Dr. Noel Ferro, Spezialist für Quanten-Chemometrik

Dr. Noel Ferro sitzt vor seinen Bildschirmen im ISI Buchholz. Sie zeigen das 3D-Modell eines Dichlorofen-Moleküls, das für Arzneien verwendet wird. Foto: Wolfgang Becker

Startups im ISI Buchholz – Folge 1

Was Dr. Noel Ferro macht, erschließt sich den wenigsten Menschen – die Dinge, mit denen er sich befasst, sind einfach zu klein, haben aber konkrete Auswirkungen auf die sichtbare Welt. Trotzdem wurde er 2018 Gewinner des Gründerpreises im Landkreis Harburg. Warum, zeigt sich, wenn er im Gespräch in die Quantum-Chemometrik einsteigt. Wie bitte? „Chemo steht für die Chemie, Metrik für die statistischen Berechnungen und Quantum für die Quanten-Chemie“, sagt der sympathische 48-Jährige, der bereits über eine spannende Vita als Wissenschaftler verfügt, tatsächlich aber in einem absolut exotischen Bereich arbeitet – für den sich Unternehmen aus der Chemie-Industrie ebenso interessieren wie Mittelständler.

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Letztere nahm Dr. Ferro in den Fokus, als er 2015 schließlich beschloss, sich mit Ferro CBM Chemical & Biological Metrics selbstständig zu machen: „Ich wollte das innovative Denken, das in den Forschungsabteilungen großer Konzerne organisiert vorhanden ist, kleineren Unternehmen bereitstellen.“ Bei Chemie fällt aufmerksamen Zeitgenossen sofort der Name Glyphosat ein. Das Herbizid aus dem Hause Monsanto hat nicht nur eine jahrelange Geschichte als Unkrautvernichtungsmittel für die Agrarwirtschaft, sondern auch enorme Sprengkraft für den deutschen Chemie-Konzern Bayer, der das US-Unternehmen Monsanto kaufte und sich nun einer Klagewelle ausgesetzt sieht, weil Glyphosat in Verdacht steht, Krebs zu erzeugen. Erste Urteile zugunsten Betroffener lassen Schlimmstes für Bayer erahnen.

Tatsächlich forscht Dr. Ferro seit Jahren im Bereich der Herbizide, aber auch der Krebsmedikamente und anderer Industrie-Chemikalien. Zurzeit erstellt er ein Kataster von Molekülen, das unter anderem Auskunft über die Dichte von Elektronen und die möglichen Andockpunkte zwischen verschiedenen Molekülen gibt. Ziel: „Ich suche einerseits nach neuen Chemikalien, die umweltverträglich sind, andererseits nach Optimierungsmöglichkeiten vorhandener Chemikalien.“ Da die Berechnungen der Elektronendichte von Molekülen höchst komplex sind, betreibt der Wissenschaftler im ISI einen eigenen Serverraum mit Hochleistungsrechnern. Im Ergebnis erscheinen dreidimensionale Moleküle auf dem Bildschirm, die unterschiedlichste Zonen der Elektronendichte aufzeigen, sowie umfangreiche Daten- und Analysediagramme.

Dr. Ferro zeigt auf ein modelliertes Molekül und sagt: „Nun können wir schauen, wie das mit anderen Molekülen zusammenpasst. Und wir bekommen manchmal heraus, dass selbst völlig andere Moleküle dieselbe Wirkung haben. So lässt sich beispielsweise die Toxizität senken. Daran sind die Unternehmen interessiert.“ Tatsächlich gebe es in den unterschiedlichsten Chemikalien durch Veränderung einzelner Atome mögliche Querverbindungen, die sich dann als neue Chemikalie weniger schädlich auswirken. Darauf komme es an. Dr. Ferro: „Ich lege die Datengrundlage für die Beziehungen zwischen der Mikro- und der Makrowelt bei der Verwendung chemischer Produkte. Quantum-Chemometrik – das machen wirklich nur sehr wenige Wissenschaftler weltweit.“ Durchaus möglich, dass er der einzige in Deutschland ist . . . wb

Web: https://isi-wlh.eu/isi-zentrum-fuer-gruendung-business-innovation.html