Darum ist die Handwerkerstunde so teuer

Foto: Wolfgang BeckerVorschriften, Vorschriften, Vorschriften – Handwerksmeister Rainer Kalbe sieht eine eklatante Zunahme von unproduktiven Arbeitsstunden, die sich negativ auf die Verrechnungssätze für Handwerkerstunden auswirken. Seine Folgerung: Die Handwerkerstunde wird immer wertvoller – deshalb sollte der Kunde im Sinne einer effektiven Nutzung möglichst gut vorplanen.

Der anhaltende Bauboom sorgt weiterhin für volle Auftragsbücher insbesondere in den baurelevanten Gewerken. Handwerksmeister berichten sogar von einer gestiegenen Zahlungsmoral ihrer Auftraggeber; Kunden dagegen von der Sorge um Zeitpläne – weil die beauftragten Betriebe häufig so viel zu tun haben, dass die Mitarbeiter von Baustelle zu Baustelle eilen und versuchen, die angenommenen Aufträge parallel abzuarbeiten. Und das kostet Zeit. Noch etwas ist vielen Kunden aufgefallen: Die Kosten für die Handwerkerstunde sind gestiegen – ein klarer Beleg für hohe Nebenkosten. Daraus zu schließen, das Handwerk verdiene zurzeit übermäßig viel Geld, ist allerdings nicht richtig, wie Rainer Kalbe, Geschäftsführer von Hartmann Haustechnik (Heizung, Bäder, Sanitär) und stellvertretender Bezirkshandwerksmeister in Harburg, sagt. Für B&P hat er die Handwerkerstunde seziert – mit einem überraschenden Ergebnis und einer logischen Konsequenz für jeden Kunden.

Dass die Kosten für die Handwerkerstunde gestiegen sind, steht außer Frage. „In den vergangenen fünf Jahren ist der Verrechnungssatz um etwa sieben Euro netto gestiegen – das bedeutet etwa eine Steigerung um 15 Prozent“, sagt Rainer Kalbe.
Aktuell zahlt der Privatkunde heute pro Stunde 65 Euro (inklusive Mehrwertsteuer). Die Kurve zeigt damit eindeutig nach oben.

Kalbe zu den Ursachen: „Zum einen haben wir deutlich mehr Dokumentationspflichten, die im Büro erledigt werden müssen. Die Menge der Vorschriften und der daraus resultierenden Schulungen für Mitarbeiter steigt ebenfalls permanent. Ein Beispiel: Vorgaben im Rahmen der Wasserhygiene. Früher kam der Klempner und schloss die Wasserleitung an – fertig. Heute lautet die Vorgabe, dass die im Haus verlegten Wasserleitungen mindestens einmal am Tag komplett durchgespült werden müssen. Öffentliche Auftraggeber verlangen nicht nur Spülprotokolle, mittlerweile wird auch schon im Einfamilienhausbau eine Wasseranalyse gefordert. Insgesamt hat der Planungsaufwand stark zugenommen, zum Teil müssen Ingenieursleistungen eingekauft werden. Unter dem Strich kann man für unseren Bereich sagen: Die Anforderungen an den Betrieb sind etwa um 300 Prozent gestiegen.“

Unfallverhütung und Gefahrenaufklärung

Hinter dem erhöhten Aufwand und den wachsenden Vorschriften steckt vielfach das Ziel der Auftraggeber, sich für den Schadens- und Haftungsfall abzusichern. In der Folge verlagern sich die Lasten immer stärker „nach unten“. Hinzu kommt das große Thema Unfallverhütung und Gefahrenaufklärung. Auch hier wieder umfangreiche Vorschriften durch die Berufsgenossenschaft. Drastisch ausgedrückt: Der Chef muss seinen Gesellen darüber aufklären, dass er herunterfallen könnte, falls er eine Leiter benutzt. Kommt es zum Unfall und der Geschädigte wurde nicht darauf hingewiesen, ist der Arbeitgeber dran. Rainer Kalbe: „Im Grunde ist die Flut der Vorschriften kaum mehr zu bewältigen – und damit stehst du als Unternehmer immer mit einem Bein vor Gericht.“

Der Wilhelmsburger Unternehmer weiter: „Sicherheitsbelehrungen, Erste-Hilfe-Kurse, Technikschulung, Unfallverhütung, Datenschutzbelehrung, EU-Vorschriften – die Zahl der unproduktiven Stunden nimmt ständig zu und führt zu einem Mehraufwand in der Verwaltung, der über die Handwerkerstunde wieder verdient werden muss. Hinzu kommen höhere Kosten für Logistik, eventuell Mautgebühren, Autos und Versicherungen. All das wandert in die Gemeinkosten.“