Von Puhst zu Puhst

Rundreise durch das Reich der Gewerbehöfe – Lars Meyer und seine 250 Mieter – Zwischen Hightech und Industrie-Idylle.

Acht Jahrzehnte Firmengeschichte – das ist schon ein beachtliches Stück eines Weges, den Lars Meyer und Carola Jungwirth als Vertreter der dritten Generation im Unternehmen Hans E. H. Puhst seit einigen Jahren fortschreiben. Puhst? In Wirtschaftskreisen ist der Name natürlich bekannt, schließlich handelt es sich um ein Traditionsunternehmen, das vor allem Flächen und Räume für Unternehmen bereithält. In der öffentlichen Wahrnehmung ist das Echo schwächer – obwohl vermutlich jeder schon einmal den markanten Turm der ehemaligen Margarinefabrik gesehen hat. Er steht an der Jaffestraße in Wilhelmsburg und grüßt täglich die Pendler auf der Wilhelmsburger Reichsstraße und in der Bahn. Fragen wir einen Harley-Fahrer: Wo Harley Hamburg Süd sitzt, weiß der natürlich ganz genau, aber der Puhsthof in Hittfeld? Keine Ahnung. Grund genug also, sich mit Lars Meyer auf eine Rundtour von Hof zu Hof zu begebenVon Pusht zu Pusht

Jaffe12 und Margarinefabrik
Start ist in der neuen Schaltzentrale des Unternehmens – im Büroturm des jüngsten Puhsthofes. Jaffe12 ist ein preisgekrönter Neubau, der vor gut einem Jahr eröffnet wurde. Er steht ebenfalls an der Jaffestraße und ist quasi ein Gewerbehof im Gewerbehof. Hier trifft das Erstobjekt, die Margarinefabrik, die Gründer Puhst in den 50er-Jahren erwarb und als ersten Puhsthof an den Markt für Gewerbe-Immobilien brachte, auf das jüngste Objekt. Im fünften Stock von „Dock2“ ist die Puhst-Verwaltung untergebracht. Aus dem Büro von Lars Meyer fällt der Blick durch die bodentiefen Scheiben auf den Jaffe-Davids-Kanal und die angrenzenden Gewerbegrundstücke. Über Jaffe12 ist viel geschrieben worden. Namhafte Mieter wie der Dufthersteller Linari, eine portugiesische Großbäckerei, der Indus-triedienstleister Hectas und die Aramark-Verwaltung haben sich hier niedergelassen. Neu: Der dänische Spediteur Ancotrans richtet hier seine Firmenzentrale ein, und eine Bäckerei für Tortilla-Chips wird sich im Doppelkomplex Jaffe12 niederlassen. Im Neubau sind damit von 6500 Quadratmetern nur noch etwa 1000 frei. Nebenan in der alten Fabrik geht es etwa kleinteiliger zu. Hier sind auch Künstler mit ihren Ateliers zu finden.

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Puhsthof Neuhöfer Straße
Von der Jaffestraße sind es nur ein paar Minuten bis zum nächsten Puhsthof. Der liegt an der Neuhöfer Straße mitten im alten Wilhelmsburg. Die Straße wurde insbesondere durch den Energie-Bunker bekannt, der im Zuge der IBA Hamburg vielfach für Aufsehen sorgte. Nur wenige 100 Meter weiter biegt Lars Meyer in die Einfahrt ein. Hier ist das Gegenmodell zu Jaffe12 zu finden. Eine bunte Mischung zum Teil um die 100 Jahre alter, aber restaurierter Industriegebäude. Manche mit Backstein, andere als einfache Hallen. Hier stand die Farbenfabrik J. D. Flügger, einst Deutschlands erster Lackhersteller. Flügger ging schließlich im Unternehmen Brillux auf, die Gebäude gehörten da aber schon längst zu Puhst.

Unter den 250 Mietern, die auf den fünf Puhsthöfen (Jaffestraße und Neuhöfer Straße in Wilhelmsburg, Sinstorf, Meckelfeld und Hittfeld) ihren Geschäften nachgehen, gibt es eine Ausnahme: Felix Hellenkamp. Der Metallbauer verleiht dem Standort Neuhöfer Straße mit seinen Skulpturen eine künstlerische Note. Lars Meyer: „Das ist der einzige Mieter, mit dem ich per Du bin. Wir kennen uns schon über 25 Jahre.“ Zu Hellenkamps Nachbarn zählen ein Fitness-Center, die psychiatrische Asklepios-Tagesklinik, ein Fotograf, eine kleine blitzsaubere Kfz-Werkstatt und beispielsweise John Eising, ein freundlicher Möbelbauer und Restaurator, der aus alten Kommoden wieder echte Schmuckstücke zaubern kann. Zeit zum Händeschütteln hat er nicht: „Ich bin gerade beim Leimen – da darf man nicht unterbrechen.“ Hinter der Einfahrt eröffnet sich eine eigene kleine Welt, ein sympathisches Wirtschaftsbiotop, in dem auch Blumenfreunde ihre Nische finden.

