Häfen in Bremerhaven und Bremen halten sich gut über Wasser

Die Bremerhavener Container-Terminals freuen sich über ein Umschlagsplus. Luftfoto: Scheer

Im zehnten Jahr der weltweiten Schifffahrtskrise trotzen die Häfen in Bremerhaven und Bremen dem internationalen Trend.

Hafensenator Martin Günthner klang einigermaßen erleichtert, als er die Halbjahresbilanz für den Hafenumschlag im Land Bremen zog. „Die Häfen in Bremen und Bremerhaven konnten sich in einem harten europäischen Wettbewerb gut behaupten. Dies schafft eine solide Basis für die weitere Entwicklung in diesem Jahr“, stellte Günthner fest. Die Chefin der Hamburger Hafen und Logistik AG (HHLA), Angela Titzrath, konnte ihren Aktionären zu der Zeit nur Hoffnung auf eine solide Seitwärtsbewegung bei Umschlag und Umsatz machen – im Containerbereich werden die sich an der Elbe „auf dem Niveau des Vorjahres bewegen“, prophezeite Titzrath.

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Das Umschlagsplus auf den Bremerhavener Containerterminals hat allerdings bislang auch eher ein niedriges Niveau – ganze 0,7 Prozent betrug das Plus. Rotterdam und Antwerpen legten im ersten Halbjahr dagegen fast um das Zehnfache zu. Wirtschaftsexperten deuten dies als ein Zeichen dafür, dass sich Ladungsströme zu Lasten der deutschen Großhäfen an die Rheinmündung verschieben. Politik und Wirtschaft warnen gleichermaßen, dass diese Tendenz eine Folge der Verzögerungen bei Elbe- und Außenweser- Vertiefung sei.

Stückgutumschlag in den bremischen Häfen wächst

Es gibt aber auch Bereiche, in denen die bremischen Häfen eindeutig vorne liegen. Der Stückgutumschlag stieg um 4,7 Prozent. Auffällig ist dabei der Zuwachs bei Eisen und Stahl um 25,3 Prozent auf nun 1.266.000 Tonnen. Insbesondere Bremen, aber auch der High-and- Heavy-Bereich am Autoterminal in Bremerhaven bauen ihre gute Position in Europa zunehmend aus. Hamburg hatte sich schon vor längerer Zeit größtenteils aus diesem Frachtbereich zurückgezogen. Rotterdam und Antwerpen profitieren von ihrer Nähe zum Ruhrgebiet.

Eine wachsende Bedeutung gewinnen die beiden bremischen Häfen für die Endmontage großer Maschinen und Anlagen unmittelbar vor dem Verladen auf See. Im Neustädter Hafen in Bremen sind diese Projekte schon seit Jahren ein Thema. Erstmals hat nun ein solches Vorhaben in Bremerhaven eine Basis gefunden. Auf der ABC-Halbinsel lässt Thyssen-Krupp derzeit mit starker logistischer Unterstützung der BLG zwei gigantische Maschinen für den Bergbau in Nordamerika montieren. Solche Aufträge könnten künftig häufiger kommen – weil das Straßennetz in Deutschland für Schwertransporte kaum noch geeignet ist. So muss ein Schwertransport von Augsburg nach Bremen mittlerweile 500 Kilometer Umweg fahren. (heu)