Zehn Jahre alt und immer in Bewegung . . .

Der Elbcampus in Harburg

Nach fast zwei Amtsperioden geht die Präsidentschaft von Josef Katzer so langsam dem Ende entgegen. Während der vergangenen zehn Jahre hat er den Elbcampus in Harburg eng begleitet. Mit Bärbel Wenckstern ist nun eine neue Geschäftsbereichsleiterin angetreten, die Angebote des Bildungszentrums noch stärker auf die Bedürfnisse der Betriebe zuzuschneiden. Foto: Wolfgang Becker

INTERVIEW Handwerkskammer-Präsident Josef Katzer und Geschäftsbereichsleiterin Bärbel Wenckstern über das Kompetenzzentrum des Handwerks

Der Harburger Elbcampus, das Kompetenzzentrum der Handwerkskammer Hamburg, war gerade ein halbes Jahr lang eröffnet, als Josef Katzer das Präsidentenamt von seinem Vorgänger Peter Becker übernahm. Als Vorstandsmitglied hatte er das Projekt jedoch schon von Anfang an begleitet. Jetzt ist der Elbcampus zehn Jahre alt und längst zu einer Institution des Handwerks in der Metropolregion geworden, die über die Grenzen der Hansestadt hinaus Anziehungskraft entwickelt – zum Beispiel bei der Meisterausbildung. Mit Handwerkskammer-Präsident Josef Katzer und der neuen Geschäftsbereichsleiterin Bärbel Wenckstern sprach B&P-Redakteur Wolfgang Becker.

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Wenn Sie die zehn Jahre zurückblicken: Was war die größte Herausforderung bei der Realisierung des Projekts Elbcampus?
Katzer: Der Bau an sich. Wir hatten uns damals dazu entschlossen, mittelstandsfreundlich auszuschreiben, also nicht einen Generalunternehmer zu beauftragen. Darin lag ein Risiko, dass wir in der Höhe nicht richtig eingeschätzt haben. Es ist uns zwar gelungen, den Mittelstand zu beschäftigen, aber wir hatten es dann zum Beispiel mit Konkursen von beauftragten Unternehmen zu tun. Damit entstanden Bauverzögerungen, die wir irgendwie regeln mussten. Wir machten auch den Fehler, den Architekten mit der Bauausführung zu beauftragen. Das sollte man besser trennen. Das haben wir gelernt. Wir mussten auch Abstriche machen, weil die Baukosten aus dem Ruder liefen – und wir wollten auf keinen Fall mehr Geld ausgeben als veranschlagt. Auch das haben wir geschafft.

Das heißt: Die Handwerkskammer musste Lehrgeld bezahlen?
Ja, wir haben Lehrgeld bezahlt. Ganz sicher. Aber das hält sich im Rahmen. So ein Projekt macht man ja auch nicht alle Tage. Ein Plan war auch, das Handwerk modern darzustellen. Das führte zu heftigen Diskussionen im Vorstand. Nennt man die Einrichtung nun wieder Institut? Oder Gewerbeförderanstalt? Es war ein harter Kampf, den Begriff Campus unterzubringen, um Atmosphäre zu schaffen. Microsoft hatte damals gerade das Lernen und Arbeiten revolutioniert. Wir wollten ja genau das erreichen. Und das sollte sich im Namen wiederfinden.

Sind die anfänglichen inhaltlichen Pläne eins zu eins umgesetzt worden? Oder sind mittlerweile Themen aufgekommen, die man so noch gar nicht sehen konnte?
Damals haben wir tatsächlich eins zu eins unsere Pläne umgesetzt, und das war auch richtig so. Aber im Laufe der zehn Jahre hat sich ganz vieles gewandelt. Wir haben heute neue Lehrgänge hinzubekommen, zum Beispiel die Industriemeister oder auch weitere kaufmännische Lehrgänge. Auch der gesamte 3D-Druck, Virtuelles Schweißen, neue Schweißlehrgänge – es ist viel hinzugekommen. Wir sind in einem dauernden Modernisierungs- und Anpassungsprozess. Wir haben ein anderes Controlling, einen anderen Verkauf unserer Produkte. Heute haben wir eine kaufmännische Buchhaltung anstelle der Kameralistik. Ich denke, die größte Aufgabe bestand darin, in der ganzen Kammer und eben auch im Elbcampus ein Kostenbewusstsein zu schaffen.

