Bremerhaven und Bremen präsentieren sich auf der SMM

Blickfang: Auch wenn derzeit kaum Schiffe geordert werden, gehörten die Neubau-Werften und ihre ausgestellten Schiffsmodelle zu den Besuchermagneten der SMM. Foto: Heumer

Es dürfte eines der größten Netzwerktreffen der Welt sein. Mehr als 50.000 Fachbesucher haben auf der Schiffbaumesse SMM in Hamburg neue Kontakte geknüpft und alte Kontakte gepflegt. Von den mehr als 2.200 Ausstellern aus 69 Nationen kamen rund 70 Aussteller aus dem Land Bremen, das immer noch einer der größten Schiffbaustandorte in Deutschland ist.

Die internationale Schiffbauindustrie wird zunehmend grün. Das zumindest war der Eindruck auf der diesjährigen Schiffbaumesse SMM in Hamburg. Denn der Umweltschutz oder genauer gesagt die dafür notwendigen Technologien rücken zunehmend in den Fokus der weltweiten Werftindustrie und ihrer Zulieferer. Neubauaufträge sind dagegen nach wie vor Mangelware – angesichts vorhandener Überkapazitäten und einer instabilen Einnahmesystem halten sich die Reeder weltweit mit Bestellungen weiter zurück. Nur auf den deutschen und manchen europäischen Werften ist die Stimmung gut, weil sie sich auf den hochwertigen Spezial- und Passagierschiffbau konzentriert haben.

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Umdenken in vielen Schifffahrtsnationen

Die in Hamburg vorgestellten Umwelttechnologien sind direktes Resultat eines Umdenkens in vielen Schifffahrtsnationen und in der internationalen Schifffahrtsorganisation IMO. Bereits ab 2020 dürfen Schiffe auf hoher See nur noch Treibstoffe mit einem Schwefelgehalt von 0,5 Prozent verbrennen – bislang sind mit Ausnahme von Nord- und Ostee und einigen anderen Gebieten 3,5 Prozent. Für die Reeder bleiben nur wenige Möglichkeiten: Entweder sie „tanken“ teuren, aber sauberen Diesel statt Schweröl, oder sie rüsten ihre Schiffe mit Abgasreinigungsanlagen – so genannten Scrubbern – nach. Das Thema Abgasreinigung ist insbesondere im Land Bremen interessant. Mit der Bremer Saacke Gruppe ist hier einer der international anerkannten Hersteller von Abgasreinigungssystemen ansässig; mit der Bremerhavener Bredo GmbH verfügt das Bundesland über großes Know-how im Retrofit-, Umbau und Reparaturbereich sowie flexible Dockkapazitäten.

Alternative Kraftstoffe gefragt

Zur neuen Kursrichtung in der Schifffahrt zählt außerdem die IMO-Entscheidung, die CO2-Emissionen der weltweiten Schifffahrt bis 2050 zu halbieren. Auch hier sind Technologien gefordert, die die Unternehmen im Land Bremen beherrschen. Insbesondere geht es um den Einsatz alternativer Kraftstoffe wie beispielsweise Flüssiggas LNG. Dieses Thema „green propulsion“ war der SMM einen eigenen Ausstellungsbereich wert. In Bremerhaven ist das erste Containerschiff weltweit auf LNG-Betrieb umgerüstet worden; außerdem wurde hier das erste deutsche Fahrgastschiff, die MS Ostfriesland, hier entsprechend umgerüstet. Am Rande der SMM gab es außerdem erste Gespräche um ein Modellprojekt für ein kleines Fahrgastschiff mit einer Brennstoffzelle als Kraftquelle.

Insgesamt waren rund 70 Betriebe aus dem Bundesland auf der SMM vertreten, darunter sechs Firmen am Gemeinschaftsstand des Landes. Diese Plattform nutzt das Land Bremen bereits zum sechsten Mal, um sich als einer der wichtigsten nationalen – und internationalen – Standorte der maritimen Wirtschaft und Logistik zu positionieren. Den Gemeinschaftsstand des Landes organisiert die BIS Wirtschaftsförderung Bremerhaven.

„Genau die passenden Standortfaktoren“

Über die erneut starke Präsenz der beiden Städte freut sich BIS-Geschäftsführer Nils Schnorrenberger. „Es ist ein wesentliches Element unserer Standortförderung und unseres gemeinsamen Messeauftritts, die örtlichen Unternehmen mit potenziellen Kunden und Geschäftspartnern aus aller Welt ins Gespräch zu bringen“, bekräftigt er. „Die diesjährigen Schwerpunkte der SMM, Digitalisierung und Umwelt, zeigen zudem, dass wir mit unseren Beratungsangeboten, dem Schwerpunkt Green Economy und der Entwicklung eines nachhaltigen Gewerbegebiets genau die passenden Standortfaktoren bieten, die moderne maritime Unternehmen benötigen“, stellt Schnorrenberger fest.

„Unvergleichliche maritime Kompetenz“

„Die maritime Wirtschaft und Logistik sind von zentraler Bedeutung für die wirtschaftliche Zukunft Bremerhavens und Bremens“, betont Martin Günthner, Senator für Wirtschaft, Arbeit und Häfen. „In einer langen Tradition hat sich in den beiden Städten eine unvergleichliche maritime Kompetenz verankert. Mit etwa 1.500 Unternehmen und rund 80.000 direkt Beschäftigten generiert der Sektor heute ein Drittel des Bruttoinlandproduktes im Land Bremen mit innovativen Dienstleistungen und Produkten. Die Branche und ihre positive Entwicklung auf allen Ebenen zu unterstützen, ist ein zentrales Anliegen der Bremer Wirtschaftspolitik“, verweist der Senator unter anderem auf die maritimen Schwerpunkt in der Clusterstrategie und im Innovationsprogramm des Landes. (heu)