Als wir noch frei waren . . .

Martin Mahn, Geschäftsführer der Tutech Innovation GmbH und der Tutech Hamburg GmbHMartin Mahn, Geschäftsführer der Tutech Innovation GmbH und der Hamburg Innovation GmbH

Ach, war das schön, als wir noch klein waren. Freier Flug der Fantasie, die Welt konnte nicht groß genug sein, immer auf Abenteuer aus – und alles Verbotene hatte erst Recht einen besonderen Reiz.

Und heute? Viel Recht und wenig (An-)Reiz. Alles ordentlich geregelt und reguliert. Gebote und Verbote an jeder Ecke und nicht nur im Straßenverkehr. Auch gerne Fürsorgepflicht genannt. Tatsächlich aber ist das ein Korsett, das den mündigen Bürger an vielen Stellen kneift und das jegliche Kreativität, jegliches Ausprobieren schon im Keim erstickt. Eine Regulierungswut, die uns zudem extrem langsam werden lässt. Alles wird so lange durchgeprüft, bis eine Umsetzung entweder zu teuer oder schon wieder obsolet ist.

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Dass andere viel schneller sind als wir, erleben wir im globalen Wettbewerb inzwischen regelmäßig. Irgendein Großunternehmer – ich glaube Jack Welch war’s – sagte mal: „Don‘t talk – execute“. Ich glaube, da ist was dran. Kombiniert mit unserem Streben nach Perfektion bekommen wir unsere Erfindungen und Entwicklungen einfach nicht mehr auf die Straße. Und schaffen es zu selten, daraus Innovationen zu machen.
Selbst bei so einfachen Dingen wie den E-Scootern – merke: ein Tretroller mit Elektroantrieb – brauchen wir Jahre für eine Straßenverkehrszulassung. Die auch aus Hamburg stammenden Kleinfahrzeuge sind inzwischen in vielen Nachbarländern zugelassen, aber immer noch nicht bei uns.

Und bei großen Themen sind wir auch richtig groß im Regulieren. Datenschutz? Ja, notwendig. Nur paradox: In der Firma bitte die umfassende Datenschutzgrundverordnung DSGVO beachten – aber nach Dienstschluss die intimsten Daten über Instagram & Co ins Web laden. Urheberrechtsdebatte? Ist richtig. Aber doch bitte mit Sachverstand und nicht mit indirekter Zwangszensur. Das Augenmaß ist uns verloren gegangen. Und leider nicht nur das. An welcher Stelle auf unserem Weg
des Älterwerdens haben wir Neugier, Risiko und Tatendrang gegen Angst, Kontrolle und Gemütlichkeit eingetauscht? Ich weiß es nicht. Nur ein rudimentärer Teil davon ist noch zu finden: Im Auto, in unserem persönlichen Mikrokosmos, da leben wir unsere Kindheit offenbar noch aus. Und stellen alle Regeln in Frage. Warum nicht auch woanders?