Wie weit strahlt der Elbcampus über die Stadtgrenzen hinaus? Und mit Blick auf die benachbarten Kammern: Darf er das überhaupt?
Ja, das darf er. Ein Stück weit war das auch so gewollt. Ich denke, auch das Handwerk in Lübeck und Lüneburg partizipiert von dem Ruf des modernen Handwerks, das wir hier mit dieser höchstmoderne Lehrstätte darstellen. Und eine großzügige Ausstattung der Räume ebenfalls. Es gelingt uns mehr und mehr, diese Großzügigkeit auch noch stärker zu nutzen. Heute können wir mit Stolz auf den Elbcampus schauen. Ich denke, das gilt für die ganze Metropolregion.

War der Standort Harburg damals richtig gewählt? Es gab ja durchaus Diskussionen . . .
Rein wirtschaftlich betrachtet, hätten wir vermutlich leichter den Zugang zu Studenten und angehenden Meistern, wenn wir auf der anderen Seite der Elbe wären – man braucht zwar nur dreizehn Minuten mit der S-Bahn vom Hauptbahnhof oder zwölf Minuten mit dem Auto aus der City, wenn alles frei ist, aber in den Köpfen der Menschen ist Harburg witzigerweise immer noch weit. Dennoch: Wir würden diesen Standort wieder so wählen. Die Lage ist gut, die Verkehrsverbindungen sind perfekt Und der Standort ist wichtig für das Zusammenwachsen des Handwerks in der Metropole.

Rechnet sich der Elbcampus eigentlich für sich betrachtet?
Nicht ganz, aber ein bisschen zuzahlen darf das Handwerk auch. Unser Ziel ist es schon, dass sich der Elbcampus wirtschaftlich weiterentwickelt und nach unseren Planungen, sind wir auch auf einem guten Weg. Kein Thema, das uns Kopfschmerzen bereitet.

Welche Rolle spielt der Elbcampus in der Beziehung zu den Innungen?
Er hat wesentlich dazu beigetragen, dass sich die damals manchmal schwierigen Verhältnisse zwischen Kammer und Innungen deutlich verbessert haben. Heute arbeiten wir auf vielen Felder eng und gut zusammen, bieten sogar gemeinsame Lehrgänge an und sind im stetigen Austausch. Dass uns das gelungen ist, darauf bin ich auch ein bisschen stolz.

Wenn wir jetzt einmal in die Zukunft schauen – welche Pläne haben Sie, Frau Wenckstern, das Haus weiter mit Leben zu füllen?
Wenckstern: Der Elbcampus hat in den zurückliegenden Jahren den Dienstleistungsgedanken weiterentwickelt. Wir schauen heute mehr denn je aus der Sicht des Kunden auf unser Angebot. Was braucht das Handwerk, um sich und seine Mitarbeiter weiterzuentwickeln und welche Produkte müssen wir dafür vorhalten. Wir haben eine eigene Vertriebsmannschaft und eine Marketingabteilung, die auch durchaus auf das Klientel im Umland schaut. Das läuft sehr erfolgreich, denn wir haben viele Teilnehmer, die auch aus dem Umland zu uns kommen. Wir sind eng am Markt, haben Kontakt zu den Betrieben. Wir werden, neben der Produktneuentwicklung, noch weiter in die Modularisierung unserer Angebote einsteigen. In Zeiten der Vollbeschäftigung brauchen die Betriebe ihre Mitarbeiter, zugleich aber auch gezielte Qualifizierung. Das können zum Beispiel Teilthemen aus länger angelegten Lehrgängen sein. Wir wollen diese Teilthemen herausschneiden und anbieten – über die Zeit kann der Teilnehmer dann weitere Segmente belegen. Das Vorhaben ist extrem aufwändig zu organisieren, denn es greift in die Lehrstrukturen ein. Jedes Modul muss ja für sich funktionieren. Unser Ziel ist es aber, den Betrieben Mehrwert zu bieten. Zudem bauen wir unsere Management-Akademie und das Thema Digitalisierung aus.