Zwei deutsche Top-Azubis kommen aus dem Landkreis Harburg

Sie arbeitet mit Schokolade, er mit Stein – als Fachkraft für Süßwarentechnik und Naturwerksteinmechaniker üben Manon Baden und Björn Nerge völlig unterschiedliche Berufe aus. Beiden gemeinsam ist: Sie sind in ihrem Beruf deutschlandweit die besten Prüfungsabsolventen des Jahres und zählen damit zu den 219 von insgesamt 310 000 Absolventen in IHK-Berufen, die bei der nationalen Bestenehrung in Berlin geehrt wurden. Geleebananen, Schokosterne oder Ingwer-Stäbchen – das ist die Welt von Manon Baden. Als Fachkraft für Süßwarentechnik stellt die junge Frau bei der Johannes Lühders KG in Stelle süße Köstlichkeiten gleich tonnenweise her. Ein Job, der kein Zuckerschlecken ist: „Man braucht technisches Verständnis, Genauigkeit und Interesse am Produktionsprozess von Lebensmitteln“, sagt Betriebsleiter Mario Ellrodt. Manon Baden hat diese Fähigkeiten perfekt eingesetzt: Als einzige Prüfungsteilnehmerin bundesweit hat sie in ihrer Fachrichtung „Zuckerwaren“ traumhafte 94,75 Punkte erreicht.

Björn Nerge

Björn Nerge lernte Naturwerksteinmechaniker bei der Naumann GmbH in Seevetal.

Manon Baden

Manon Baden lernte Fachkraft für Süßwarentechnik bei der Lühders KG in Stelle. Fotos: ihk/Wege, nh

Für die 24-Jährige selbst ist das eine echte Überraschung: „Im Grunde habe ich das alles einem Zufall zu verdanken“, sagt sie bescheiden. Das stimmt nur ein bisschen. Zufall war, dass die Abiturientin, die nach der Schule ein Jahr durch Australien reiste, in der Zeitung auf eine Stellenannonce der Lühders KG stieß. Sie bewarb sich auf den Ausbildungsplatz zur Speditionskauffrau, bekam aber ein Angebot für eine Ausbildung in der Produktion: „Ich dachte mir, ich probiere das einfach“, sagt die junge Frau. Seither gehört Probieren zu ihren Aufgaben. „Es ist Teil der Qualitätskontrolle, dass man den Geschmack testet“, sagt Manon Baden und lacht: „Zum Glück bin ich den ganzen Tag auf den Beinen und kann die Kalorien wieder ablaufen.“

Die Süßwarentechnikerin überwacht und steuert den automatischen Produktionsprozess bei dem mittelständischen Hersteller, muss dabei von der Rohstoffaufbereitung bis zur Verpackung alle Schritte im Blick haben. Egal ob Fruchtsaftbärchen, Pfefferminztaler oder Bremer Kluten – nicht nur auf den Geschmack, auch auf die Konsistenz und Optik kommt es bei den süßen Spezialitäten an. „Schokolade etwa muss genau die richtige Temperatur haben, damit der Schokoüberzug schön glänzt“, nennt Manon Baden ein Beispiel. Manchmal führt erst der Umweg zum Ziel. Davon kann Björn Nerge einiges erzählen. Mit 27 Jahren hat der Abiturient, der aus Mecklenburg-Vorpommern stammt und heute in Hamburg lebt, seinen Berufsabschluss als Naturwerksteinmechaniker der Fachrichtung Maschinenbearbeitungstechnik in der Tasche. Dabei hat er die Ausbildung bei der Naumann GmbH in Seevetal in kürzester Zeit mit der Bestnote sehr gut (92,2 Punkte) absolviert – als einziger seiner Fachrichtung bundesweit. Sein Weg schien eigentlich vorgezeichnet: Beide Eltern sind Bauingenieure, mit seinem Lieblingsfach Mathematik habe er in der Schule „immer alles rausgehauen“, sagt der junge Mann. Also begann er ein Studium der Ingenieurwissenschaften, merkte aber schnell: „Das stumpfe Lernen liegt mir nicht.“

Bei der Herstellung von Küchenarbeits- oder Waschtischplatten arbeitet Nerge an computergesteuerten Maschinen, die tonnenschwere Platten maßgenau sägen, fräsen oder schleifen. Die Kombination von Maschinen- und Handarbeit mache den Beruf interessant, sagt er. „Außerdem haben Naturstein oder Quarz-Komposit-Stein ganz verschiedene Eigenschaften. Das finde ich spannend. Und am Ende des Tages zu sehen, was man geschafft hat, ist einfach ein gutes Gefühl.“