Der Reiz, fast unmögliche Aufgaben lösen zu wollen

Christian Weber hat eine Lehre auf dem Bau gemacht und das Handwerk von der Pike auf gelernt, wie er sagt. Er ist Bauingenieur und seit gut zehn Jahren im familieneigenen Betrieb. Heute zeichnet er verantwortlich für die HC Hagemann Construction. || Foto: Wolfgang Becker

Christian Weber – Sein Name steht für die vierte HCH-Generation

Seit gut zehn Jahren ist Christian Weber (44) bereits bei HC Hagemann eingebunden – zunächst als Bauleiter, heute als Geschäftsführer und Mitinhaber der HC Hagemann Construction. Bevor er ins Unternehmen seines Vaters einstieg, war er unter anderem fünf Jahre lang in München bei einem österreichischen Baukonzern beschäftigt. Nun steht er inmitten der 150-jährigen Tradition von HCH Hagemann an der Schwelle einer neuen Zeit.

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150 Jahre – da ist der Impuls, intensiv zurückzuschauen, schon recht hoch. Mittlerweile stehen Sie in der Mitverantwortung mit Ihrem Vater an oberster Stelle. Was löst die Zahl bei Ihnen aus?
Ein Bauunternehmen, das seit 150 Jahren von der Familie geführt wird und auf meinen Großvater und Urgroßvater zurückgeht – das ist schon eine Zeitspanne, auf die ich auch mit Stolz blicken kann. Aber die Zeiten lassen kaum Raum für den Blick zurück. Wir müssen immer nach vorne schauen, um uns weiterhin am Markt behaupten zu können.

Was sehen Sie da vorne, was kommt auf HC Hagemann zu?
Auch als traditionelles Bauunternehmen müssen wir uns den Herausforderungen unserer Zeit stellen. Und da ist vor allem die Digitalisierung zu nennen. Die Baubranche insgesamt steht auf den hintersten Plätzen im Ranking der voranschreitenden Digitalisierung in Unternehmen. Da ist also noch Luft nach oben. Bau, das ist je eher so ein erdiges, raues Thema. Tatsächlich müssen sich die Bauunternehmen aber ganz konkret mit der Digitalisierung auseinandersetzen. Stichwort BIM – Building Information Modeling. Damit ist es möglich, nicht nur real ein Gebäude zu bauen, sondern auch einen digitalen Zwilling zu schaffen, der es ermöglicht, jede Menge Daten und Informationen beim digitalen Rundgang abzurufen. Diese Technologie eröffnet ganz neue Möglichkeiten – und ganz nebenbei: Die Stadt Hamburg wird ihre öffentlichen Bauprojekte ab 2020 nur an Unternehmen vergeben, die mit BIM arbeiten.

Das heißt: Der Digitalisierungsdruck ist hoch, wenn Unternehmen auch künftig bei öffentlichen Ausschreibungen mitmachen wollen. Was bedeutet das konkret für HCH?
Wir bauen derzeit unsere BIM-Abteilung weiter aus. Wir haben gerade eine weitere Architektin sowie eine Bauingenieurin eingestellt, die künftig daran arbeiten werden, das dreidimensionale Double von Bauprojekten eben zu erstellen. Das macht mir Freude, vor allem wird die Baubranche dadurch auch wieder für junge Leute interessanter, die bisher meinten, Bauunternehmen hätten nur etwas mit Bagger und Schaufel zu tun. Das Tablet gehört künftig zur Ausstattung des Poliers.

Bagger und Schaufel gehören natürlich auch dazu, aber wer sich die HCH-Projekte anschaut, stößt eher auf Großgerät, auf markante Bauten in der Hansestadt wie die Kattwykbrücke und den Alten Elbtunnel. Dahinter verbergen sich für den Nutzer unsichtbar teils spektakuläre Verfahren und Techniken. Reizen Sie solche Projekte?
HC Hagemann steht in dem Ruf, selbst für fast unmögliche Vorhaben eine Lösung zu finden. Wir haben hier ein Spitzenteam von Spezialisten und Fachleuten. Freude am Tüfteln gehört dazu, aber auch scharfes Kalkulieren. Die Suche nach einer Lösung, das gemeinsame Nachdenken und Arbeiten an einem Problem, das finde ich sehr spannend.

Hat es HCH dadurch leichter, qualifizierte Mitarbeiter zu finden?
Personal ist das ganz große Thema, mit dem wir uns allebefassen. Gerade junge Menschen für den Bau zu interessieren,ist fast unmöglich. Auch wir stehen irgendwann vor der Frage, wer eigentlich nachrückt, wenn die erfahrenen Ingenieure und Projektleiter irgendwann in den Ruhestand gehen. Deshalb tun wir viel für die Nachwuchssuche. Wir sind bei den Berufsmessen präsent und bauen Kontakte zu Startups auf. Aus diesem Grund gibt es auch unsere Tochtergesellschaft, die HC Hagemann ventures. Sie wurde gegründet, um neue und innovative Produkte und Lösungen bei ihrer Entwicklung zu unterstützen. Dabei liegt die hauptsächliche Ausrichtung auf der Bauund Immobilienwirtschaft, doch auch anderen Branchen steht man offen gegenüber. Unseren Mitarbeitern bieten wir unter anderem attraktive Angebote auch in den Bereichen Freizeit und Sport. Unsere Mitarbeiter sind unser wichtigstes Kapital – ohne ihre Leistung wäre HCH niemals 150 Jahre alt geworden.