Bierprobe in Sinstorf
Ortswechsel: Am Sinstorfer Kirchweg stand früher die Hansano-Molkerei. 1989 kaufte das Unternehmen Puhst die 9000 Quadratmeter große Fläche mit Mehrzweckhallen, Werkstätten, Büros, Freiflächen und Stellplätzen. Hier entstand unter Regie von Heidi Tillmanns, Geschäftsführerin der zweiten Generation, der Puhsthof Sinstorf. Molkerei war gestern, aber Lebensmittel spielen hier noch immer eine Rolle. Schon beim Aussteigen aus dem Auto weht eine würzige Brise um die Ecke. Das Unternehmen Ankerkraut mischt Gewürze und bringt sie in den Handel. Und dann treffen wir Julia Wesseloh, Chefin der Kehrwieder-Brauerei. Sie und ihr Mann Oliver haben die Kreativbrauerei gegründet. Der Spontanbesuch wird mit einer Bierprobe beantwortet – das neue Alkoholfreie übertrifft alle Erwartungen. Nicht nur im Geschmack, auch in der Nachfrage. Zu den weiteren Mietern zählen bekannte Harburger Firmen wie die Klempnerei Dunckel und Kaplun & Kluge (Elektrik).

Hittfeld 1 und 2
Nächster Halt: Hittfeld 1 und 2. Diese beiden Puhsthöfe zählen zu den jüngeren Objekten. Hittfeld 1 wurde 1999/2000 gebaut – 2400 Quadratmeter Hallenfläche, 1600 Quadratmeter Bürofläche. Zu den Mietern zählen Desmi Pumpen, die Grimm & Wulff Anlagen- und Systembau GmbH, die Wasseraufbereitungsanlagen in Container montiert und weltweit zum Einsatz bringt, sowie die Schleswig-Holstein Netz AG, die hier ihren südlichsten Standort unterhält. Hittfeld 1 grenzt direkt an das Gartencenter von Matthies.

Wer in das Hittfelder Gewerbegebiet An der Reitbahn hineinfährt, sieht links ein Ensemble moderner Gewerbebauten mit markanten Treppenhäusern – das ist der Puhsthof Hittfeld 1. Ganz vorn das BMW-Trainingszentrum, dahinter Harley Hamburg Süd, in zweiter Reihe der Elektrozigarettenhandel red kiwi, die Schwesterfirmen AEW und AFS Solutions (siehe auch Seite 21), der Danish-Homestyle-Laden sowie der Malerbetrieb Krüger + Sohn.

Der Storchenweg in Meckelfeld
Letzter Halt: Meckelfeld. Am Storchenweg im Gewerbegebiet wurden in den 90er-Jahren moderne Gewerberäume, Mehrzweckhallen sowie Büros für Handel, Handwerk und Produktion gebaut. Unter den Mietern sind der Astro-Shop von Eric-Sven Vesting (Teleskope, Zubehör), der Holzbearbeitungsbetrieb Feldner und ein koreanischer Hersteller für Kabelkomponenten. Viele Jahre war hier auch die Puhst-Verwaltung zu Hause, bevor sie im vorigen Jahr nach Wilhelmsburg an den Ursprungsort der Geschichte zurückkehrte – dorthin, wo Gründer Hans E.H. Puhst die ersten Schritte zum Aufbau der Puhsthöfe unternahm. Von ihm stammt der Satz: „Bei uns dreht sich alles um den zufriedenen Mieter.“ In diesem Sinne führen seine Enkel, Lars Meyer und Carola Jungwirth, das Unternehmen weiter.

  • Lars Meyer wird in diesem Jahr erstmals die Expo Real in München besuchen, um sich eine Marktübersicht zu verschaffen. „Wenn wir mit einer neuen Idee nach Hause kommen, hat sich das schon gelohnt“, sagt er. Insgesamt vermietet er auf allen sechs Puhsthöfen 50 000 Quadratmeter Gewerbefläche. An dem Hamburg-Stand wird er auf Initiative der Süderelbe AG gemeinsam mit Christoph Birkel (hit-Technopark) vertreten sein. wb