Der (Wasser-)Stoff, aus dem die Träume sind

Martin Mahn, Geschäftsführer der Tutech Innovation GmbH und der Hamburg Innovation GmbH, sagt in B&P seine Meinung - pointiert und mit Hintersinn . . .

Von Martin Mahn, Geschäftsführer
der Tutech Innovation GmbH und der
Hamburg Innovation GmbH

Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt. Und so träumen wir weiter von einem normalen Leben in einer postcoronalen Zeit. Träumen tut auch die Stadt Hamburg. Natürlich auch vom vorgenannten, aber auch von einer postfossilen Zeit. Energieträgermäßig gemeint. Und das ist gut so. Denn bei all dem pandemischen Rauschen im Blätterwald ist das Thema Nachhaltigkeit ziemlich ins Hintertreffen geraten. Dieser Traum dreht sich um das Element Wasserstoff. H2. Also zweimal H. Passt ziemlich gut zu HH.

Nehmen wir nun noch das F in FHH dazu, wird klar, dass der Norden mit all dem prima Windstrom – der so oft nicht genutzt werden kann, weil es das Netz nicht mag – viel (elektrische) Kapazität hat. Regenerative Energie beim Herstellprozess namens Elektrolyse macht den Wasserstoff nämlich erst grün. Weil der überraschenderweise gerne auch in anderen Farben daherkommt. Grau, blau und sogar türkis. Ein buntes Durcheinander und eigentlich ziemlich unpassend für ein nachweislich farbloses Gas. Dachte sich auch das Bundesforschungs-
Ministerium und bietet auf seiner Website – kein Scherz – „Eine kleine Wasserstoff-Farbenlehre“ an. Einfach toll.

So richtig toll fanden wir früher als Schüler auch die Knallgasreaktion im Chemieunterricht, oder? Mischt man H2 und O2 im richtigen Verhältnis, braucht es nur noch einen kleinen Funken – und Bäng! Eine schöne exotherme Reaktion. Voller Energie. Übrig bleibt nur Wasser. Auch das ist toll. Wegen des Bäng!s wird aber immer wieder die Frage gestellt, ob wir diese Technologie denn auch beherrschen. Tun wir. Zwar (noch) nicht wirtschaftlich. Aber technisch. Denn so neu ist sie nicht. Wasserstoff und Elektrolyseure zu seiner Herstellung sind schon seit Jahrzehnten im industriellen Einsatz. Wasserstoff-Busse mit Brennstoffzellen fahren (testweise) seit mehr als zehn Jahren in Hamburg, Berlin und anderswo herum. Bisher noch ohne Bäng! Und hinten kommt nur Wasser raus. Ist doch super. Ach nein, ist Wasserstoff. Mit Super-Brennwert – etwa dreifach so viel wie herkömmlicher Sprit.

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Aber wie das immer so ist mit Superlativen. Auch die Brennstoffzellen-Medaille hat zwei Seiten. Denn die Technologie ist hinreichend komplex. Benötigte Rohstoffe, Produktionsprozesse, Restwasserausblasen bei Frost, Aufwärmen beim Anlaufen auch im Sommer und Kühlen im Betrieb. Die H2-Mobilität hat zurzeit noch ihre Tücken – und ihren Preis ohnehin. Das gilt auch für die dicken, fetten Hochdrucktanks. Denn die Wasserstoff-Moleküle sind so klitzeklein, dass sie einfach durch (unbeschichtete) Wände hindurchgehen. Verständlicherweise. Ist ja auch verdammt eng und eisig kalt, wenn man mit rund 700 bar Druck und -40 °C in einen dunklen Tank gepresst wird. Da würde ich auch raus wollen. Keine Frage.

Die Kunst der Ingenieure besteht nun eben darin, die flüchtigen H2-Moleküle gesteuert und nicht mit einem Bäng! entweichen zu lassen. Und zu überlegen, was man mit den dicken, fetten und schweren Tanks tut. Beispielsweise erstmal da auszuprobieren, wo Gewicht eine eher untergeordnete Rolle spielt. Genau. In der Schifffahrt. Würde auch zu Hamburg passen. Man darf ja träumen. Auch von einem anderen Moorburg, übrigens.

>> Web: https://www.bmbf.de/de/eine-
kleine-wasserstoff-farbenlehre-10879.html