Sie finden nur schwer zueinander

AV-Hauptgeschäftsführer Bernd Wiechel.

Für Betriebe und Auszubildende wird das Jahr 2020 zu einer Bewährungsprobe

Die Corona-Krise sorgt für erhebliche Turbulenzen auf dem Ausbildungsmarkt: Während auf der einen Seite noch zahlreiche Lehrstellen unbesetzt sind, wissen auf der anderen Seite viele junge Menschen noch nicht, wo sie im Sommer in das Berufsleben einsteigen sollen. Weil die üblichen „Kontaktbörsen“ weggefallen sind, müssen sich Firmen neue Wege überlegen, um Interessenten anzusprechen. Die Azubis in spe selbst aber wissen oftmals nicht, welche Unternehmen ihren Interessen überhaupt entsprechen. Und dann ist da noch die große Zahl der Betriebe, die sich noch nicht entschieden haben, ob sie dieses Jahr angesichts der schwierigen wirtschaftlichen Entwicklung überhaupt Lehrlinge einstellen sollen – ein Umstand, der auf die gesamte Metropolregion Hamburg Süd und darüber hinaus zutreffen dürfte.

„Instagram, Twitter, Facebook – die Unternehmen bespielen nahezu alle Social-Media- Kanäle, um Nachwuchs zu gewinnen“, berichtet Renate Peters, Bereichsleiterin SchuleWirtschaft beim Arbeitgeberverband Lüneburg-Nordostniedersachsen e.V. Sie hat den Eindruck, dass junge Leute durchaus noch auf der Suche sind, „aber es herrscht allgemeine Verunsicherung, wo und wie sie sich bewerben sollen“. Vor Corona waren ganze Schulklassen zur Betriebsbesichtigung gekommen, es gab den Zukunftstag, an dem die Schüler Einblicke bekommen konnten – alles gestrichen. Hinzu kommt, dass ein Abi-Jahrgang nahezu komplett wegfällt. Für die Betriebe ist die Situation eine Herausforderung. „Berufsorientierung auf Distanz, das ist schon eine schwierige Angelegenheit“, fasst Peters zusammen. Der AV entwickelt derzeit neue Ideen, zum Beispiel virtuelle Betriebsbesichtigungen oder Chats zwischen Auszubildenden und Schülern. „Mit dem Netzwerk SchuleWirtschaft sind wir aktuell dabei, diese neuen Formate zu planen“, erläutert Peters.

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Sorgen bereitet dem Arbeitgeberverband aber auch die wachsende Zahl an Betrieben, die zögern, überhaupt Ausbildungsplätze anzubieten. „Wir appellieren an die Firmen, Lehrlinge einzustellen, um zum einen für die Zeit nach Corona gewappnet zu sein und zum anderen auch gesellschaftliche Verantwortung zu zeigen“, betont AV-Hauptgeschäftsführer Bernd Wiechel. Ein Abwarten könne man sich im Sinne der jungen Menschen, aber auch im Sinne der Unternehmen nicht leisten.