Die Methode Arne Weber

Foto: HCHArne Weber in Aktion: Der Bauunternehmer, Investor und Channel-Begründer erläutert das Modell des Hamburg Innovation Port – es ist zugleich das größte Projekt, das er in seinen 45 Jahren an der Spitze von HC Hagemann angeschoben und bereits in Teilen realisiert hat. || Foto: HCH

Kühler Rechner und kreativer Kopf in einer Person – „Ich habe ständig neue Ideen, zeitweise gab es sogar ein Ideenbuch“

Seit viereinhalb Jahrzehnten steht Arne Weber als Inhaber und Geschäftsführer an der Spitze von HC Hagemann. Seinem Unternehmermut ist es zu verdanken, dass aus einer rattenverseuchten und schrottplatzgeprägten Industriebrache namens Harburger Binnenhafen ein Vorzeigequartier wurde – der Channel Hamburg. Als Projektentwickler, Investor, kreativer Antreiber und Mann mit Sinn für die Kombination von Tradition und Moderne formte er das Areal um und setzte auch weit über Hamburgs Grenzen hinaus mit markanten Bauvorhaben und teils spektakulären Ingenieurbauwerken Maßstäbe. Was treibt ihn an? Darüber sprach B&P-Redakteur Wolfgang Becker mit Arne Weber.

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In 150 Jahren hat das Unternehmen HCH nicht nur in Hamburg tiefe Spuren hinterlassen. Seit 45 Jahren tragen Sie als Vertreter der dritten Generation die Verantwortung. Was war Ihr Lieblingsprojekt?
Das ist eine schwierige Frage. Ich habe mit großer Begeisterung an vielen Projekten gearbeitet, deshalb gibt es auch viele Lieblingsprojekte. Darunter zum Teil ganz komplizierte Vorhaben, beispielsweise die Sanierung des Alten Elbtunnels. Oder als 1989 die Grenze nach Osten aufging, da haben wir auf die Karte geschaut, Niederlassungen in Rostock und Stralsund gegründet und beispielsweise den Doberaner Hof gebaut. Das war eine spannende Zeit. Aber daneben gibt es eben auch die Projekte, an denen ich ein Leben lang gearbeitet habe. Wie zum Beispiel im Channel.

Manches fällt dem Laien nie ins Auge, wie beispielsweise der Bau der Strompfeiler für die neue Kattwykbrücke. Andere Themen wiederum sorgten für ein Riesenecho. Stichwort Helgoland.
Als wir damals die Idee hatten, die Fläche zwischen Düne und Hauptinsel aufzuschütten, da gab es einen Aufschrei und ein Echo bis nach Japan. Leider gab es dann eine knappen Volksentscheid gegen diese Maßnahme. Aber wir ziehen solche Projekte geradezu an. Richtig aufgehen wir hier bei HCH, wenn es um Hafenbau oder den Bau einer Kaimauer geht. Also wenn es richtig kompliziert wird wie bei der Kattwykbrücke. Das ist unser Ding. Deshalb auch die Helgoland-Idee.

In den vergangenen fast 30 Jahren gab es immer wieder Punkte, an denen ich mich fragte, wie kommt Arne Weber bloß auf solche Ideen. Was war der Antrieb, beispielsweise ein Lighthouse zu bauen.
Das steckt einfach in mir drin. Ich habe laufend Ideen, aber ich sage sie nicht immer. Zeitweise haben wir die sogar aufgeschrieben und ein Ideenbuch geführt. Damals sind wir vier Mal im Jahr zu Ideenkonferenzen in die Berge gefahren, sind gewandert oder Ski gelaufen. Und dann haben wir gesponnen. Also dieses Spinnen – ich war mein Leben lang immer ein Spinner . . .

Das „Hamburger Abendblatt“ hat über Sie geschrieben und „Man muss schon etwas verrückt sein“ getitelt.
Ja, das stimmt ja auch. Es gab damals keinen Zweiten, der bereit war, diese Seifenfabrik hier im Binnenhafen zu kaufen. Keinen. Meine engsten Berater, darunter mein Vater, meinten, ich würde mir Eskapaden erlauben und mich unglücklich machen. Aber ich wollte doch keine Industriebrache kaufen, ich wollte Geschäfte machen! Das war mein erstes Immobilienprojekt. Allerdings hatte ich kein Geld, aber ich fand eine Bank, die verstand, was ich vorhatte. Das Projekt kostete viele Millionen. So gab es in meinem Leben viele Entscheidungen, bei denen ich einfach sagte „Das mache ich“. Ich bin kein Hasardeur, aber wenn ich von etwas überzeugt bin, dann bin ich auch bereit, Risiken zu tragen. Wer kein Risiko eingeht, der hat auch keine Chancen.

Es gab ja auch Phasen, in denen es mal kritisch wurde . . .
. . . durchaus, das Leben verläuft nicht immer nur linienförmig. Es gab Zeiten, in denen die Banken öfter mal nachfragten. Das war damals, als T-Mobile den Channel verließ und auf einen Schlag 22 000 Quadratmeter Fläche in der Seifenfabrik frei wurden. Die Telekom war damals unser größter Mieter. Zum Glück suchte Airbus Flächen – das war unsere Rettung.

Gehen Sie heute noch Risiken ein?
Ja, aber die sind immer kalkuliert. Ich rechne alles gründlich und mehrfach durch und denke in Worst-Case-Szenarien, also lege ich nie Einnahmen zugrunde, die vielleicht unter bestimmten Bedingungen einmal kommen könnten.

Sind Sie ein guter Rechner?
Ja, natürlich. Ich bin ein Zahlenmensch. Aber selbst wenn die Zahlen stimmen: Wenn mein Bauchgefühl Nein sagt, dann mache ich es nicht.

Sie sind einerseits Zahlenmensch, aber zugleich auch höchst kreativ – eine ungewöhnliche Mischung. Ist das vielleicht das Geheimnis Ihres Erfolgs?
Ich kenne mich in meinem Metier schon gut aus. Aber ich habe noch einen weiteren Grundsatz: Ich realisiere nur Projekte, die ich im Kopf rechnen kann. Ich fasse kein Projekt an, bei dem ich eine schwierige Berechnung machen muss, vielleicht auch noch mit steuerlichen Ansätzen oder so. Nach dem Motto „irgendwann trägt sich das“. Bei mir trägt sich etwas sofort, sonst mache ich es nicht. Und das kann ich im Kopf rechnen.

Das ist also die Methode Weber?
Ja, so könnte man das nennen.