Lars Blunck, Geschäftsführer von Gallas Gebäudeservice: „Ohne Handwerk läuft in diesem Land nichts!“

Lars-Blunck

Interview: Konzentration, Fachkräftemangel, Bürokratismus: Lars Blunck, Geschäftsführer von Gallas Gebäudeservice, zur aktuellen Situation bei den Gebäudereinigern

B&P: Das Gebäudereiniger-Handwerk erlebt derzeit eine erhebliche Konzentration. Was bedeutet das für einen klassischen Mittelständler wie das Unternehmen Gallas?

Blunck: Das bedeutet, dass wir uns einem immer größeren Wettbewerb zu stellen haben. Während die Großkonzerne, wie beispielsweise die ISS – das ist der weltgrößte Dienstleistungskonzern mit etwa 750 000 Mitarbeitern – bisher nur im Bereich der Großkunden und Konzerne akquiriert haben, stellen sie nun fest, dass dort ausschließlich ein Verdrängungswettbewerb stattfindet, so werden die hauseigenen Akquisiteure nun auf unsere Kunden, also den gesunden Mittelstand, angesetzt.


B&P: 750 000 Mitarbeiter – das klingt nach einem Mega-Konzern. Ist Größe grundsätzlich ein Vorteil? Wenn ja, welcher?



Blunck: Aus meiner Sicht ist Größe kein Vorteil, sondern eher ein Nachteil. Diese eben genannte Größe bedeutet auch immer eine gewisse Trägheit und eine Anonymität. Wir als Firma Gallas Gebäudeservice sind seit über 50 Jahren vor Ort für unsere Kunden da. Und das mit langjährigen Mitarbeitern. Das bedeutet: Wir haben über viele Jahre ein besonderes Vertrauensverhältnis zu unseren Kunden aufgebaut. Wir kennen unsere Kunden; und unsere Kunden sind keine Nummern, die in einem Callcenter landen, wenn sie sich mit uns in Verbindung setzen wollen.

B&P: Das Handwerk klagt allgemein über Personalmangel, das gilt auch für die Gebäudereiniger. Wie stellt sich die Situation speziell in diesem Handwerk aus Ihrer Sicht dar?

Blunck: Der Personalmangel im Handwerk betrifft ganz besonders die Gebäudereiniger. Je besser es der Gesamtwirtschaft geht, desto mehr wird auch weniger gut ausgebildetes Personal von vermeintlich attraktiveren Jobangeboten angelockt. Gebäudereinigung, „für andere zu reinigen“, ist weiterhin kein besonders attraktives Berufsbild.

B&P: Ist die schwache Nachfrage eine Folge der Gehaltsstruktur oder eher der körperlichen Arbeit?

Blunck: Nein, an der Gehaltsstruktur und an der körperlichen Arbeit kann es auf gar keinen Fall liegen. Die körperliche Arbeit ist keine stärkere Belastung als in anderen Handwerksberufen. Das Gebäudereiniger-Handwerk hat einen sehr attraktiven Tarifvertrag, nach dem auch in der geringsten Lohngruppe schon seit Jahren deutlich mehr bezahlt wird als der nun eingeführte Mindestlohn. Die Gehälter für Führungskräfte wie Objektleiter oder Gebäudereinigermeister sind im Vergleich zu vielen anderen Branchen deutlich höher.