„Wohnen in Hamburg bleibt teuer“ – Hamburger Volksbank: Frank Oetjen und Daniel Richrath über die aktuelle Entwicklung auf dem Immobilienmarkt

Das Immobilienjahr aus Sicht der Hamburger Volksbank: Makler Daniel Richrath (rechts) und Baufi nanzierer Frank Oetjen berichten. Foto: Wolfgang Becker

Mit mehr als 200 Millionen Euro Neugeschäft im noch nicht ganz abgeschlossenen Jahr 2018 profitiert das Bauträgergeschäft der Hamburger Volksbank weiterhin von der günstigen Zinslage und dem anhaltenden Bauboom in der Hansestadt. Bereits in den Vorjahren konnte Wolfgang Voß, Bereichsleiter Unternehmenskunden, beständig neue Rekorde vermelden. Das gilt auch für 2018 – der Zuwachs beträgt mehr als zehn Prozent und die Nachfrage ist ungebrochen.

Quer durch die Banken- und Sparkassenszene fragen sich die Finanzierer, wie lange diese Entwicklung noch anhalten dürfte. Zwar erwartet niemand, dass die Zinsen in absehbarer Zeit deutliche Sprünge nach oben machen, aber der Markt wird genau beobachtet. „Im vierten Quartal ist das Geschäft etwas verhaltener. Das gilt vor allem für höherpreisige Objekte“, sagt Frank Oetjen, Leiter Baufinanzierung. „Wir merken einfach auch, dass teure Objekte länger brauchen, bis sie verkauft werden.“ Während in Buchholz Quadratmeterpreise um die 4500 Euro für Eigentumswohnungen eine neue Dimension darstellen (siehe auch Seite 9), sind in Hamburg Preise von 7000 bis 7500 Euro durchsetzbar – wenn der Stadtteil „stimmt“. Aber selbst in Barmbek Süd sei unterhalb von 4000 Euro nichts mehr zu haben, bestätigt Daniel Richrath, Prokurist der Hamburger Volksbank Immobilien GmbH. Er ist der Makler innerhalb des Immobilien-Trios der Hamburger Volksbank: Voß, Oetjen, Richrath.

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Trotz aller neuen Rekorde: „Der Markt ist heiß umkämpft“, sagen Oetjen und Richrath unisono. Sie setzen auf kompetente Beratung. Oetjen: „Unser Ziel ist nicht die Preisführerschaft, wir sind nicht das ‚billige Lottchen‘. Gute Beratung und kompetente Begleitung auch von komplizierten Objekten haben ihren Preis.“ Die Rechnung geht offenbar auf, wie die Zahlen belegen.

Nach der Expo ist vor der Expo

Ein wichtiger Termin im Jahr ist vor diesem Hintergrund die Expo Real in München. Auf der größten europäischen Immobilienmesse ist auch die Hamburger Volksbank präsent und absolviert dort einen Termin-Marathon. Richrath: „Das ist wie Speeddating, aber die Messe ist für uns absolut ein Muss. Nirgends bekommen wir so viele Gesprächspartner aus der Immobilienbranche zusammen.“ Mitte November, also etwa fünf Wochen nach dem München-Trip, waren Voß und Richrath in der „Vertiefungsphase“ – da wird aus Expo-Terminen konkretes Geschäft. Was beide bedauern: „Die umliegenden Genossenschaftsbanken sind auf der Expo nicht vertreten. Es dominieren stattdessen die Sparkassen. Für die Volksbanken ist das schade, denn sie lassen Geschäft liegen. Das sind verpasste Chancen.“

Solange sich die Kräne drehen . . .

Wie es 2019 im Immobiliengeschäft weitergeht, wird von vielerlei Faktoren bestimmt. Daniel Richrath: „Solange sich die Kräne über Hamburg drehen, geht es weiter. Und der Markt ist in Bewegung – beispielsweise im Bereich der Zinshäuser und Mehrfamilienhäuser. Hier spielen Preismitnahmen oder auch Erbschaften eine Rolle.“ Und Frank Oetjen sagt: „Wir stellen auch fest, dass sich am Markt zunehmend überzogene Preisvorstellungen für Immobilien festsetzen. Wir bewerten nach wie vor vorsichtig. Solange das Zinsniveau nicht deutlich nach oben ausschlägt, wird sich an der Preisfront jedoch nicht viel ändern. Für Hamburg kann man sagen: Wohnen bleibt teuer.“

Ein Aspekt politischer Art treibt Daniel Richrath um: „Wir verfolgen die politische Diskussion, denn seit 2015 ist im Maklergeschäft bei Vermietungen das Bestellerprinzip eingeführt. Das heißt: Wer den Makler bestellt, zahlt die Courtage. Jetzt wird überlegt, dieses Prinzip auch im Verkaufsfall einzuführen. Oder zumindest eine Provisionsaufteilung vorzuschreiben.“ Historisch haben sich in den einzelnen Bundesländern verschiedene Varianten etabliert. Während in Nordrhein-Westfalen bereits die Aufteilung zwischen Käufer und Verkäufer üblich ist, zahlen beispielsweise in Hamburg und Berlin nur die Käufer. Wie sich die Regelungen im Maklergeschäft weiter entwickeln, ist noch unklar.

Frank Oetjen ist der Mann für die Baufinanzierungen. Er und sein Team verhelfen kaufwilligen Kunden zu dem Hypothekendarlehen, das den Weg zum neuen Haus oder in die neue Wohnung öffnet. Auch er kann mit einem Zehn-Prozent-Plus punkten: „Es sind zwar nach wie vor Billiganbieter auf dem Markt, aber wir sind schnell und verlässlich. Das Neugeschäft im Bereich der privaten Baufinanzierungen liegt 2018 bei 100 Millionen Euro.“

Oetjen ist der Architekt des „SanReMo-Kredits“: Bis zu 100 000 Euro können Eigenheimbesitzer ohne Sicherheiten für Maßnahmen aus dem Bereich Sanieren, Renovieren, Modernisieren bekommen. Sie müssen nicht einmal nachweisen, wofür sie das Geld tatsächlich verwenden. Bankintern führt dies zu einem kostengünstigen Abwicklungsprozess. Oetjen: „Bis Ende September hatten wir mehr als 100 neue Kunden in der Bilanz, die diese Form des Kredits nutzen.“ wb

Eigentum. Mit dem Neubauprojekt „Wellingsbüttel 34“ startet die Hamburger Volksbank Immobilien GmbH Anfang Dezember in die Vertriebsphase. Dort werden 21 Eigentumswohnungen mit zwei bis vier Zimmern angeboten. Der Quadratmeterpreis: ab 5300 Euro.

Web: www.hamburger-volksbank.de und www.hamvoba-immobilien.de