerce vor anspruchsvollen Herausforderungen. Vier Trends sind auch im Landkreis Stade spürbar:

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1 .Individualisierung – Schlanke Produktionsweisen und flexible Fertigungsprozesse erfordern eine agile Logistik
Einzelhändler und Hersteller haben ein Interesse, individualisierter produzieren zu können und durch eine geringere Vorratshaltung ihre Kosten zu minimieren. Logistikdienstleister geraten somit unter Druck, mit kleineren, aber häufigeren Lieferungen fahren zu müssen und arbeiten daran, Frachtladungen zu kombinieren, um ihre Kapazitäten auszuschöpfen. So erhalten die Information und die Kommunikation über den Status der Materialzulieferung im Produktionsprozess eine zunehmend wichtige Rolle (Quick Response Manufacturing).

2 .IT-Integration und Transparenz in der Wertschöpfungskette
Darüber hinaus werden Kunden immer anspruchsvoller, wenn es darum geht, Technologien einzusetzen, um ihre Lieferketten zu optimieren und mehr Nutzen aus bestehenden Flotten zu ziehen. Digitalisierung ermöglicht die erforderliche Erhöhung der Transparenz in der Wertschöpfungs- und Lieferkette. Logistikunternehmen entwickeln sich zu Logistikgeneralunternehmen, die neben dem eigenen Fuhrpark im Auftrag ihrer Kunden das Management des Warenflusses durch die gesamte Lieferkette koordinieren (Track and Trace).

3 .„Green Logistics“ und alternative Antriebstechnologien
Ob die Planung am LNG-Terminal, mit dem unter anderem in der Binnenschifffahrt im wahrsten Sinne des Wortes Fahrt aufgenommen wird, oder die Entwicklung zur H2-Region, mit der eine Antriebsalternative im Güterverkehr der Straße geschaffen werden kann: „Green Logistics“ hat eine große Bedeutung für die gesamte Branche und die Reduzierung von Treibhausgas­emissionen im Güterverkehr.

4 .Fachkräftemangel
Ein wesentlicher Faktor, der die Angebotsseite der Gleichung beeinflusst, ist die Verfügbarkeit von Lkw-Fahrern. Personalwirtschaftlich werden Fahrer zunehmend als „gemeinsam genutzte Ressource“ beispielsweise von Lagerhaltung, Logistik, Bauindustrie und Fertigung betrachtet. Sie können in unterschiedlichen Branchen eingesetzt werden, daher konkurrieren diese Branchen um den gemeinsamen Arbeitskräftepool – neben den großen Betrieben sind es eine Vielzahl mittelständischer Unternehmen, für die Transportlogistik von der Seefracht bis zum Stückguttransport lebenswichtig ist.

Der Landkreis Stade nimmt als direkter Nachbar zu Hamburg eine herausragende Position in dieser Logistik-Drehscheibe für Nordeuropa ein. Nicht zuletzt mit dem Hafen Stade, der mit tideunabhängigem Zugang für Seeschiffe den Umschlag und die Lagerung von Massen- und Stückgütern ermöglicht. In der Vielzahl an Einflussfaktoren und Trends wird in der südlichen Metropolregion Hamburgs an Lösungen und Konzepten gearbeitet – das gilt für Airbus, Dow und die Aluminium Oxid Stade GmbH ebenso wie für die Karl Meyer AG, Pape Logistics, die EGV AG und weitere Akteure. Ein besonderes Projekt ist dabei die „Projektkoordination Wasserstoffwirtschaft“: Die regionalen Potenziale der ansässigen Betriebe und geologischer Besonderheiten werden als Keimzellen genutzt, um konkrete Projektansätze für eine Wasserstoffwirtschaft zu entwickeln. Federführend durch das Transferzentrum Elbe-Weser im Auftrag des Amts für Regionale Landesentwicklung Lüneburg. Kurz: Der Landkreis Stade hat viel mehr zu bieten als einen Autobahnanschluss – wir können heute schon Zukunft machen.