Mahns Meinung: Original oder Ersatzteil?

Martin Mahn, Geschäftsführer der Tutech Innovation GmbH und der Tutech Hamburg GmbHMartin Mahn, Geschäftsführer der Tutech Innovation GmbH und der Hamburg Innovation GmbH

Kolumne von Martin Mahn, Geschäftsführer der Tutech Innovation GmbH und der Hamburg Innovation GmbH

Das Material wird alt. Es ermüdet. Unsere Strukturen sind nicht für die Ewigkeit gemacht. Weder die, die wir selbst geschaffen haben (sehen wir ja am heutigen Zustand unserer Straßen), noch die, mit denen wir erschaffen wurden (spröde Bänder und Knochen). Das muss wohl oder übel und früher oder später jeder einsehen, der mit über 50 noch Sport machen möchte. Ich meine richtigen Sport. Muss ja nicht gleich American Football sein. Fußball vielleicht. Tennis oder Golf. Reicht aber, um sich amtlich Meniskus, Kreuzband oder Achillessehne zu zerbröseln. Und dann? Bekannter Dreiklang: CT, OP, PT. Aber die „Recovery Speed“ lässt eben auch nach; die Genesung dauert immer länger. Gut, Sport ist Mord, das sagt man schon immer. Also irgendwann besser ganz lassen? Sozusagen als „Predictive Maintenance“?

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Oder darauf hoffen, dass es die Technik zukünftig richten wird? Künstliche Gelenke, Bänder und Gewebe, das geht schon. Aber gibt es bald auch ganze Gliedmaßen aus dem Ersatzteillager? Mit Glia-Nanostrom-Kopplung an den Symphaticus? Oder eine Hochleistungsleber, der alle Schadstoffe in unseren Nahrungsmitteln egal sind? Können wir uns noch ein bisschen mehr Hirn kaufen? Mit viel RAM? Das würde nicht nur die Matheprüfung viel einfacher machen. Noch ein paar selbstlernende Algorithmen hochladen und – Fachkräftemangel ade. Nur die Rentenversicherung hätte vielleicht ein noch größeres Problem.

Iron Man? Kein Problem!

Mit einem bionischen Exoskelett geht man dann glatt nochmal einen Iron Man an. Und gekoppelt mit KI als Anfänger jede beliebige Sportart (auch selbstlernend, versteht sich). Zu wenig Hubraum? Gelenke ausgelutscht? Egal. Einfach in die Werkstatt und sich ein Upgrade oder Tuning-Kit verpassen lassen. Und das tägliche Rennen geht in die nächste Runde.

Schwierig wird es wohl dann, wenn die Ersatzteile nicht mehr in einem gesunden Verhältnis zu den Originalteilen stehen. Hydraulikölverlust statt Dehydrierung und Abriss der Konnektivität statt Bänderriss. Nicht mehr multiples Organversagen, sondern vollständiger Systemabsturz. Wenn der nachgerüstete 98-jährige Humanoide durch jähes Versagen der CPU auf dem Center Court zusammensackt. Re-boot unmöglich.

Möchte man eigentlich nicht erleben. Also doch ab sofort nur noch Minigolf . . .

Fragen an den Autor? mahn@tutech.de